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Inklusion: Ärger über zu große Klassen

Eltern kritisieren Bildungsministerium Inklusion: Ärger über zu große Klassen

Jede dritte Inklusionsklasse in Brandenburg ist überfüllt: Mehr als 23 Kinder mit und ohne Handicap lernen gemeinsam - was laut der Sonderpädagogik-Verordnung des Landes gar nicht gestattet ist. Eltern, Lehrer und Politiker sind empört. Das Ministerium vertröstet auf den Herbst.

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In Brandenburg sollen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam lernen.
 

Quelle: Foto: dpa

Potsdam.  Die Schüler und Eltern aus Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) haben Bildungsminister Günter Baaske (SPD) den Marsch geblasen. Mit Tröten zogen sie Ende Juni durch die Stadt, um ihrem Ärger über die Potsdamer Politik Luft zu machen. Genutzt hat es nichts: Nach den Ferien startet die Robert-Reiss-Grundschule mit zwei statt drei fünften Klassen in das neue Schuljahr. Das heißt, in der einen Klasse sitzen 28, in der anderen 29 Schüler. Und das, obwohl neun der Fünftklässler einen diagnostizierten Förderbedarf haben.

23 Schüler, so sieht es die Sonderpädagogik-Verordnung des Landes vor, sind aber die Höchstzahl für Inklusionsklassen, in denen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam lernen. Erschreckend: Bad Liebenwerda ist keine Ausnahme, wie der Landeselternrat moniert: Wie berichtet, hat vergangenes Schuljahr jede dritte der insgesamt 3245 Inklusionsklassen den Richtwert überschritten. An weiterführenden Schulen sind es sogar 40, an Grundschulen 27 Prozent.

Landeselternrat sieht Unterrichtsqualität in Gefahr

„Von Inklusionsklassen mit 28 oder 29 Schülern war nie die Rede“, sagt Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach. Das vom Ministerium immer wieder vorgebrachte Argument, guter Unterricht gehe auch mit großen Klassen, treffe vielleicht für homogene Klassen mit weitgehend selbstständig arbeitenden Gymnasiasten und Berufsschülern zu, so Seelbach, gehe ansonsten aber an der Realität an den Schulen vorbei.

Das Bildungsministerium beruft sich darauf, dass die 23-Regel nur eine Soll-Bestimmung ist. Über Abweichungen entscheide das Schulamt im Benehmen mit der Schulkonferenz. „Es gibt keinen Anspruch auf eine bestimmte Klassengröße“, sagt Sprecherin Antje Grabley.

„Bei 30 Prozent kann man nicht mehr von einer Ausnahme sprechen“, kontert Seelbach. „Hier soll die Ausnahme zur Regel gemacht werden“, befürchtet er. Die Unterrichtsqualität für alle Schüler verschlechtere sich dadurch.

„Die Lehrer sind überfordert“, bestätigt der Landeschef der Bildungsgewerkschaft GEW, Günther Fuchs. „Da werden Klassen vollgeknallt, weil man nicht die notwendigen Ressourcen hat.“ Selbst an den 84 Pilotschulen, die Inklusionserfahrung sammeln und dafür mehr Personal zur Verfügung gestellt bekommen, sei die Frequenz teils überschritten worden. „Sonderpädagogen werden abgezogen, um Stundenausfall zu verhindern“, sagt der GEW-Chef.

 „Das ist ein Skandal“, meint der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gordon Hoffmann. „Die Inklusion à la Brandenburg ist gescheitert.“

Die Linke fordert Antworten von Bildungsminister Baaske (SPD)

Auch der Koalitionspartner geht hart mit Baaske ins Gericht. Die Zahlen seien inakzeptabel, sagt die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg. „Wir erwarten vom Bildungsministerium, dass es zügig Maßnahmen ergreift, um die Einhaltung der Richtlinie zu gewährleisten.“ Inklusion sei ein politisches gewolltes Ziel von Rot-Rot.

Das Ministerium vertröstet auf Herbst: Erst wenn der bis dahin erwartete Abschlussbericht des dreijährigen Pilotprojekts Inklusion vorliege , könne man Schlussfolgerungen für die weitere Vorgehensweise ziehen.

Von Marion Kaufmann

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