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In Brandenburg künftig schneller zum Facharzt?

Termingarantie verärgert Mediziner In Brandenburg künftig schneller zum Facharzt?

Durch eine zentrale Terminservicestelle sollen die Wartezeiten für Arzttermine verkürzt werden. Ein entsprechendes Gesetz war auf Bundesebene im Sommer verabschiedet worden. Ab Ende Januar könnten die Brandenburger von dem Angebot profitieren. Die Kassenärztliche Vereinigung aber äußert Zweifel am Mehrwert des Services.

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Sind Facharzttermine bald schneller zu bekommen?

Quelle: dpa/Archiv

Potsdam. Wochenlanges Warten auf einen Facharzttermin soll im kommenden Jahr endlich vorbei sein: Eine Termingarantie innerhalb von vier Wochen sieht das „Versorgungsstärkungsgesetz“ vor, das Ende Januar in Kraft treten soll. Ab 23. Januar können sich die Brandenburger an eine zentrale Telefonservicestelle wenden, wenn sie keinen Facharzttermin bekommen. Die Nummer selbst ist noch unklar – wie viele andere Details auch. Klar aber ist: Die Patienten benötigen eine „dringliche Überweisung“ von ihrem Arzt. Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sind hiervon beispielsweise ausgenommen. Klar ist ebenfalls: Brandenburgs Ärzteschaft lehnt die Termingarantie ab.

„Wir halten das für eine populistische Maßnahme“, sagt Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg, welche die Terminservicestelle betreiben soll. Zwar liege Brandenburg bei der Versorgung mit Fachärzten deutlich unter dem Bundesschnitt (siehe Infokasten), viele Fachärzte hielten für akute Fälle vor Ort trotzdem freie Termine vor, betont Wehry. Die Vier-Wochen-Frist sei eine „rein politische Größe“ und „medizinisch nicht indiziert“.

„Natürlich darf es nicht sein, dass ein Patient in einem akuten Fall vier Wochen oder länger auf einen Facharzttermin warten muss“, sagt Wehry, doch an einen Mehrwert für Patienten durch den neuen Service glaubt er nicht. „Für den Patienten entfällt das Recht auf freie Arztwahl“, sagt Wehry. Zudem sei derzeit im Gespräch, dass drei Termine angeboten werden, von denen der Patient einen annehmen muss – in welchem Umkreis um den Wohnort, ist zurzeit noch unklar.

Sylke Kaduk, Augenärztin in Potsdam, hält die neue Regelung „für nicht zielführend.“ Sie geht davon aus, dass der bürokratische Aufwand zunehmen wird. Fachärzte sind dazu angehalten, freie Termine an die KVBB zu melden – verpflichtet sind sie dazu nicht.

Die Krankenkasse AOK Nordost begrüßt die Terminservicestellen dagegen. „Hierdurch bieten sich Chancen zur Verbesserung der Patientenversorgung in Deutschland“, sagt Harald Möhlmann, AOK-Geschäftsführer für Versorgungsmanagement. Die AOK biete seit mehreren Jahren einen Arztterminservice und habe gute Erfahrungen gemacht. „Ein solcher Service ist einfach und effizient und ohne riesenbürokratischen Aufwand umzusetzen“, so Möhlmann.

Ärzte sind in Brandenburg Mangelware

Bei der Zahl der Ärzte hinkt Brandenburg im Bundesvergleich gleich in mehreren Kategorien hinterher.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung
Berlin-Brandenburg kommen in der Mark auf jeden Hausarzt 1614 Einwohner. Im Bundesschnitt sind es 1554 .

Haben Sie Erfahrungen mit langen Wartezeiten gemacht? Glauben Sie, dass sich durch die Terminservicestellen die Situation verbessern wird?

Mail an leserbriefe@maz-online.de oder per Post an die Märkische Allgemeine, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam.

Von Mischa Karth

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