Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Von der Klinik zur eigenen Praxis: Ein Landei wird Landarzt
Brandenburg Von der Klinik zur eigenen Praxis: Ein Landei wird Landarzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:27 15.03.2018
Landarzt Hendryk Eichholz in seiner Praxis in Wusterwitz: „Sie können kein guter Hausarzt sein, wenn Sie nicht zuhören.“ Quelle: Julian Stähle
Anzeige
Potsdam

Die lederne Tasche und das Fahrrad gehören zum Bild eines Landarztes früherer Tage. Hendryk Eichholz nimmt für Hausbesuche lieber den Arztkoffer. „Ist praktischer“, sagt der 41-Jährige. Wenn Patienten nicht zu ihm in die Praxis fahren können, rufen sie an: „Der Doktor muss kommen.“

Eichholz ist Facharzt für Allgemeinmedizin in der kleinen 3000 Einwohner zählenden Gemeinde Wusterwitz (Potsdam-Mittelmark), unmittelbar an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Vor zwei Jahren hatte er die Praxis von Johanna Kirschner übernommen. Die Ärztin war nach 36 Jahren in dieser Praxis in Wusterwitz in den Ruhestand gegangen.

Landärzte wie Hendryk Eichholz werden dringend in Brandenburg gesucht. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg sind etwa ein Drittel der Hausärzte landesweit 60 Jahre und älter. Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren besonders viele in den Ruhestand gehen werden. Bei den Fachärzten ist jeder Vierte in diesem Alter. „Wir stehen vor der großen Herausforderung, für die vielen Arztpraxen im Land frühzeitig einen Nachfolger zu finden“, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Christian Wehry. Dies sei insbesondere auf dem Land besonders anspruchsvoll.Vor allem Hausärzte, Dermatologen und Augenärzte würden in Brandenburg gebraucht.

Eichholz’ Vorgängerin Johanna Kirschner hatte fast zwei Jahre nach einem Käufer für ihre Praxis gesucht. Es ist nicht die einzige, wohl aber die älteste Praxis in Wusterwitz. Als Eichholz die Praxisräume in dem Mehrfamilienhaus übernahm, kaufte er zugleich einen festen Patientenstamm ein. Wie viele es sind, verrät er nicht. „Aber fast alle sind bei uns geblieben“, sagt er.

„Bitte klopfen. Danke.“ – so steht es auf einem Schild an der Haustür. Es ist Mittagspause, das Wartezimmer ist leer. Der Allgemeinmediziner sitzt in seinem Sprechzimmer, das Stethoskop liegt um seinen Hals. Doktor Eichholz sieht nicht wie ein typischer Arzt aus. Er trägt einen türkisfarbenen Arztkittel, eine Farbe, die auch im Warteraum, am Empfang und in der Kleidung seines Teams auftaucht. Seine Frau Sabrina, die in der Praxis als Arzthelferin arbeitet, hat die Räume nach der Übernahme neu eingerichtet. Weil die Familie Eichholz die Nordsee liebt, hängen Bilder vom Meer an den Wänden. Eine frische Brise ist mit ihnen auch in die Landarztpraxis gekommen. „Die Patienten haben Doktor Eichholz eine Chance gegeben“, sagt die Arzthelferin Michaela Hermann, die bereits in der Praxis von Eichholz’ Vorgängerin gearbeitet hat.

Der neue Landarzt ist sich seiner Verantwortung bewusst. Bereits während des Studiums an der Berliner Charité war ihm klar, dass er mehr mit dem Arztberuf verbindet, als die wenigen Tage und Wochen, die Patienten in einer Klinik genesen. Als Landarzt begleitet Eichholz Menschen über Jahrzehnte hinweg. „Es ist phänomenal, was da an Bindung entsteht.“ Er hört in seinem Sprechzimmer viele Familiengeschichten, die oft helfen eine Diagnose zu stellen. „Sie können kein guter Hausarzt sein, wenn Sie nicht zuhören“, erklärt er.

Und Eichholz muss sehr genau hinhören. Denn anders als früher, als er seinen Oberarzt auf der Station um Rat fragen konnte, ist er jetzt „Alleinentscheider“. Bevor er die Praxis übernahm, arbeitete der ausgebildete Physiotherapeut als Arzt im Städtischen Klinikum in Brandenburg an der Havel. Nach seiner Facharzttausbildung war klar, dass er nicht im Krankenhaus bleiben will, auch weil die Bereitschaftsdienste – nachts und am Wochenende – nicht familienfreundlich sind.

Die Entscheidung, eine eigene Praxis zu übernehmen, lag für den Familienvater also nahe, zumal der junge Arzt dorthin zurück wollte, wo er groß geworden ist. „Ich bin ein Landei“, sagt Eichholz. Aufgewachsen ist der Mediziner im wenige Kilometer entfernten Ziesar (Potsdam-Mittelmark), wo er heute wieder mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt. „Das Leben auf dem Land ist auch entspannter und gesünder.“

Auf seinen Hausbesuchstouren lenkt er den Geländewagen durch Wälder, vorbei an Ackerland von einem ins nächste Dorf. Die Wege zu seinen Hausbesuchen sind bis zu 25 Kilometer weit. Steigt er aus, sitzt er mit seinen meist alten Patienten in der warmen Stube, auf der Küchenbank bei zartem Licht oder an ihrem Krankenbett. Die Menschen teilen ihre Sorgen mit ihm und sind dankbar. Es sei für ihn eine große Herausforderung, plötzlich eine eigene Praxis zu führen, sagt er. Neben der Verantwortung gegenüber den Patienten gebe es auch finanzielle Verpflichtungen. „Ähnlich wie bei einem Kleinunternehmen.“ Trotzdem gelingt es Eichholz immer wieder, seinen Patienten ein gutes Gefühl zu geben.

Bevor er sich nach der Mittagspause wieder auf den Weg zu seinen Hausbesuchen macht, schaut noch ein junger Mann mit Magenschmerzen in der Sprechstunde vorbei. Nach einer Viertelstunde öffnet sich die Tür vom Sprechzimmer. Der Patient lacht. „Der Doktor hat es geschafft, mich zu beruhigen, jetzt fühle ich mich schon besser“, sagt er.

Von Diana Bade

Immer häufiger begehren Bürger gegen die sogenannten Straßenausbaubeiträge auf. Die Zuschüsse für die Erneuerung kommunaler Straßen reißen nicht selten große Löcher in den Sparstrumpf. Nach Baden-Württemberg will jetzt auch Bayern als großes Flächenland die ungeliebten Beträge abschaffen. Brandenburgs CDU verlangt, dass Rot-Rot nachzieht.

15.03.2018

Die AfD hat eine Demonstration für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Braunkohleregion Lausitz genutzt, um Stimmung gegen Gewerkschaften und politische Gegner zu machen.

10.04.2018

Die Geduld der brandenburgischen Bauern ist am Ende. Der Wolf macht den Weidetierhaltern weiter zu schaffen. Zwar wolle man den Wolf nicht ausrotten, aber sogenannte Schutzjagden seien angebracht, heißt es in einer Mitteilung des Brandenburger Bauernbunds.

27.04.2018
Anzeige