Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Märker für Widerspruchslösung bei Organspende
Brandenburg Märker für Widerspruchslösung bei Organspende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 12.09.2018
Gibt es bald neue Regeln für die Organspende? Nierentransplantation in einem Klinikum. Quelle: epd
Potsdam

Lichtblick für Menschen, die auf ein Spenderorgan warten: In Brandenburg ist die Zahl der Organspenden deutlich gestiegen. Von Januar bis Juli wurden demnach 75 Organe in Brandenburg entnommen. Im Vergleichszeitraum 2017 waren es 33. Das geht aus Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervor. 23 Menschen spendeten demnach im ersten Halbjahr Organe wie Niere, Herz oder Lunge. Zum Vergleich: 2017 waren es 18 Spender.

In Brandenburg standen Ende 2017 insgesamt 399 Patienten auf der Warteliste der europäischen Vermittlungsstelle Eurotransplant. Könnten sich diese Menschen mehr Hoffnung machen, wenn sich bundesweit eine neue Spenderregelung durchsetzen würde? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jedenfalls bevorzugt eine sogenannte doppelte Widerspruchslösung. Demnach würde jeder Bürger grundsätzlich als Spender gelten, es sei denn, er widerspricht dem ausdrücklich.

Stiftung lobt Spahn-Pläne

Die Stiftung Organtransplantation begrüßt die Pläne. Das sei ein klares Signal zur Förderung einer Kultur der Organspende in Deutschland, sagte der Medizinische Vorstand Axel Rahmel.

Der Transplantationsbeauftragte des Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikums, Chefarzt Dirk Pappert, sagt: „Wir sind in Brandenburg dringend auf Organspenden angewiesen.“ Er findet die vorgeschlagene Widerspruchslösung prinzipiell gut, wichtiger wäre aber, die bestehende Meldepflicht der Krankenhäuser zu stärken, betonte er. „Das würde schon einen großen Teil der Spenderlücke abpuffern“, so Pappert.

Größeren Krankenhäusern wie dem Ernst-von-Bergmann-Klinikum fiele die rechtzeitige Meldung eines Patienten, bei dem demnächst der Hirntod festgestellt wird, leichter als kleinen Kliniken. So konnte das Klinikum vergangenes Jahr 15 Patienten als potenzielle Spender melden. Für kleine Kliniken ist eine Organentnahme auch ein wirtschaftliches Risiko, weil die Organentnahme Personal und Ressourcen bindet. Deshalb müssten zur Pflicht auch wirtschaftliche Anreize kommen. „Die vorgeschlagene Widerspruchslösung wäre dann nur das I-Tüpfelchen“, sagte Pappert. Dieses würde aber die Entscheidung in der Tat vereinfachen und zum Beispiel das Suchen nach Verwandten eines Hirntoten überflüssig machen.

Betroffene finden Widerspruchslösung gut

Leif Steinecke aus Ahrensfelde (Barnim) weiß, was es heißt, auf ein Spenderorgan zu warten. Seit 17 Jahren lebt er glücklich mit einer transplantierten Niere. „Bei mir war es nie eine Frage um Leben oder Tod“, räumt Steinecke ein. Aber dass er nicht mehr dreimal in der Woche zur Dialyse oder ständig mit dem Druck leben müsse, nicht zu viel trinken zu dürfen, sei eine ungeheure Erleichterung. „Es ist eine riesige Steigerung von Lebensqualität.“ Den Vorschlag von Spahn unterstützt Steinecke, der als Rechtsanwalt tätig ist. „Mir konnte noch niemand erklären, warum es nicht automatisch mehr Spender geben sollte, wenn die Widerspruchslösung gilt.“

Auch Birgit Lück aus Cottbus würde die Widerspruchslösung gut finden. „Froh und dankbar“ ist auch sie für ihre transplantierte Niere. Vielleicht, denkt sie, hätte sie bei geltender Widerspruchslösung nicht siebeneinhalb Jahre darauf warten müssen.

Auch der Chefarzt der Abteilung für Herzchirurgie am Immanuel Klinikum Bernau (Barnim), Johannes Maximilian Albes, unterstützt Spahns Vorschläge. „Ich hoffe sehr, dass die Diskussion dazu führt, dass der Bundestag noch einmal darüber abstimmt und für die Widerspruchslösung stimmt.“ Nur diese Änderung führe dazu, dass man eine signifikante Erhöhung der Spender bekomme, sagte Albes. Das zeige das Beispiel aller Länder, die sich für diese Lösung entschieden hätten.

Die Spenderbereitschaft werde weniger durch versäumte Meldungen der Krankenhäuser als durch die geltende Entscheidungsregelung blockiert, meint Chefarzt Albes. „Das Hauptproblem ist das Zögern des Bürgers, der einfach überfordert ist.“ Diskussionen, Nachrichten und Infos hielten viele davon ab, einen Spenderausweis auszufüllen. Eine Spendepflicht beende das Zögern und sei zugleich mit dem Grundgesetz vereinbar. Ein Schwerkranker könne durch ein Spenderorgan seine Menschenwürde bewahren. „Ich finde, das ist ein hohes Gut.“

Organspende

In Deutschland gilt zurzeit eine Entscheidungsregelung: Jeder muss selbst zu Lebzeiten seine Zustimmung zu einer Organentnahme im Falle des Hirntodes geben. Die Bürger werden immer wieder damit konfrontiert.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte abweichend die Widerspruchslösung vorgeschlagen, damit die Zahl der gespendeten Organe steigt. Danach wird jeder zum Organspender, es sei denn, der Betroffene oder ein Angehöriger widersprechen der Entnahme.

In Deutschland warten rund 10000 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Demgegenüber standen im vergangenen Jahr rund 800 Spender.

Von Rüdiger Braun

Am Samstag ist eine 50-jährige Autofahrerin bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Zuvor ist ihr Fahrzeug mit einem Lkw zusammengestoßen, der auf die Gegenfahrbahn geraten war.

08.09.2018

In der öffentlichen Debatte spielte war die Brennstoffzelle für Autos kaum vertreten. Doch mit der Eröffnung der 50. deutschen Wasserstoff-Zapfsäule in Potsdam könnte die Antriebstechnik Schwung bekommen.

11.09.2018

In Brandenburg wird bereits ein Drittel des Energiebedarfs aus Windenergie gewonnen. Die Berliner können da nur neidisch aufs Umland schauen. Ihr Output ist lächerlich gering – und das hat Gründe.

08.09.2018