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Brandenburg Dramatischer Appell der Eltern von Billy Six
Brandenburg Dramatischer Appell der Eltern von Billy Six
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00:21 15.03.2019
Billy Six sitzt seit November 2018 im Gefängnis in Caracas. Quelle: Deutsche Botschaft
Potsdam

In einem schwarzem T-Shirt mit weißem Print sitzt Edward Six auf dem Podium. Der nicht zu übersehende Aufdruck lautet „Free Billy Six“. Seit 119 Tagen sitzt der 32-Jährige Journalist aus Neuenhagen (Märkisch Oderland) in einem Militärgefängnis in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Gemeinsam mit seiner Frau Ute berichtete Edward Six am Dienstag im Potsdamer Landtag über das Schicksal seines Sohnes, auf Einladung der AfD-Fraktion.

Seit zehn Jahren hat Billy Six, so die Darstellung der Eltern, immer wieder als freischaffender Journalist politischen Krisenherde bereist, unter anderem Ägypten, Syrien und die Ukraine. „Er hört allen Konfliktparteien zu und berichtet, was er sieht“, sagt Edward Six über seinen Sohn, zu dessen Auftraggebern unter anderem die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ gehört.

Schwere Vorwürfe erhebt der Vater gegen die Botschaft in Caracas: Die deutschen Diplomaten hätten seit 19. November 2018 von der Verhaftung gewusst, die Eltern aber erst Ende des Monats informiert. Dass sie vorher Bescheid wussten, sei den Angehörigen von Mithäftlingen zu verdanken gewesen. Ins Gefängnis begab sich ein Mitarbeiter der Botschafter erstmals am 9. Januar. Zuvor habe ihr Sohn durch einen Hungerstreik telefonischen Kontakt mit der Botschaft erzwungen.

Zehn Quadratmeter Caracas

Die Haftbedingungen schildert Edward Six wie folgt: Billy darf seine fensterlose, fünf mal zwei Meter große Einzelzelle nicht verlassen, nur zweimal durfte er für jeweils eine halbe Stunde auf den Hof. Derzeit ist die Zelle wegen des flächendeckenden Stromausfalls in der venezolanischen Hauptstadt stockdunkel. Anwaltlichen Beistand hat Billy Six erst seit dem 20. Februar. Mit dem Sohn telefonieren konnten die Eltern nur dreimal, jeweils während der Haftbesuche aus der deutschen Botschaft.

Die Eltern werfen der Bundesregierung vor, sich nicht hinreichend für Billy einzusetzen. Spanien, Frankreich und Kolumbien hätten hingegen mit vernehmlichem Protest die rasche Freilassung von Journalisten aus ihren Ländern bewirkt. Ein Brief der Eltern an Außenminister Heiko Maas vom 12. Januar sei unbeantwortet geblieben, sagt Edward Six. Nachdem sie auch an alle 709 Bundestagsabgeordneten geschrieben hatten, sei die AfD als Erstes auf sie zugekommen, so die Eltern, daher der Auftritt bei der Fraktionspressekonferenz „Wir machen hier keine Show“, sagte Ute Six mit tränenerstickter Stimme, „Leib und Leben unseres Sohnes sind in Gefahr.“

Reporter ohne Grenzen“ (RoG) fordert die sofortige Freilassung von Billy Six. Deutschland-Geschäftsführer Christian Mihr sagte auf Nachfrage der MAZ: „Nach allem, was wir wissen, ist Billy Six allein aufgrund seiner Berichterstattung über die Zustände in Venezuela inhaftiert. Die Vorwürfe sind konstruiert und hanebüchen.“ Unter anderem wirft das Maduro-Regime ihm Spionage vor.

Das Auswärtige Amt teilte mit, dass seitens der Deutschen Botschaft bislang drei Haftbesuche stattgefunden haben, der letzte am 6. März. Six’ Haftbedingungen wollte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage nicht kommentieren. Auch nach der Ausweisung des Botschafters Daniel Kriener aus Venezuela sei die konsularische Betreuung weiter gewährleistet, heißt es weiter. Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro hatte Kriener vor einer Woche zur Persona non grata erklärt und des Landes verwiesen. Am Montag war der Diplomat nach Deutschland zurückgekehrt.

„Völlige Willkür“

Repressalien gegen Journalisten sind in Venezuela an der Tagesordnung. Erst vergangene Woche war der US-Reporter Cory Weddle, der unter anderem für den Sender ABC und die Zeitung „Miami Herald“ arbeitet, vorübergehend festgenommen und tags darauf abgeschoben worden. Auf der RoG-Rangliste der Pressefreiheit liegt Venezuela auf Platz 146 (von 180). Geschäftsführer Christian Mihr sagt: „Wie die Festnahmen diverser ausländischer Journalistinnen und Journalisten in den vergangenen Wochen wieder gezeigt haben, sind Medienschaffende in Venezuela der völligen Willkür der Behörden ausgesetzt.“

SPD, Linke und Grüne erklärten, dass sie dem Erschließungsantrag der AfD, wonach sich die Landesregierung „mit allen Mitteln, öffentlich und nicht-öffentlich“ für die sofortige Freilassung von Six einsetzen möge, nicht zustimmen werden. SPD und Linke warfen der Partei vor, den Fall zu instrumentalisieren, dabei aber selbst ein gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit zu haben. Die Grünen bezweifeln die AfD-Behauptung, wonach die deutsche Bundesregierung untätig geblieben sei.

Von Thorsten Keller

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