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17:30 10.07.2017
Ein nachträglicher Erweiterungsbau, zu DDR-Zeiten neben dem ehemaligen Gewerkschaftshaus im Bauhaus-Stil errichtet. Quelle: DPA
Bernau

Das neue Brandenburger Welterbe kann übersehen werden, denn es liegt im Wald, fast verborgen, es prahlt nicht mit dem großen Titel, der ihm am Sonntag in Krakau von der Unesco verliehen wurde. Das Bauhaus-Areal in Bernau (Barnim) ist ein Schmuckstück, das derzeit hinter einem Bauzaun liegt. Man braucht Schleichwege, um aufs 6,2 Hektar große Grundstück zu gelangen. Es handelt sich um eine Lichtung zwischen Kiefernwäldern und einem kleinen See, idyllische Landschaft, sehr ruhig und leicht hügelig.

Bernaus Bürgermeister André Stahl (Linke) ist begeistert von der Krakauer Entscheidung: „Ich bin stolz und überwältigt, dass das Bauhaus-Denkmal in Bernau national wie international auf gleicher Höhe mit anderen Erbdenkmälern liegt – etwa mit dem Potsdamer Schloss Sanssouci, dem Kölner Dom, der Museumsinsel Berlin, der Akropolis von Athen und Venedig mit seiner Lagune.“ Es sei ihm und Bernau eine Ehre, „dass sich unsere doch eher kleine Stadt in die Welterbestätten einreihen darf.“

1928 wurde das Gelände bei Bernau vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund gepachtet. Die Gewerkschaft schrieb im gleichen Jahr einen Wettbewerb zum Bau der Schule unter sechs Architekten aus. Die Häuser sollte zur Weiterbildung und Erholung der Gewerkschaftsfunktionäre dienen, der Komplex war geplant als „Musterbeispiel moderner Baukultur“. 120 Arbeiter sollten für jeweils vier Wochen dort Unterkunft finden. Ein großer Park diente der Erholung, dazu kamen Speisesaal, Küche, Verwaltung und die Wohnhäuser der Lehrenden.

Bernau ist Teil des Welterbe-Ensembles

Bisher umfasste das Bauhaus-Welterbe Gebäude und Denkmäler in Weimar und Dessau, die unter der Leitung des ersten Bauhaus-Direktors Walter Gropius gebaut wurden, sowie den Gründungsort der Schule in Weimar. Sie waren 1996 auf die Welterbe-Liste gekommen. Nun gehört auch Bernau dazu.

Unter den Nazis wurde die Schule ab 1933 Reichsführerschule der NSDAP, zu DDR-Zeiten übernahm der FDGB das Ensemble. Seit 2001 ist die Handelskammer Eigentümer des Hauses.

Hannes Meyer, Direktor des Bauhauses Dessau, setzte sich mit seinem Entwurf gegen Max Berg, Alois Klement, Willy Ludewig, Erich Mendelsohn und Max Taut durch. Meyer plante einen Gebäudekomplex, der aus einzelnen Baukörpern zusammengesetzt ist und sich in die Landschaft einpasst. In der „Bauhaus“-Zeitschrift schrieb er: „Diese Schule darf mit Recht gelockert erscheinen. Die kürzesten Wege des Zusammenkommens sind nicht durch verkürzte Korridore zu schaffen, sondern durch die Gelegenheit zum freundschaftlichen Sich-ergehen. Das Resultat: Nicht konzentrische Häufung von Baumassen, sondern exzentrische Lockerung der Bauteile.“

Das Bernauer Ensemble ist neben dem Bauhaus in Dessau (Sachsen-Anhalt) das größte Bauhausprojekt weltweit und gilt als eines der bedeutendsten. Bernau ist nun in Krakau als Ergänzung zum Dessauer Bauhaus, das bereits 1996 zum Welterbe ernannt wurde, gewürdigt worden.

„Hier konnte man zeigen, was Bauhaus-Stil bedeutet“

Peter Steininger und seine Kollegen vom Förderverein Baudenkmal Bundesschule Bernau sehen die Entscheidung für Bernau als „logische Folge“, sagt Vorstandsmitglied Steininger. Während Dessau die Bauhaus-Ausbildungsstätte gewesen sei, sei Bernau das Produkt. „Hier konnte man zeigen, was Bauhaus-Stil bedeutet und welche zeitlose Kraft er hat“, sagt er.

Auch Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) freut sich über den Unesco-Titel: „Mit der Aufnahme von Bernau verfügt Brandenburg, nach Potsdams preußischen Schlössern und Gärten, nun über ein zweites Weltkulturerbe.“

Zeitgeschichtlich ordnet Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) die Ehrung ein: „Der Titel zeigt, wie attraktiv die Ideen der Moderne bis heute sind.“

Der Bauzaun auf dem Bernauer Gelände wird bald verschwinden. Der Vorplatz soll wieder an den Ur-Zustand angelehnt werden. Vor allem aber: Ein Besucherzentrum ist in Planung. Das tut Not. Die Gäste werden nun kommen. Der Schatz bleibt nicht länger verborgen.

Von Lars Grote

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