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In der Uckermark wird Hanf zu Häusern

Dämmstoff vom Acker In der Uckermark wird Hanf zu Häusern

Mit einer ungewöhnlichten Idee betrat Rainer Nowotny in den 90er Jahren absolues Neuland: Er wollte Hanf zu Bau- und Dämmstoffen verarbeiten. Heute beschäftigt sein Unternehmen 13 Mitarbeiter. Die Pflanzen werden wie Stroh vom Feld geholt und mit Lehm zu Ziegeln verarbeitet.

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Rainer Nowotny ist seit 17 Jahren Geschäftsführer der Hanffaser Uckermark.

Quelle: dpa

Prenzlau. Die Hanfpflanzen strecken sich in den Himmel. Die drei bis vier Meter hohen Stängel auf den dicht bewachsenen Feldern in der Uckermark bewegen sich im Wind. „Den Geruch mag ich sehr“, sagt Rainer Nowotny, Geschäftsführer der Hanffaserfabrik Uckermark. Mit anderen Gerüchen vergleichen kann er den Duft, den die Pflanze mit ihren gefiederten Blättern verströmt, nicht. „Es riecht wie Hanf.“ Seit nunmehr 17 Jahren leitet Nowotny die Fabrik, die aus den Stängeln der Pflanze Dämmstoffe für den Hausbau produziert. 13 Mitarbeiter sind im Werk beschäftigt, das sich im Mai in eine Genossenschaft verwandelte.

„Wir wollen breiter aufgestellt sein“, sagt der Chef. Der Zusammenschluss mit Gleichgesinnten sei ihm wichtig. „Wir arbeiten, werden nicht reich, sind aber zufrieden.“ Der Betrieb funktioniere ohne jegliche Subventionen. Kunden gebe es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und Belgien.

Aus Hanf kann auch Rauschgift hergestellt werden. Deshalb war der Start der doch recht ungewöhnlichen Fabrik ein schwerer. Nur besondere Züchtungen dürfen angebaut werden. Alles musste zertifiziert werden, nur wie, war damals die große Frage. Nowotny betrat dabei absolutes Neuland. „Es gab keine rechtlichen Grundlagen für so eine Fabrik“, erinnert er sich. Alles musste neu erarbeitet werden. Auch an geeignetem Werkzeug und entsprechenden Maschinen fehlte es. Der Ehrgeiz zahlte sich aus. Außer in der Fabrik etablierten sich auch anderswo Arbeitsplätze. So entstanden ein Prüflabor und ein Laden für natürliches Baumaterial.

Die Böden in der Uckermark seien gut geeignet, berichtet Nowotny, der stets nur Hanfhemden trägt und gern einen Hanftee serviert. In diesem Jahr hat er auf rund 300 Hektar Hanf anbauen lassen. Ein Sprecher des Deutschen Hanf-Verbandes sagt, Cannabis sei eine nachhaltige Nutzpflanze und habe als Baustoff gute Eigenschaften. „Ich beobachte ein steigendes Interesse für solche Baustoffe“, meint er. Auch für die Verwendung von Hanf in der Medizin sei die Zustimmung in der Bevölkerung steigend. Hinsichtlich des Genussmittels Cannabis gebe es in der Politik jedoch noch immer harte Fronten.

Was Nowotny zwischen Berlin und der Ostsee anbauen lässt, eignet sich jedoch nicht zum Kiffen. Die Stängel werden im Herbst vom Feld geholt, als Ballen wie Stroh. In der Fabrik durchlaufen sie eine 100 Meter lange Maschine, die viel Staub freisetzt. Die Stängel werden gesäubert, zerkleinert und landen in Säcken und Packen. Mit dem Rohstoff stellt eine andere Firma Lehmsteine her. Unter Dielen geschüttet, dämpfen die trockenen Hanfstücke den Schall. Die Blätter bleiben auf dem Acker und dienen als Dünger. „Es fällt kein Müll an, außer der Joghurtbecher vom Frühstück“, sagt der Chef.

Einen Trend hin zu natürlichen Baustoffen kann das Institut für Bauen und Umwelt im Gegensatz zum Hanfverband nicht sehen. Erkennbar sei aber, dass bei der Nutzung sehr energieintensiver Baustoffe und Rohstoffe ein Umdenken erfolge, sagt Burkhart Lehmann, Geschäftsführer des Instituts. „Es gibt Bemühungen, durch neue Techniken den Verbrauch von Ressourcen und Energie zu senken.“ Für ihre Produktion, bis zu 1000 Tonnen Dämmstoffe jährlich, bezieht die Hanffabrik den Strom von den eigenen Dächern. Nowotny ist PC-Spezialist, der nach der Wende eine neue Aufgabe suchte. Mit Naturfasern hat er noch viel vor. Aus Schilf oder Seegras ließe sich noch einiges machen, betont er. „Die haben Potenzial zur Verarbeitung.“ Auch der Gedanke, aus Hanf einen feinen Faden zu spinnen, lässt ihn nicht los. „Vielleicht machen wir das noch.“

Von Steffi Prutean

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