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In Cottbus schlagen die meisten Blitze ein

200 000 Blitze an einem Gewittertag In Cottbus schlagen die meisten Blitze ein

Erst kommt der Blitz, dann kommt der Donner. Und am Ende hat Cottbus die Nase vorn. In keiner deutschen Stadt schlugen im vergangenen Jahr mehr Blitze ein als in der Lausitz-Stadt. Was am Himmel schön aussieht, kann allerdings richtig teuer werden.

Der deutsche Blitzatlas bringt es ans Licht: In Cottbus gibt es heftige Donnerwetter.
 

Quelle: dpa

Potsdam . Am 22. April 2014 musste die Cottbuser Feuerwehr Überstunden machen. Ein heftiges Gewitter zog am Nachmittag über die Region, viele Keller liefen voll, in der Spremberger Vorstadt schlug der Blitz in ein Trafohäuschen, der Strom fiel aus. Im Stadtteil Schmellwitz geriet ein Dachstuhl in Brand, an der Brandenburgisch Technischen Universität gab die hauseigene Wetterstation den Geist auf,  vermutlich auch vom Blitz getroffen.  Zu warm, zu gewittrig war dieser April, so die Bilanz der Cottbuser Wetterwarte hinterher.

Zu gewittrig war das ganze Jahr 2014 für Cottbus und Südbrandenburg, stellten nun die Blitzforscher  des Technikkonzerns Siemens fest. Cottbus ist demnach die Hauptstadt der Blitzeinschläge in Deutschland. 165 Quadratmeter auf die  1391 registrierte Blitze trafen –  macht pro Quadratkilometer gut 8,4 Blitze. So viel Donnerwetter war sonst nirgends in Deutschland. Holger Kelch, der Oberbürgermeister der Blitzmetropole, nimmt es mit Humor. Die Cottbuser steckten eben voller Energie und Elan, sagt er. Die Energieforschung sei außerdem ein Schwerpunkt der Universität. „Deshalb passt auch der diesjährige Titel als Blitze-Hauptstadt ganz gut zu unserer Region und zum Start des FC Energie in die Saison“, so Kelch, der offenbar  die drei Niederlagen des Drittligisten in Folge irgendwie verdrängt hat.

Ist der Klimawandel Schuld?

Im Cottbuser Umland ging es ähnlich heftig zur Sache: Der Landkreis Spree-Neiße belegt mit 7,25 Blitzen pro Quadratkilometer  Rang zwei im bundesweiten Gewitterranking, auf Rang fünf folgt Oberspreewald-Lausitz, auf 13 Oder-Spree. Fast 92 000 mal rumpelte es vergangenes Jahr in Brandenburg – damit rangiert auch das Bundesland auf Platz eins  im Ländervergleich. Im etwa halb so großen Schleswig-Holstein schlugen nur 11 600 Blitze in den Boden.

Ist der Klimawandel am Ende Schuld? Nein, sagt Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. „Das ist der Wetterlage geschuldet.“ Schon in diesem Jahr dürfte Cottbus in dem Ranking keine größere Rolle mehr spielen.

Wie Blitze entstehen

Meist blitzt es in den Wolken, seltener zwischen Himmel und Erde. Ein Gewitter entsteht bei großen Temperaturunterschieden in der Atmosphäre, oder wenn Luftmassen mit sehr unterschiedlichen Temperaturen aufeinandertreffen. Das heftige Auf und Ab von Wasser- und Eisteilchen in der Gewitterwolke führt zu einer Polarisierung der natürlichen Luftelektrizität.

Während im oberen Teil der Wolke die positive elektrische Ladung zunimmt, reichert sich die negative Ladung an der Wolkenunterseite an. Das immer stärker werdende elektrische Spannungsfeld entlädt sich - einem Kurzschluss vergleichbar - schließlich in einem Blitz. Als «Erdblitz» zwischen Wolke und Boden kann er gefährliche Folgen haben: Es drohen Verbrennungen, Knochenbrüche oder gar der Tod.

Gewitter übersteht man nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am besten im Auto oder in festen Gebäuden. Wer im Freien überrascht wird, sollte Bäume, Masten, Zäune oder Gewässer meiden und sich möglichst klein machen - am besten hockend in einer Bodenmulde.

Gewitter können richtig Geld kosten

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens ortet mit 150 verbundenen Messstationen in Europa die elektromagnetischen Signale, die ein Blitz ausstrahlt. „Aus den Daten der Messstationen können wir bis auf 200 Meter genau ermitteln, wo gerade ein Blitz eingeschlagen hat“, erklärt Stephan Thern, Leiter des Dienstes. Gezählt werden nur jene Blitze, die in den Boden einschlagen. Seit 1991 interessiert sich Siemens professionell fürs Donnerwetter, zum Schutz von Menschen und Technik, wie es heißt. Aber auch, um Versicherungen mit den Daten zu beliefern. Denn für die können die Gewitter richtig teuer werden. Nicht nur, weil Dachstühle brennen, sondern auch weil teure Technik zerstört werden kann.

340 Millionen Euro Schäden richteten Einschläge und Überspannungsschäden  vergangenes Jahr in Deutschland an. 2013 waren es 240 Millionen. Das heißt aber nicht, dass Blitzschäden zunehmen: Auf zehn Jahre gesehen gehen sie zurück. Die Schadenshöhe pro Fall nimmt aber zu – weil immer mehr sensible und teure Technik an der Stromleitung  in Büros oder Privathaushalten hängt.

In der Feuerwehrstatistik für das vergangene Jahr schlägt sich das Blitzgewitter nicht nieder. 221 Brände mussten die Cottbuser Kameraden 2014 löschen, 2013 waren es 273 Löscheinsätze.

Blitz-Spion für Gewitterfans

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens nutzt rund 150 verbundene Messstationen in Europa und betreut das Messnetz in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Polen, Benelux, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. „Aus den Daten der Messstationen können wir bis auf 200 Meter genau ermitteln, wo gerade ein Blitz eingeschlagen hat. Zum Schutz von Menschen, Technik und Infrastruktur analysiert Siemens seit 1991 die registrierten Blitze und sendet umgehend Warnhinweise an unsere Gewitteralarm-Kunden“, sagte Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes.

Im Internet kann jeder das Gewittergeschehen in Deutschland live verfolgen – über den „Blids-Spion“ von Siemens. „Blids“ ist übrigens kein Rechtschreibfehler sondern die Abkürzung für Blitz-Informations-Dienst Siemens.

Von Torsten Gellner

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