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Brandenburg 70.000 Wohnungen stehen leer
Brandenburg 70.000 Wohnungen stehen leer
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12:47 04.06.2014
Ein abbruchreifer Plattenbau in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Quelle: dpa
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Potsdam

Auf der Karte ist es nur eine feine weiße Linie, die sich im Abstand von ein paar Zentimetern um Berlin herum kringelt, aber sie teilt den Brandenburger Wohnungsmarkt in zwei Teile: diesseits die immer noch vorwiegend blühenden Speckgürtel-Gemeinden, wo die Mieten satt sind und die Leerstandsquoten niedrig; jenseits die entvölkerten Landstriche mit verfallenden Häusern, die nur noch auf die Abrissbirne warten. Ob die kommt, ist aber ungewiss.

Laut dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) könnten im Jahr 2020 landesweit mehr als 100.000 Wohnungen leer stehen – sollte der Rückbau nicht so entschieden weitergehen wie bisher im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost. Doch die Finanzierung sei wacklig, wenn der Bund nicht neue Förderinstrumente auflege, sagte BBU-Vorstand Maren Kern am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichtes in Potsdam. Konkret fordert der BBU zusätzlich zu der derzeit gezahlten Abrissförderung von 70 Euro pro Quadratmeter eine Investitionsförderung von 50 Euro pro Quadratmeter. Rund 25 Millionen Euro jährlich würde das die öffentliche Hand allein für Brandenburg kosten. Hierfür solle sich das Land, auch im Schulterschluss mit anderen ostdeutschen Ländern, in Berlin starkmachen.

Der Status quo: Brandenburgweit stehen schätzungsweise 70.000 Wohnungen leer. Bei den 215 BBU-Mitgliedsunternehmen, die etwa 50 Prozent des Mietwohnbestandes im Land bewirtschaften, liegt die Leerstandsquote bei 8,3 Prozent. Allein im „weiteren Metropolenraum“, also jenseits der weißen Linie, bekämen die Mitglieder 26.000 Wohnungen nicht vermietet (Leerstandsquote: 10,6 Prozent). Rund 40 Millionen Euro kosten allein die Sicherung der Wohnungen und die Bedienung der Kredite jährlich.

Ebendiese Schulden behindern aber auch den Abriss, so Kern. „Wir können die Kredite nicht einfach in der Baugrube liegen lassen.“ Eine Umschichtung auf andere Immobilien werde schwieriger: Die Häuser, die sich dafür angeboten hätten, seien oft schon abgerissen, die übrigen seien modernisiert und deshalb ebenfalls belastet. Ohne staatliche Hilfe komme der Stadtumbau zum Erliegen, so die Befürchtung.

Ganz anders die Lage innerhalb des weißen Kringels, wo die Leerstandsquote mit 2,7 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 1995 ist. Deshalb hätten die BBU-Mitgliedsunternehmen hier 2013 schon fast 190 Millionen Euro investiert, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2014 sollen die Investitionen noch mal auf 228 Millionen steigen, bis 2020 sind 2500 neue Wohnungen geplant, allein 1300 in der Landeshauptstadt Potsdam.

Allerdings fürchten die BBU-Unternehmen die Auswirkungen staatlicher Regulierung, sagt Kern. Größtes Schreckgespenst sind Eingriffe in die Mietpreisgestaltung. Dazu gehören die in Brandenburg geplante Kappung des Anstiegs der Bestandsmieten auf 15 statt bisher 20 Prozent in drei Jahren sowie vor allem die Mietpreisbremse, wonach der Preis bei Neuvermietungen nicht höher als zehn Prozent der ortsüblichen Miete liegen darf. 80 Prozent der BBU-Unternehmen hätten in der Befragung angegeben, dass eine Mietpreisbremse sich negativ auf die Investitionen auswirke.

„Wir nehmen die Kritik ernst“, entgegnet Jürgen Schweinberger, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Wohnungswesen im Brandenburger Infrastrukturministerium. Eine mögliche Mietpreisbremse müsse so ausgestaltet sein, dass sie eben kein Investi tionshemmnis darstelle, etwa indem Neubau ausgenommen bleibe. Die Mietkappung solle jedoch noch vor der Sommerpause im Kabinett verabschiedet werden. Voraussichtlich 30 Städte in Brandenburg seien davon betroffen. Die Regelung sei aber so moderat, dass sie keine Investitionen abwürgen sollte.

Von Angelika Pentsi

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