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Im Osten gibt es nur selten Urlaubsgeld

Männer öfter als Frauen Im Osten gibt es nur selten Urlaubsgeld

Nach einer aktuellen Online-Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung erhält nicht einmal jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland Urlaubsgeld. Im Osten sind es nur 27 Prozent, vor drei Jahren waren es noch fünf Prozent mehr. Grund ist die geringe Tarifbindung der Betriebe. Es gibt aber auch positive Ausnahmen.

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Bonus für Urlaub. Nicht mal jeder zweite deutsche Beschäftigte bekommt es.

Quelle: dpa

Potsdam/Düsseldorf. Wenn der Sommerurlaub naht, freut sich jeder Arbeitnehmer über einen Lohntüten-Zuschuss. Doch immer weniger Betriebe, auch in Brandenburg, gewähren Urlaubsgeld. Während vor drei Jahren noch fast jeder zweite Arbeitnehmer die Sonderleistung erhielt, sind es jetzt nur noch 41 Prozent. Im Osten sank die Zahl von 32 Prozent im Jahr 2013 auf jetzt 27 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Online-Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf hervor. Überdurchschnittlich häufig wird danach Urlaubsgeld in Unternehmen mit Tarifbindung gezahlt – der Anteil liegt dort bei 61 Prozent.

Die Chefin der Berlin-Brandenburger Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Susanne Stumpenhusen, führt diesen Trend auf die erhöhten prekären Beschäftigungsverhältnisse in der Region zurück. Immer mehr Betriebe würden Tarifflucht begehen. Sie sprach von einem Ost-West-Gefälle. Brandenburg müsse sich aktiv darum bemühen, die Tarifbindung zu erhöhen, sagte Stumpenhusen der MAZ.

Gewinner und Verlierer der Lohntüten-Zuschüsse

In acht Branchen hat sich das tarifliche Urlaubsgeld bundesweit erhöht, wie die Umfrage ergab. In der Versicherungsbranche um 2,4 Prozent, im Einzelhandel um 2,5 und in der Eisen- und Stahlindustrie um 4,1 Prozent.

Keine Erhöhung gab es in den Branchen Druck, Chemie, Großhandel, Süßwarenindustrie, Landwirtschaft sowie Hotel- und Gaststättengewerbe. Dort fanden entweder keine Tarifverhandlungen statt oder das Urlaubsgeld wurde als Festbetrag vereinbart. Das höchste Plus gab es in der Textilindustrie im Osten um 11,1 Prozent.


An der Umfrage vom Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung beteiligten sich rund 6400 Beschäftigte.

Beschäftigte in Unternehmen, die aus der Tarifbindung aus- oder nicht erst eingetreten sind, erhielten dagegen nur zu 32 Prozent ein Urlaubsgeld. Die Umfrage ergab auch, dass Männer (49 Prozent) die Leistung öfter als Frauen (35 Prozent) bezögen, was auch damit zu hat, dass Frauen häufiger geringfügig beschäftigt sind. Seltener Urlaubsgeld gibt es auch in kleineren Unternehmen unter 100 Beschäftigte (33 Prozent) im Vergleich zu größeren Firmen mit über 500 Beschäftigten (57 Prozent). Unterschiede zulasten des Ostens gibt es in der Textil-, der Süßwarenindustrie und im Großhandel. Insgesamt, so ergab die Umfrage, gibt es im Westen vielfach höher Urlaubsgeld als in Ostdeutschland.

Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld

Starken Schwankungen ist auch die Höhe des tariflichen Urlaubsgeldes ausgesetzt – je nach Branche. Gezahlt wird eine Sonderleistung zwischen 155 und gut 2000 Euro. So wird im Einzelhandel in Brandenburg, beispielsweise für eine Verkäuferin, im Schnitt ein Urlaubsgeld von rund 1000 Euro gezahlt. Die höchsten Zahlungen gibt es unter anderem in der Metallindustrie. Im Bankgewerbe und in der Energiewirtschaft gibt es dagegen kein tarifliches Urlaubsgeld.

Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht, verweist darauf, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld nicht gibt. „Deshalb bekommt es längst nicht jeder.“ Ein Anspruch müsse im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt sein. Steht dort nichts, könne sich noch ein Anspruch aus betrieblicher Übung ergeben. „Die dürfen Mitarbeiter in der Regel annehmen, wenn der Arbeitgeber dreimal hintereinander Urlaubsgeld gezahlt und keinen Vorbehalt ausgesprochen hat.“

Von Igor Göldner

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