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Brandenburg In dieser Stadt in Brandenburg schlagen Diebe am liebsten zu
Brandenburg In dieser Stadt in Brandenburg schlagen Diebe am liebsten zu
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00:22 09.11.2018
Sicherheitsbedürfnis: Blickdichte Hecke an einem Grundstück in Kleinmachnow Quelle: Foto: Detlev Scheerbarth
Kleinmachnow

Die Einbrecher kamen am frühen Nachmittag. Sie brachen die Terrassentür auf, drangen ins Haus ein und durchsuchten mehrere Zimmer. „Zum Glück haben sie wohl nur Kleinigkeiten finden können und es ist nichts Wichtiges abhanden gekommen“, sagt Gunter Menkens* aus Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark). Vor rund einem Jahr brachen Diebe bei seinen Nachbarn ein – als diese für einige Tage verreist waren. „Ich sollte damals auf das Haus aufpassen und die Blumen gießen“, sagt Menkens. Doch als die Diebe kamen, war er gerade einkaufen.

Seit diesem Vorfall nimmt der Rentner die Gefahr der Einbrecherbanden in Kleinmachnow ernst. „Vorher dachte ich, dass so etwas immer den anderen passiert.“ Als dann direkt nebenan eingebrochen wurde, habe das ihm und seiner Frau zu denken gegeben. Seither ist er vorsichtiger. Seinen echten Namen möchte er lieber nicht in der Zeitung lesen. Auch Bilder von sich oder seinem Haus sind ihm zu gefährlich – er will keine weiteren Einbrecher anlocken.

Viele gut situierte Einwohner

Denn die Gefahr ist real. Im den Jahren 2014 bis 2017 waren es fast 400 Fälle, in denen sich Diebe gewaltsam Zutritt zu fremden Wohnungen oder Häusern verschafften. Bedenkt man, dass Kleinmachnow nur 20 000 Einwohner hat, war es tatsächlich mutig von Menkens anzunehmen, dass es immer nur die anderen trifft.

Dass immer wieder in Kleinmachnow, aber auch im benachbarten Teltow und Stahnsdorf eingebrochen wird, hat mehrere Gründe. Zum einen leben in Kleinmachnow viele gut situierte Menschen. „Hier ist einiges zu holen“, sagt Menkens. Dazu laden große, abgeschirmte Grundstücke Einbrecher praktisch ein: „Was es Einbrechern grundsätzlich erleichtert, sind viele verzweigte Wege, häufige Zu- und Wegzüge und Grundstücke, die mit hohen, blickdichten Hecken umfriedet sind“, sagt Präventionsexperte Alexander Gehl von der Polizei in Potsdam. Dazu spielt die Nähe zu Berlin vielen organisierten Einbrecherbanden in die Hände.

Gemeinde setzt auf Prävention

Dabei ging die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr sogar zurück. Doch noch immer waren es fast 60 Fälle. Und das trotz verstärkter Polizeipräsenz und einem Sicherheitstag der Gemeinde Ende September. Doch die Zahl könnte weiter sinken, weil die sogenannte Präventionslücke geschlossen wird, rechnet die Polizei vor. So seien laut Kriminalstatistik vor wenigen Jahren 40 Prozent aller bundesweiten Wohnungseinbrüche im Versuchsstadium stecken geblieben. In Brandenburg waren es aber nur 30 Prozent. Im vergangenen Jahr nun liegt die Versuchsquote in Brandenburg bei immerhin 39 Prozent.

Auch Menkens hat sein Haus seit dem Vorfall vor einem Jahr zusätzlich gesichert. Er hat seine eigene Terrassentür mit einem stabileren Schloss ausgestattet und eine Zeitschaltuhr installiert. Wenn seine Frau und er unterwegs sind, brennt so ab und an in verschiedenen Zimmern trotzdem Licht. Außerdem sprechen sich die Menkens und ihre Nachbarn noch sorgsamer ab, wenn jemand verreist. „Früher sind wir auch so einfach mal weggefahren. Heute sagen wir auch nebenan Bescheid, wenn wir nur übers Wochenende weg sind.“

Künstliche DNA hat sich Menkens bei aller Vorsicht trotzdem noch nicht bestellt. Vor drei Jahren hatte die Gemeinde Kleinmachnow das Pilotmodell zur Einbruchsabschreckung gestartet. Zu günstigeren Konditionen waren Pakete mit der DNA angeboten worden, mit denen Bürger wertvolle Gegenstände markieren konnten. Bei einem Diebstahl und einem späteren Fund hätte die Polizei die Gegenstände dann später eindeutig wieder zuordnen können. Doch Menkens hält nicht viel davon. „Das ist doch diesen Banden egal“, sagt er. Die beste Hilfe gegen Einbrecher, sei Nachbarschaftshilfe. „Wenn wir untereinander auf die Häuser der anderen aufpassen“, sagt er, „dann können wir es ihnen wenigstens so schwierig wie möglich machen.“

*Name von der Redaktion geändert

Von Ansgar Nehls

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