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Brandenburg In der XXL-Waschanlage für Züge
Brandenburg In der XXL-Waschanlage für Züge
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00:27 01.06.2018
Ein Regionalzug der Deutschen Bahn fährt durch die Waschanlage der DB-Regio-Werkstatt in Berlin-Lichtenberg. Quelle: dpa
Berlin

Die Sonne brennt durch das Fenster, Kalktropfen sprenkeln die Scheibe und vermiesen die Aussicht. Auf dem roten Lack des Regios liegt eine feine gelbgrüne Blütenstaubschicht. Und im Frontbereich haben sich hartnäckig Blutspritzer festgesetzt – Spuren vom Wildunfall am frühen Morgen auf der Strecke zwischen Dessau und Wünsdorf. Keine Frage, dieser Zug hat seine Wäsche mehr als nötig.

Im Jahr werden ca. 220 000 Meter Zug gewaschen. Quelle: dpa

Bis zu zehn Züge der Deutschen Bahn passieren täglich die XXL-Waschstraße auf dem Werkstattgelände in Berlin-Lichtenberg. Während Autofahrer momentan viel Geduld brauchen, um ihre Fahrzeuge vom Profi putzen zu lassen, gibt es in der Regio-Waschstraße keine Warteschlangen: Die Züge werden einmal in der Woche nachts geschrubbt.

Überdimensionale Bürsten und Düsen

An diesem Tag hat die Waschstraße ausnahmsweise mittags geöffnet, bei Außentemperaturen von 32 Grad. Die Ampel zeigt Grün, das Signal für Björn Rothe. Der Leiter der DB-Werkstatt sitzt in der Fahrerkabine. „Wir fahren nicht aus eigener Kraft“, sagt er und deutet aufs Gleis. Dort wird ein 7,5 Tonnen schweres, gelbes Schleppfahrzeug den Regionalexpress durch die Waschanlage ziehen und schieben. Es setzt Kräfte von bis zu 500 Tonnen in Gang.

Gigantische Düsen spritzen das Reinigungswasser auf den Zug. Quelle: dpa

Die Reise kann losgehen. Nein, Stopp! Vorher bitte noch die Antenne abschrauben, ruft ein Fahrgast. Doch Björn Rothe gibt Entwarnung. Der Regio ist von der Oberleitung und somit vom Strom abgetrennt. Ein Notstromaggregat sorgt dafür, dass sich die Zugtüren nicht während der Fahrt öffnen. Lediglich die Klimaanlage funktioniert nicht. Der Zugführer drückt nun auf den Knopf einer Funkfernbedienung. Mit ihr bedient er das Schleppfahrzeug.

Im Schritttempo bewegt sich der Regio auf eine Halle zu. Drinnen ist alles wie gemacht für die Riesen auf Schienen: Die Waschstraße ist sechs Meter hoch und 270 Meter lang. Überdimensionale Bürsten und Düsen sorgen dafür, dass der Schmutz auf der Strecke bleibt. Draußen im Technikraum überwacht das Waschpersonal die Vorwäsche an Computermonitoren. „Wenn sich mal eine Bürste verhakt, greifen die Kollegen ein“, sagt der Zugführer.

„Wir kriegen alles ab, außer Graffiti“

Besonders hartnäckig sei der Dreck von toten Insekten, die auf Fahrten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde massenhaft auf der Scheibe kleben bleiben. Dies sei vor allem in wasserreichen Gegenden wie dem Spreewald der Fall. Doch davon lässt sich das Waschanlagen-Team nicht beeindrucken. „Wir kriegen alles ab, außer Graffiti“, sagt Rothe. Derartige Schmierereien würden mit einer Speziallösung von Hand gesäubert.

Unterbodenreinigung für einen Regionalzug in der Waschanlage der DB-Regio-Werkstatt in Berlin-Lichtenberg. Quelle: dpa

Regen prasselt jetzt auf die Frontscheibe, dann spritzt Schaum aus den Düsen. „Ein 90 Meter langer Zug wird hier in 20 Minuten komplett gewaschen“, sagt der Werkstatt-Leiter. Auf der Hinfahrt wird der Zug mit einer Speziallauge eingeseift, die fünf Minuten einwirken muss. Auf der Rückfahrt wird die Lösung mit Wasser abgespült. Insgesamt fließen pro Waschgang 4000 Liter Wasser ins Erdreich, von denen jedoch 20 Prozent wieder aufbereitet würden. Eine Bodenreinigungsanlage kümmert sich um die Verschmutzungen unterhalb des Zuges.

„Car Wash“-Song – nicht im Zug!

Der Regio ändert jetzt die Richtung: Hauptwaschgang. In der Fahrerkabine hört man Wasser spülen, die Bürsten rotieren, ansonsten ist es im Vergleich zum Auto ruhig, kein „Working at the car wash (oh oh, yeah yeah)“ tönt aus den Lautsprechern, auch keine andere Musik. Das Reinemachen der Züge erfordert vollste Konzentration. Und noch etwas ist anders als in einer gewöhnlichen Autowaschanlage: „Es gibt hier drinnen keinen Föhn, wir trocknen an der Sonne“, erklärt Rothe.

Blitzeblank ist der RE nach seiner Fahrt durch die Waschstraße. Quelle: dpa

Draußen zeigt sich dann wie zum Beweis, dass die Fahrt durch die Waschstraße erfolgreich war: Die Sonne spiegelt sich in den glänzenden Fensterscheiben, der Regio ist wieder blitzeblank für seine nächste Fahrt durch Brandenburg.

Von Diana Bade

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