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Brandenburg In Brandenburg fehlen Rettungsschwimmer
Brandenburg In Brandenburg fehlen Rettungsschwimmer
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12:05 13.08.2016
Nicht überall haben Rettungsschwimmer ein Auge auf das Wohl der Badegäste wie hier im Waldbad Templin. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Brandenburgs Rettungsorganisationen haben immer größere Schwierigkeiten, ehrenamtliche Rettungsschwimmer zu finden. „Die Anfragen zur Absicherung von Badestellen und Veranstaltungen nehmen deutlich zu, aber wir können das nur in seltenen Fällen zusagen“, sagt Sven Kobelt, Landesleiter der Wasserwacht, die rund 2500 Rettungsschwimmer brandenburgweit stellt. „Es wird immer schwerer, engagierte junge Leute zu finden“, so Kobelt.

Besonders die kleinen Badestellen unbesetzt

Ähnlich äußert sich Jens Serbser, technischer Leiter bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG): „Die Personalprobleme sind insbesondere unter der Woche groß, wenn die Freiwilligen in der Ausbildung oder auf der Arbeit sind. Oft können wir nur die Rufbereitschaft abdecken, aber nicht am Strand präsent sein.“ Die großen Strandbäder seien zwar besetzt, aber an vielen kleineren Badestellen sei die Präsenz nicht aufrechtzuerhalten.

Im Zweifelsfall sind die Rettungsschwimmer schneller über die Stange wieder am Boden, als über die Treppe. Quelle: Julian Stähle

Mit rund 3300 Mitgliedern ist die DLRG zwar stark, laut Serbser ist davon aber nur ein Viertel aktiv. Nicht selten sei es schwierig, 300 Freiwillige für ein Wochenende zusammenzutrommeln. Wie wichtig die Arbeit der Freiwilligen ist, zeigt eine einzige Zahl: Schon 13 Menschen sind in diesem Jahr in märkischen Gewässern zu Tode gekommen (Stand Juli).

Rettungsschwimmer fordern Gleichstellung mit Feuerwehrleuten

Die Unfallzahlen, so sind sich Vertreter der beiden größten Freiwilligen-Organisationen sicher, dürften künftig noch steigen. „Brandenburg wirbt als seenreichstes Bundesland offensiv für den Wassertourismus, aber die Absicherung wird leider vernachlässigt“, sagt Wasserwacht-Chef Kobelt. Er verweist darauf, dass Rettungsschwimmer es ungleich schwerer hätten als Feuerwehrleute, sich für Einsätze freistellen zu lassen, und fordert eine Gleichstellung mit den freiwilligen Wehren. „Hier kann die Politik etwas tun“, so Kobelt.

Unterstützung aus der Politik

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus haut in dieselbe Kerbe: „Ich sehe das Land stärker in der Pflicht, die Freiwilligen angesichts des Zuwachses im Wassertourismus nicht alleinzulassen“, sagt er. Das treffe auch auf die Landkreise zu. Jungclaus sieht ein Missverhältnis auf Seiten der Nutznießer von organisierter Wasserrettung: „Mir scheint zum Beispiel, dass die Bootscharter-Unternehmen nicht genügend eingebunden sind – sie halten sich relativ schadlos angesichts der Einsatzkosten.“

Eine der größten Seenlandschaften Europas

Mit den Tagebauseen in der Lausitz entsteht außerdem eine der größten Seenlandschaften Europas. Dass es dort besonders eng wird, eine flächendeckende Rettungsschwimmer-Bereitschaft vorzuhalten, beobachtet Sven Kobelt von der Wasserwacht. Das Deutsche Rote Kreuz, zu dem die Wasserwacht gehört, habe vor vier Jahren bereits ein Rettungskonzept für die brandenburgisch-sächsischen Seen erarbeitet. „Das Thema hat aber nicht den Stellenwert, den es haben müsste“, so Kobelt. Am Bärwalder See in Sachsen sei sogar die Wasserrettungsstelle in diesem Jahr eingestellt worden, weil die Kommune das nötige Geld nicht mehr zur Verfügung gestellt habe.

Das Geschehen haben die Rettungsschwimmer immer im Blick – auch, wenn es weit draußen ist. Quelle: Julian Stähle

Grundsätzlich sind die Betreiber der Badestellen – Kommunen und Pächter – für den Rettungsdienst verantwortlich. Vom Innenministerium heißt es, es seien derzeit „keine weiteren Maßnahmen geplant, um die Anzahl der Rettungsschwimmer, Rettungstaucher und Bootsführer in Brandenburg weiter zu erhöhen“.

Manchmal greift die Landesregierung ein

Punktuell greift die Landesregierung jedoch ein. So hat der Arbeitersamariterbund (ASB) neue Zelte und Ausrüstung im Wert von 5000 Euro gestellt bekommen, um damit ein Wasserrettungscamp durchzuführen.

Aktuell beschäftigt noch ein anderes Thema die Rettungsschwimmer: Viele Flüchtlinge können schlecht beziehungsweise gar nicht schwimmen oder überschätzen sich. Deshalb lädt etwa die DLRG Potsdam zum „Bündnis Flüchtlingsschwimmen“ ein. „Wir müssen aktiv werden, bevor der erste Unfall an der Havel zu beklagen ist“, warnt Janosch Raßmann, Sprecher der Organisation. Bundesweit seien 2015 bereits 27 Asylbewerber ertrunken.

Von Ulrich Wangemann

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