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Telemedizin Im Video-Chat mit

Video-Chat, Smartphone-App und Herzschrittmacher, die Patientendaten an Praxen senden – zwar steht die Telemedizin in Brandenburg noch am Anfang, aber es gibt auch hierzulande Beispiele, wo sie längst Alltag ist. Experten haben auf einer Potsdamer Konferenz mehr Tempo bei der Entwicklung der Telemedizin gefordert.

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Ob Video-Chat mit dem Arzt oder Migräne-App – auch in Brandenburg gibt es Beispiele für Telemedizin.

Quelle: agenturfotografin - Fotolia

Potsdam. Einmal übers Tablet wischen, Rufnummer wählen und schon sieht man einen Mann oder eine Frau im weißen Kittel auf dem Bildschirm. „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“, fragt das Gegenüber. Via Webcam sieht sich der Arzt Hautveränderungen an oder gibt einen Tipp zum Verbandwechsel. Willkommen in der digitalen Sprechstunde

Experten aus Politik, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft sind am Mittwoch in Potsdam zusammengekommen, um über die Zukunft der Telemedizin zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand die Datensicherung. „Das Land Brandenburg ist sehr innovativ und aufgeschlossen der Telemedizin gegenüber, dennoch würde ich mir wünschen, dass wir in einem anderen Tempo weitermachen“, sagt Jürgen Heese, Vorstandsvorsitzender Telemed-Initiative Brandenburg, die die Fachkonferenz veranstaltet hat. Heese fordert, dass die Hauptstadtregion eine Gesamtstrategie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens entwickelt wie etwa Baden-Württemberg es bereits getan hat.

Gesundheitsministerin: Wir müssen Chancen stärker nutzen

Video-Chat, Smartphone-App und Herzschrittmacher, die Patientendaten an Praxen senden – zwar steht die Telemedizin in Brandenburg noch am Anfang, aber es gibt auch hierzulande Beispiele, wo sie längst Alltag ist. Weil in Brandenburg erwartet wird, dass in den kommenden Jahren mehr Fachärzte in den Ruhestand gehen, als Ärzte nachrücken, haben das Land, Krankenkassen und private Unternehmen große Erwartungen an die Telemedizin.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke) sieht Brandenburg weiter vorangeschritten als noch vor zwei Jahren. Angebote der Telemedizin würden helfen, die medizinische Versorgung der Patienten zu verbessern und die Beschäftigten im Gesundheitswesen bei ihrer Arbeit zu entlasten. „Diese Chancen müssen wir noch viel stärker nutzen.“

Migräne-App mit Schmerztagebuch

Einen Weg, den die gesetzlichen Krankenkassen mitgehen. „Digitale Angebote im Gesundheitswesen gewinnen immer mehr an Bedeutung, sagt Susanne Hertzer, Chefin der Techniker Krankenkasse (TK) in Brandenburg und Berlin. „Gerade in dünn besiedelten Gebieten ergänzen Angebote wie Online-Videosprechstunden die Patientenversorgung.“ Die Techniker Krankenkasse hat im Jahr 2015 ein Pilotprojekt gestartet zur Online-Video-Sprechstunde beim Hautarzt. Die Möglichkeit für Versicherte, sich vom Facharzt digital beraten zu lassen, läuft inzwischen bundesweit. „Herr über die Daten ist und bleibt stets der Patient“, betont Hertzer.

Ein neues Angebot der TK ist die am Mittwoch vorgestellte Migräne-App mit der Symptome digital erfasst werden können, so dass der Arzt anhand des Verlaufs besser erkennen kann, wann die Attacken auftreten und wie stark sie sind.

Vor dem Video-Chat muss es eine persönliche Beratung geben

Auch die AOK-Nordost bietet eine Online-Sprechstunde an – für Psychotherapie-Patienten. „Es ist erwiesenermaßen insbesondere in ländlichen Gebieten sehr schwierig für Versicherte, schnell einen Termin beim Psychotherapeuten zu bekommen“, sagt Gabriele Rähse, Sprecherin der AOK Nordost. Am kasseneigenen Centrum für Gesundheit können sich Versicherte mit einem von 17 Fachärzten austauschen, ohne im Wartezimmer zu sitzen. Einen Termin gibt es nach eigenen Angaben bereits innerhalb einer Woche. Vor einer Video-Beratung muss es ein erstes Arztgespräch in einer Praxis gegeben haben. Das Angebot sieht die Kasse als Ergänzung zur bestehenden medizinischen Versorgung. „Die direkte ärztliche Behandlung wird allerdings immer im Vordergrund stehen“, betont Rähse. Von dem Angebot sollen langfristig auch Brandenburgs Versicherte profitieren.

Über das telemedizinische Expertenkonsil „PädExpert“ der Barmer GEK können Kinder- und Jugendärzte Kollegen mit speziellem Fachwissen bei Diagnose und Therapieverfahren online hinzuziehen, wenn Kinder an seltenen oder bestimmten chronischen Krankheiten leiden. Die richtige Diagnose könne in vielen Fällen wesentlich schneller getroffen werden, als wenn die Eltern mit dem Kind zu einem weit entfernten Facharzt müssten.

Privatwirtschaft entdeckt den Markt

Auch private Unternehmen haben den Markt entdeckt. Die Teltower Firma Getemed etwa hat sich auf Telemedizin spezialisiert und stellt unter anderem Geräte her, mit denen sich herzkranke Patienten von zu Hause aus diagnostizieren lassen können. Mit einem kleinen tragbaren Gerät, kann ein Patient, der an Herzrhythmusstörungen leidet, per Knopfdruck ein EKG aufzeichnen, das automatisch an seinen Arzt oder die Klinik gesendet wird. Eine Herzrhythmusstörung, die selten und unregelmäßig auftritt, könne so leichter diagnostiziert werden. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben festgestellt, dass immer mehr Patienten bereit sind, als Selbstzahler für solche telemedizinschen Angebote aufzukommen.

Die Gründerszene in Brandenburg reagiert ebenfalls auf ein gestiegenes Interesse an digitalen Medizinangeboten. „Die Gesundheitswirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig in der Region Berlin-Brandenburg“, sagt Cluster-Sprecher Stefan Oelrich. Das Potsdamer Start-Up Emperra hat ein System für Diabetiker entwickelt, mit dem sie ihre gemessenen Blutzuckerdaten und die injizierten Insulineinheiten in ein elektronisches Diabetestagebuch übertragen können. Die AOK bietet diesen Service ihren Versicherten an.

Von Diana Bade

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