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Brandenburg Immer mehr Waschbären vor der Flinte
Brandenburg Immer mehr Waschbären vor der Flinte
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20:31 08.11.2013
Fast verdoppelt hat sich die Zahl der erlegten Waschbären. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Waschbär-Plage in Brandenburg breitet sich rapide aus: 20.274 Exemplare des kleinen Raubtiers mit der putzigen Maskenzeichnung im Gesicht kamen den Jägern im Jagdjahr 2012/13 vor die Flinte oder wurden überfahren. Das sind noch einmal 40 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus der gestern veröffentlichten Jagdstatistik hervorgeht. Auch wenn es paradox erscheint: Die hohe Abschusszahl zeigt, wie wohl sich der Einwanderer inzwischen in der Mark fühlt. Die Folgen für andere Tierarten seien noch nicht abzusehen, sagt Jens-Uwe Schade, Sprecher des Forstministeriums. Auch der Landesjagdverband registriert seit Jahren steigende und warnt vor höheren Risiken.

„Der Waschbär ist ein Sympathieträger, das ist das Problem“, erklärt Kornelia Dobiáš vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (Barnim). „Er sieht total süß aus, ist aber ein übler Eierfresser und Jungtiertöter“, sagt sie. Mit seinen scharfen Krallen vergreift er sich beispielsweise an Rebhuhngelegen oder Eiern der Sumpfschildkröte. „So stark wie er sich ausgebreitet hat, wird man ihn kaum noch zurückdrängen können“, befürchtet Dobiáš.

„Wir jagen Waschbären gezielt, aber sie sind nur schwer zu erwischen“, sagt Georg Baumann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands. „Wirklich effektiv ist die Fallenjagd“, erklärt er. Dabei werden Lebendfallen eingesetzt, die zwei mal täglich kontrolliert werden müssen. „Das ist eben sehr aufwändig“, so Baumann.

Die Jagdsaison 2012/13 war ein Rekordjahr. Ob beim Rotwild, Damwild oder Rehwild: Noch nie machten Brandenburgs Jäger so reiche Beute wie in der abgelaufenen Saison. „Die Bestände sind enorm hoch, weil die Bedingungen optimal sind“, erklärt Kornelia Dobiáš. Das hat mit der Umstellung vieler Landwirte auf den Anbau von Energiepflanzen zu tun. „Die Tiere sind top ernährt. Sie finden gute Verstecke, dort wo der Raps oder das Getreide hoch steht. Sie können quasi von Mai bis November verschwinden.“

Die hohen Wildbestände treiben jedoch die Waldbesitzer in Verzweiflung. Sie klagen über zunehmende Schäden durch Wild, das sich an jungen Pflanzen gütlich tut. „Das Problem ist flächendeckend“, sagt Martin Hasselbach vom Waldbesitzerverband Brandenburg. Das natürliche Auskeimen und Wachsen von Baumsaat habe fast gar keine Chance mehr. „Die Keimlinge werden sofort weggefressen“, so Hasselbach. „Wenn man ohne Zaun pflanzt, kann man das Wild auch gleich direkt füttern.“ 50 Euro Schaden würden pro Hektar Wald und Jahr in etwa anfallen, so Hasselbach.

Anders als Landwirte könnten die Forstbesitzer die Schäden nur schwer nachweisen, um eine Entschädigung zu erhalten. „Der Aufwand ist sehr groß, am Ende springen ein paar Cent heraus“, so Hasselbach. Das bestätigt auch Kornelia Dobiáš. „Die Situation ist für Waldbesitzer sehr kompliziert“, sagt sie. „Wir arbeiten aber gerade an einem neuen Aufnahmeverfahren für Wildschäden.“

Von Torsten Gellner

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