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In Brandenburg wird zu viel auf dem Land gebaut

Immobilien In Brandenburg wird zu viel auf dem Land gebaut

Der Bauboom in Brandenburg geht laut einer Studie in weiten Teilen des Landes am tatsächlichen Bedarf vorbei. Dort jedoch, wo die Nachfrage nach Wohnraum am höchsten ist, wird laut Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zu wenig investiert. Die drohenden Folgen sind verödete Stadtzentren, Leerstand und gefrustete Bauherren.

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Eigenheimsiedlungen sind aus Sicht der Forscher vielerorts überflüssig.

Quelle: dpa

Potsdam. Der Bauboom in Brandenburg geht laut einer Studie in weiten Teilen des Landes am tatsächlichen Bedarf vorbei. Dort jedoch, wo die Nachfrage nach Wohnraum am höchsten ist, wird laut Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zu wenig investiert. Vor allem auf dem Land kommt es deswegen künftig zu teuer produziertem Leerstand und der Traum einer lukrativen Altersrendite droht zu platzen. Die Forscher haben das Baugeschehen zwischen 2011 und 2015 mit der Bevölkerungsentwicklung und bestehenden Leerständen abgeglichen.

Leerstand und verödete Zentren drohen

„Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. „Wir haben durch die neue Bautätigkeit eine verstärkte Zersiedelung.“ Falls die heutigen Bauherren ihre Häuser wieder verkaufen wollen, könnten sie sich schwer tun: „Da die Bevölkerung schwindet, fällt die Nachfrage langfristig weg. Das wirkt sich natürlich auf die Preisentwicklung aus.“ Die Forscher warnen auch vor verödenden Dorfzentren und Leerständen.

Besonders drastisch ist die Fehlentwicklung demnach in Ostprignitz-Ruppin: 69 Wohnungen hätten angesichts der Bevölkerungsentwicklung dort gebaut werden müssen. Tatsächlich entstanden 202 Einfamilienhäuser. 777 neue Häuser entstanden im Havelland, gebraucht worden wären nur 529. Die Forscher erwarten in betroffenen Regionen unter anderem Leerstände und empfehlen den Kommunen etwa, Neubauten an den Abriss von Altbauten zu koppeln.

Potsdam ist wohnungsmäßig unterversorgt

Lediglich in Potsdam, Oberhavel, Teltow-Fläming sowie Cottbus und Frankfurt (Oder) sei der Bedarf nicht gedeckt, hieß es. Die Oderstadt ist ein Sonderfall, weil hier die Zahl der Wohnungen sogar gesunken ist, obwohl eigentlich mehr gebraucht werden. In Potsdam ist der Bedarf an neuem Wohnraum landesweit am größten: Statt der 922 gebauten Quartiere wären 1226 neue Wohnungen oder Einfamilienhäuser angemessen gewesen. Am deutlichsten aber ist der Wohnraummangel in Berlin: Während rund 7700 Wohnungen neu entstanden, wäre laut IW 19 200 nötig gewesen.

Das hat Folgen auch für Brandenburg: Die Mark wird als Wohnraum attraktiver, weil die steigenden Preise in Berlin auf das Umland ausstrahlen. Wie Andreas Schulz, Vorstandschef der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS), einschätzt: „Wenn Berlin immer teurer wird, wird das Umland attraktiver, vor allem dort, wo Bahnanbindungen gegeben sind – mit den entsprechenden Konsequenzen für die Preise dort“, so Schulz.

Nur bauen, wenn Leerstand beseitigt wird?

Für den Bauboom, der bisweilen am Bedarf vorbei geht, macht Schulz aber vor allem die Europäischen Zentralbank (EZB) mitverantwortlich. „Man sieht, dass die EZB-Niedrigzinspolitik nichts Abstraktes ist, das nur im Wirtschaftsteil der Zeitung existiert, sondern für jedermann spürbare Auswirkungen zeigt“, sagt er.

Beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), dem größten Wohnungsanbieter in der Region, sieht man die Entwicklung mit Sorge. „Es sollte nur gebaut werden, wenn gleichzeitig vorhandener Leerstand beseitigt wird“, sagt BBU-Sprecher David Eberhart. „Es ist ein Irrweg, wenn Kommunen neue Siedlungsgebiete ausweisen, wenn gleichzeitig die Innenstädte ausbluten.“ Diese Erfahrung habe man in Brandenburg schon in den 90er-Jahren gemacht.

Von Torsten Gellner

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