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Brandenburg Im Stadtschloss ein bisschen Sanssouci
Brandenburg Im Stadtschloss ein bisschen Sanssouci
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11:41 07.07.2014
Zwei Pavillons, die dem Mittelteil des Schlosses Sanssouci nachempfunden sind, sind als "Kunst am Bau" im Innenhof des Potsdamer Landtages aufgestellt. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Wer in Potsdams Mitte künftig den Innenhof der barocken Replik durchschreitet, muss sich auf eine Provokation gefasst machen. Zwei illusionistische Nachbauten des Mittelteils von Schloss Sanssouci zersetzen das eben erst unter großen Anstrengungen hergestellte Stadtschloss-Areal. Am Montag übergibt der Brandenburger Landtag das Auftragskunstwerk seiner Bestimmung, das im Land für erhitzte Diskussionen sorgen wird.

Der Grund: Das Erlebnis des großzügigen Innenraums, dessen Proportionen allerdings vom Knobelsdorff-Original abweichen, wird durch ein visuelles Störfeuer erschwert. Links und rechts von der Mittelachse stehen in asymmetrischer Anordnung zwei schablonenhafte Pavillons. Neben ihren sieben Meter hohen Kuppeln wirken die Kuppeln des Fortunaportals und der Nikolaikirche, die bisher dem Ort die Krone aufsetzten, beliebig und willkürlich. Rokoko, Barock und Klassizismus ergeben einen Missklang. Und das herbeizitierte Sanssouci-Gelb beißt sich heftig mit dem Bonbonrosa des Stadtschlosses. Vor allem: Der kompakte vierflügelige Bau mit seinen soliden Steinfassaden wird einer billigen, vorsätzlich kulissenhaften Attrappe gegenübergestellt.

335.000 Euro hat sich der Landtag die beiden Pavillons kosten lassen. Quelle: Julian Stähle

Wer deshalb annimmt, es handele sich nur um einen vor übergehenden Spuk, irrt. Das Kunstwerk mit dem Titel „Zugabe“ soll dauerhaft stehen bleiben. Eine Kunstkommission aus Mitgliedern des Landtags und Experten hat den Entwurf von Florian Dombois aus 100 Vorschlägen ausgesucht. Und was heißt hier billig? Die Doppelskulptur ließ sich der Landtag 335.000 Euro kosten. Sie ist nämlich nicht aus vergänglichem Pappmaché, auch wenn sie so aussieht, sondern aus sechs Tonnen haltbarem Aluminium und sturmfest verankert.

Der Staat als Bauherr hat sich verpflichtet, mit etwa einem Prozent der Bausumme künstlerische Interventionen zu ermöglichen. Oft läuft das auf eine „Kunst am Bau“ hinaus, die qualitätsvoller ist als das Gebäude, von dessen Scheußlichkeit sie durch einen originellen Kringel ablenken soll. Zu dieser Sorte gehören die beiden Sanssouci-Attrappen aber nicht. Der 47-jährige Künstler aus Köln möchte offenbar die Diskussion über das Für und Wider einer Replik aufrechterhalten, die so alt ist wie die Vision, den fast vergessenen Hohenzollern-Bau wiederzuerrichten. Sein ironischer Kommentar, damit keiner das antimoderne Blendwerk als gottgegeben hinnimmt, lautet sinngemäß: Ihr wolltet ein historistisches Disneyland – da habt ihr es.

Für sein Kunstwerk spricht, dass es irritiert, dass es eine identitätsstiftende gesellschaftliche Frage wachhält und für Gesprächsstoff sorgt. Gegen sein Kunstwerk spricht, dass es äußerst aufdringlich und plakativ in Szene gesetzt ist. Der Kontrast zwischen vergangener und gegenwärtiger Formensprache prägt schließlich den Landtagsbau bis in seine Grundfesten, der im Inneren modern und funktional durchgestaltet wurde. Die Potsdamer Künstlerin Anette Paul, die aus dem „Kunst am Bau“- Wettbewerb als Zweitplatzierte hervorging, hat die gleiche Aussage bereits sehr viel charmanter und diskreter zum Ausdruck gebracht. Im Oktober 2013 durfte sie in goldenen Lettern an der östlichen Barockfassade einen Schriftzug anbringen – „Ceci n’est pas un chateau“ – Das ist kein Schloss!

Im Zeitalter des digitalen Kopierens, des Samplens und 3-D-Druckens liegt die Idee von Florian Dombois in der Luft. Sie ist aber alles andere als originell. Erinnert sei nur an das begehbare Duplikat von Goethes Gartenhaus 1999 in Weimar, das auch nach der Devise „Alles-kann-kopiert-und-verschoben-werden“ funktioniert hat.

Mit Blick auf den Potsdamer Landtag denken Fachleute bei dem Stichwort „Kunst am Bau“ zunächst an die fehlenden 76 Attika-Figuren, die ursprünglich oben auf den vier Außenkanten des Originalbaus standen und das Erscheinungsbild des Stadtschlosses erheblich belebten. Nostalgiker kämpfen derzeit um ihre vollständige Rekonstruktion. Vielleicht wäre es Aufgabe der Kunstkommission, einen Wettbewerb auszurufen, um ein modernes Figuren-Programm zu entwickeln, das den Brückenschlag in die Gegenwart wagt. An Konfliktfreudigkeit fehlt es den Damen und Herren zum Glück nicht, denkt man nur an die Kontroversen um den inzwischen abgehängten weißen Adler und an das umstrittene Hitler-Porträt des Künstlers Lutz Friedel.

Von Karim Saab

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