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Immer mehr Bienen fliegen durch Brandenburg

Landwirte und Milben bergen Risiken Immer mehr Bienen fliegen durch Brandenburg

Frühling für Insekten: In der Natur sammeln Bienen die ersten Pollen. Brandenburg verzeichnet unterdessen einen Zuwachs an Bienenvölkern. Noch ist allerdings nicht klar, wie viele den milden Winter gut überstanden haben. Denn der ist auch ein Risiko in Sachen Milben. Ein Problem für die summenden Insekten sind außerdem die Landwirte.

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Blüten locken bereits jetzt Bienen an.

Quelle: dpa

Brandenburg. Der Winter ist vorbei - auch für die Bienen: Summend sammeln die Insekten die ersten Pollen von Frühblühern wie Krokus, Schneeglöckchen oder Haselstrauch. Sie erzeugen daraus Futtersaft für ihre Brut, wie Reiner Gabriel, Erster Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburgischer Imker, in Teltow sagt. Bei etwa 9 oder 10 Grad beginne der Bienenflug. Wie viele Tiere die kalten Wintermonate nicht überlebt hätten, sei allerdings noch nicht klar. Von den Brandenburger Imkern kämen bislang unterschiedliche Informationen: „Einige haben 100 Prozent ihrer Bienen durchgebracht, bei anderen gab es hohe Verluste“, sagt er.

Zu schaffen mache den Tieren die Varroa-Milbe, die sich in der Brut verstecke. Der milde Winter habe dazu geführt, dass die Bienen fast die ganze Zeit über gebrütet hätten, sagt Gabriel und erläutert: „Wenn wir lange Brutzeiten haben, ist die Gefahr größer, dass die Milbe sich vermehrt.“ Der Parasit ernähre sich vom Blut der Biene und der Puppe. Das wirke wie ein Aderlass und schade den Tieren. Zudem überträgt die Milbe Krankheiten, die etwa dazu führen können, dass die Flügel einer Biene sich nicht richtig ausbilden. „Die Milbe kann zum Tod der individuellen Biene oder zum Tod des ganzen Volkes führen“, sagt Gabriel.

Mitunter kann ein ganzes Bienenvolk sterben, wenn sich die Varroa-Milbe in der Brut versteckt

Mitunter kann ein ganzes Bienenvolk sterben, wenn sich die Varroa-Milbe in der Brut versteckt.

Quelle: dpa-Zentralbild

„Es kann trotzdem ein schlechtes Bienenjahr werden“

Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstitutes für Bienenkunde in Hohen Neuendorf, schätzt die Winterverluste als nicht übermäßig hoch ein. Über die durchschnittlichen 5 bis 10 Prozent gehe der Anteil toter Bienen nicht hinaus - trotz des milden Winters.

Voraussagen über die Entwicklung der Völker oder die Honig-Ausbeute in diesem Jahr seien kaum zu treffen, sagt Imker-Vorsitzender Gabriel: „Wir können im Frühjahr hervorragende Voraussetzungen haben, und es kann dann trotzdem ein schlechtes Bienenjahr werden.“

Insektenbekämpfung auf Kosten der Bienen

Neben der Witterung könnten auch die Landwirte den Imkern einen Strich durch die Rechnung machen. Die Industrie sei bemüht, Saatgut zu entwickeln, das mit Windbestäubung auskomme - und keine Bienen für die Befruchtung benötige. Dadurch könne der Landwirt schädliche Insekten mit Insektiziden bekämpfen, ohne auf die Bienen Rücksicht nehmen zu müssen. Diese Pflanzensorten hätten aber meist auch wenig Nektar, von dem die Bienen sich ernähren, sagt Gabriel.

Bei entsprechenden Raps-, Sonnenblumen- oder Buchweizenpflanzen könne es deshalb vorkommen, dass ein Bienenvolk im Feld Hunger leide. Der Imker müsse dann die Bienen an einen anderen Ort bringen oder Zuckerwasser zufüttern - im Sommer eigentlich nicht üblich. Die Landwirte bräuchten die Imker dann nicht mehr. „Das sehen wir natürlich gar nicht gerne“, sagt Gabriel.

Mehr Bienenvölker in Brandenburg

Dabei erfreut sich das Imkern wachsender Beliebtheit: Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der im Deutschen Imkerbund organisierten Imker in Brandenburg nach Angaben des Länderinstitutes für Bienenkunde um knapp 200 auf rund 2340 angestiegen. Auch die Zahl der Bienenvölker ist im gleichen Zeitraum gewachsen; um gut 1700 auf 22 370. Das Interesse an den summenden Insekten steige allerdings vor allem in Ballungsgebieten und weniger im ländlichen Raum, sagt Bienefeld.

„Das führt zu der paradoxen Situation, dass relativ weniger Bienen auf dem Land in Bereichen mit vielen Blumen und Feldern leben. Dabei müssten dort deutlich mehr Pflanzen bestäubt werden als in der Stadt“, erläutert der Institutsleiter. Tendenziell betreue jeder Imker eine immer geringere Zahl an Bienenvölkern. Aktuell seien es durchschnittlich sieben, vor einigen Jahren seien es noch zehn oder zwölf gewesen, sagt Bienefeld.

Von Charlotte Gerling

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