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Imker wollen Dauerstreit mit Bauern beenden

Belasteter Honig Imker wollen Dauerstreit mit Bauern beenden

Mehrfach schon wurde Honig durch Chemie von Pflanzenschutzmitteln verunreinigt, weil die märkischen Imker nicht wissen, wann die Landwirte ihre Felder spritzen. Jetzt wollen Imker und Bauern ihren Dauerstreit auf einem Treffen in Potsdam beilegen.

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Bienen fliegen auf Rapsblüten.

Quelle: dpa

Potsdam. Brandenburgs Imker liegen schon seit Jahren über Kreuz mit den märkischen Landwirten. Krach gibt es wegen des Spritzens von Pflanzenschutzmitteln. Gehen Honigbienen während des Spritzens an die Blüten, wird ihr Honig mit entsprechenden Chemikalien verunreinigt. Die heimischen Imker werfen den Bauern vor, ihre Arbeit zu wenig mit den Bedürfnissen der Honigproduzenten zu koordinieren und taub für Appelle zu sein. Eine Art Friedensgespräch soll am Montag die Wende bringen.

Grundsätzlich widersprechen sich die Interessen von Imkern und Bauern. Letztere bringen zum Beispiel das Pflanzenschutzmittel Mospilan SG gegen den Rapsglanzkäfer auf ihre Felder aus. Raps ist für Bienen sehr attraktiv. Entsprechend wurde der in Mospilan enthaltene Wirkstoff Acetamiprid schon mehrfach in Honigproben nachgewiesen, zum Beispiel vergangenes Jahr im Honig einer Imkerin aus Dahme-Spreewald. Die hatte sich vergangenen Dezember beim Bundesamt für Verbraucherschutz über den Einsatz von Mospilan SG beschwert. Das Bundesamt teilte der Imkerin mit, der Rückstand von 0,12 Milligramm Acetamiprid pro Kilo Honig sei so gering, „dass der Verzehr unbedenklich ist“. Allerdings sei der Honig nicht mehr „verkehrsfähig“, dürfe also nicht verkauft werden. Genau das hatte die Imkerin aber gewollt.

Landwirte und Imker sollten Spritzzeiten abstimmen

Natürlich müsse man den Landwirten das Recht lassen, ihre Saat gegen Schädlinge zu schützen, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburgischer Imker, Lothar Lucke. Allerdings sei umgekehrt auch die Tendenz bedenklich, immer mehr Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Doch eine Umstellung hin zum ökologischen Anbau gelinge nicht von heute auf morgen, gibt der Imker zu. Bis dahin sei es wichtig, dass sich die Landwirte vor Ort und die Imker über die Spritzzeiten abstimmten.

Die Belastung des Honigs kann verringert werden, wenn man den Bienenflug zu Spritzzeiten verhindert. Dafür werden einfach die Fluglöcher gesperrt. Das geht aber nur für wenige Stunden und nicht bei großer Hitze. „Diese Zusammenarbeit muss organisiert werden“, betont Lucke. Sie sei auch aufwendig, denn Bauern haben sehr viele Spritztermine gegen ganz unterschiedliche Schädlinge. Für Obstbäume stünden in der Saison zum Beispiel bis zu 25 Ausfahrten an. Dass umgekehrt auch die Imker auf die Landwirte zugehen und ihnen ihren Bienenbestand melden müssten, sei selbstverständlich. Lucke setzt auf den Dialog zwischen dem Bauernverband und den Imkern, der jetzt bei dem Treffen wieder aufgenommen werden soll.

Teure Honiganalysen

2400 Imker sind beim Brandenburgischen Imkerverband organisiert. Die Imker kommen auf ungefähr 20000 Bienenvölker. Das hört sich nach sehr viel an, ist aber für ein Flächenland wie Brandenburg ziemlich wenig. Zu DDR-Zeiten, als der Staat den Imkern den Honig abkaufte, gab es auf der Fläche des heutigen Brandenburgs rund 140000 Bienenvölker.

Für Lebensmittel wie Honig gibt es gesetzliche Rückstandshöchstgehalte (RHG). Bei der Chemikalie Acetamiprid wurde der Rückstandshöchstgehalt auf 0,05 Milligramm pro Kilo Honig festgelegt. Bleibt der Gehalt innerhalb dieser Grenze, darf der Honig auch verkauft werden. Vermutet wird, dass sich höhere Dosen von Acetamiprid auch schädlich auf das menschliche Nervensystem auswirken können.

Labore bieten den Imkern Honiganalysen an. Untersucht wird der Honig auf verschiedene Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln, aber auch auf Antibiotika. Die Universität Hohenheim bei Stuttgart verlangt zum Beispiel für eine kombinierte Analyse 210 Euro. Für die Kosten müssen die Imker selbst aufkommen.

Dieser Dialog funktioniert im Kreis Elbe-Elster laut dem Vorsitzenden des dortigen Kreisbauernverbands, Dorsten Höhne, schon sehr gut. „Ich teile den Imkern in meiner Region immer mit, wann ich ausfahre“, sagt er. Auch ein Treffen zwischen Landwirten und Imkern des Kreises sei im Sommer vergangenen Jahres sehr konstruktiv verlaufen. Von Belastungen des Honigs durch Pflanzenschutzmittel sei ihm in seinem Kreis nichts bekannt.

„Das Problem in Brandenburg sind vor allem die vielen Genossenschaften“, meint Werner Kratz. Der Biologe ist zweiter Vorsitzender des Nabu Brandenburg und Nabu-Sprecher des Bundesfachausschusses Umweltchemie und Ökotoxikologie. Die Genossenschaften delegierten das Spritzen oft an Subunternehmen, die sich nicht mit den heimischen Imkern absprächen.

Für den Erhalt schmaler Blütenstreifen fehlt die Förderung

Kratz sieht aber auch das Land Brandenburg, insbesondere das Landwirtschaftsministerium, in der Pflicht. Zum Beispiel gibt es die inzwischen auch vom Julius-Kühn-Institut anerkannte sogenannte Dropleg-Methode. Hier wird der Raps durch tiefgelegte Düsen von unten bespritzt und die offenen Blüten oben vor der Spritzbrühe geschützt. EU-Programme wie Eler ermöglichen die Förderung solcher Techniken. Kratz tritt auch dafür ein, dass nur ab einer bestimmten Anzahl von Schädlingen gespritzt werden soll. Das Land müsse dann Kosten des Pflanzenschutzes mit den Ertragsverlusten abgleichen. Auch für den Erhalt schmaler Blütenstreifen als „Bienenfutter“ gebe das Land derzeit keine Förderung, sagt Kratz. Dabei sei das Saatgut für solche Blütenstreifen, wie zum Beispiel Bauer Dorsten Höhne betont, „schweineteuer“.

Das Verhältnis der märkischen Landwirte und der Imker war vor zwei Jahren auf dem Tiefpunkt, als beide Seiten ein Treffen auf Landesebene im Streit verließen. Der Imker-Vorsitzende Lucke räumt ein, dass die Imker die Landwirte damals auch mit „Maximalforderungen“ verärgert hätten. „Manche Imker haben gegen jede Form von Spritzen geschimpft“, sagt Lucke. Diese Haltung hält er im Hinblick auf die moderne Landwirtschaft für wirklichkeitsfremd. Das sieht auch der Direktor des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf, Kaspar Bienefeld, so. Eigentlich wäre der Bienenforscher auch für eine Welt ohne Pflanzenschutzmittel, weiß aber, dass das nicht geht. „Es wäre zum Beispiel auch schon gut, die Mittel auszubringen, wenn die Bienen nicht fliegen, zum Beispiel in der Nacht.“ Pflanzenschutzmittel mit Langzeitwirkung, die von den Pflanzen aufgenommen und schon vor dem Blühen ausgebracht werden seien auch eine Lösung. Jetzt hoffen alle auf das Treffen von Imkern und Landwirten im „Haus der Natur“ in Potsdam.

Von Rüdiger Braun

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