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Eine DDR-Sammlung der besonderen Art

Trabis, Rotkäppchen und Spee Eine DDR-Sammlung der besonderen Art

Diese Sammlung ist nicht nur Nostalgiker interessant: 30 Brandenburger haben in Trebus bei Fürstenwalde (Oder-Spree) auf 14.000 Quadratmetern die wohl größte private Sammlung von Fahrzeugen, Möbeln und Haushaltsgegenständen aus dem DDR-Alltag zusammengetragen.

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Günter Wehr in der Fahrzeughalle von Trebus mit zahlreichen Autos aus DDR-Zeiten.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Trebus. Gleich am Eingang des „VEB Landtechnik Trebus“ steht ein gelber Zeitungskiosk, wie es ihn zu DDR-Zeiten zu Tausenden gegeben hat. In der Auslage hängt das vergilbte „Neue Deutschland“, daneben finden sich die Rätselzeitung „Troll“ und die Jugendzeitschrift „Frösi“. Beim Erkunden des Geländes entdeckt der Besucher zudem eine originale gelb-rote „Minol“-Tankstelle, an einer der typischen Zapfsäulen steht ein orangefarbenes Trabi-Cabrio. Spätestens jetzt glaubt sich der Betrachter zurückversetzt in die Zeit vor 1989.

Während das Dokumentationszentrum zur DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt vor einer ungewissen Zukunft steht und nur noch stiefmütterlich für Besucher offen gehalten wird, haben in Trebus bei Fürstenwalde (beide Oder-Spree) rund 30 Enthusiasten eine Sammlung zusammengetragen, die sogar gelernte DDR-Bürger staunen lässt. Mit Nostalgie habe das wenig zu tun, versichert Vereinschef Günter Wehr, eher mit Geschichtsbewusstsein. „Jede geschichtliche Epoche hat ein Museum, warum dann nicht auch die 40 Jahre DDR?“

Wobei, ein Museum sei das Vereinsgelände, dass der hauptberufliche Fahrlehrer vor neun Jahren aus der Insolvenzmasse günstig kaufen konnte, eigentlich nicht. „Wir dürfen hier nur Führungen anbieten – aber die können dauern, weil auch Besucher angesichts bestimmter Gegenstände Erlebtes erzählen“, stellt er klar. Denn die Sammlung sei so aufgebaut, dass sich der Betrachter tatsächlich zurückversetzt glaubt – beispielsweise in einen DDR-Konsum mit typischer Produktpalette von Wäsche und Nähgarn über Schlagersüßtafel und Tempolinsen bis hin zu Konserven und Papiertüten zum Verpacken des Einkaufs. Selbst die große Kaffeemahlmaschine fehlt nicht – in der DDR gab es in den frühen Jahren nur ganze Bohnen, die noch im Konsum gemahlen werden konnten.

Die Sammlung begann mit einem Laster W50

„Eine alte Frau hat hier die noch original verpackte Bettwäsche entdeckt, die sie über Jahre auch hatte und uns die direkt abgekauft“, erinnert sich Wehr schmunzelnd. Seinen ersten IFA-Laster W 50 hat er 1998 restauriert, schnell wuchs der Oldtimer-Fuhrpark, er fuhr auf spezielle Treffen, lernte Gleichgesinnte kennen, die sich zusammentaten. Bei DDR-Fahrzeugen blieb es jedoch nicht. Alles, was vor der Wende zum Alltag der Ostdeutschen gehörte, fand Platz in der Sammlung. „Wir hätten aber viel früher anfangen müssen, Sachen aus der DDR-Zeit aufzuheben. Da sind nach der Wende ja Unmengen auf dem Müll gelandet“, ärgert er sich. Dennoch ist der Platz allerdings knapp, auch in der dreigeschossigen großen Halle mit 5.000 Quadratmetern Nutzfläche. „Wir müssen oftmals schon ablehnen, wenn uns noch Sachen angeboten werden, die keine wirklichen Raritäten sind“, macht der Vereinschef deutlich.

Andererseits würden Leute viel Geld für bestimmte Objekte verlangen, sobald sie bei Sammlern ein Interesse bemerkten. „Da stand so eine alte Wäscheschleuder jahrzehntelang unbeachtet im Keller, plötzlich wollen die Besitzer ein Heidengeld dafür“, beschreibt der Kenner. Heutzutage noch einmal so eine Sammlung wie die der Trebuser IFA-Freunde aufzubauen, würde gar nicht gelingen. „Entweder sind die Sachen unwiederbringlich weg oder aber Du kannst sie nicht bezahlen“, sagt Wehr, der stolz ist auf gesammelte Raritäten wie den letzten DDR-Zigarettenautomaten, einen voll ausgestatteten Rundfunkübertragungswagen, den Karteikarten-Rollautomaten aus der Potsdamer Universitätsbibliothek und auf immerhin zwei meterhohe Lenin-Skulpturen.

Zwei Lenin-Skulpturen erinnern an die Vergangenheit

Die Fürstenwalder Betonvariante fanden Vereinsmitglieder auf dem Müll wieder, die Sandsteinfigur aus Strausberg ist eine Leihgabe. Besonders der dazugehörige Gedenkstein ist von zukunftsweisender Aktualität. Denn laut Inschrift ist er der Jugend des Jahres 2017 gewidmet.

Noch 20 Jahre, so schätzt Wehr, wird die Trebuser Sammlung bei Besuchern für Erinnerungen und Aha-Effekte sorgen. Danach, so glaubt der 59-Jährige, gebe es wohl kaum noch Ostdeutsche, die in dem einstigen sozialistischen deutschen Staat aufgewachsen sind. „Unsere Sammlung lebt vor allem von dem Wiedererkennungswert. Wer mit dem hier Gezeigten nicht groß geworden ist, für den ist es auch nicht interessant“, ist der Sammler überzeugt.

Im Moment sei die Neugier noch sehr groß, fast jedes Wochenende führen die Vereinsmitglieder durch ihre „kleine DDR“ mit der Camping-Abteilung, einem echten Dienstzimmer der DDR-Kriminalpolizei, „Erichs Lampenladen“, einer NVA-Unterkunft mit Spanplattenspinden kompletten Wohnzimmer-Einrichtungen, Waschküchen und der zwei Räume füllenden DDR-Kinderspielzeugkollektion. Ein besonderes Highlight bei den Rundgängen ist das Lehrkabinett mit Trabant-Fahr-Trainern. Hohen Wiedererkennungswert hat auch die WM 66, die Waschmaschine, mit der man auch Obst einwecken konnte. Kaum bekannt ist hingegen die Schrankbadewanne zum Hochklappen in beengten Plattenbau-Badezimmern.

Von Jeanette Bederke

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