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Brandenburg So wirkt sich die Insolvenz von „Lila Bäcker“ in Brandenburg aus
Brandenburg So wirkt sich die Insolvenz von „Lila Bäcker“ in Brandenburg aus
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18:40 16.01.2019
Von der Insolvenz von Lila Bäcker sind auch zahlreiche Mitarbeiter in Brandenburg betroffen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Nachricht kam für viele überraschend – auch für die Mitarbeiter: Die Bäckerei-Kette „Lila Bäcker“ ist insolvent. 2700 Beschäftigte sind betroffen, zahlreiche von ihnen auch in Brandenburg. Bei ihnen löste die Nachricht Unsicherheit aus. Zwar sollen trotz der Zahlungsunfähigkeit die Produktion und der Verkauf in den rund 400 Filialen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Insolvenzausfallgeld über die Arbeitsagenturen zunächst bis Ende Februar 2019 weiter gesichert sein. Dennoch erhielten Verkäuferinnen nicht wie gewohnt ihre Löhne am 15 Januar auf ihre Konten.

Mitarbeiter: Wurden nicht informiert

Der fehlende Lohn machte die Mitarbeiter misstrauisch. „Wir wurden überhaupt nicht informiert“, sagte eine Mitarbeiterin am Mittwoch der MAZ in Oranienburg. Sie und ihre Kolleginnen aus einer der fünf Oranienburger Filialen seien nur stutzig geworden, weil sie ihren Lohn nicht auf dem Konto hatten.

„Der kommt immer am selben Tag. Und einer Kollegin, die ihr Geld immer einen Tag vorher erhält, war auch noch nichts überwiesen worden.“ Daraufhin fragten sie in der Lohnbuchabteilung an. Von dort gab es die Auskunft, dass derzeit kein Geld angewiesen werden dürfe. So sickerte immer mehr durch.

Ermittlungen gegen frühere Chefs der Kette

In Brandenburg an der Havel trafen sich am Mittag etwa ein Dutzend Mitarbeiter. „Wir sind alle schockiert“, sagt eine Verkäuferin, die seit mehr als zehn Jahren vielen Brandenburgern längst ein vertrautes Gesicht geworden ist.

Eine Sprecherin teilt derweil mit: Die wirtschaftliche Schieflage sei auf „Fehler der früheren Geschäftsführung zurückzuführen. Gegen sie laufen strafrechtliche Ermittlungen“.

300 Angestellte in Potsdam und Umgebung betroffen

Besonders schwer dürfte die Insolvenz Potsdam und Umgebung treffen. Allein in der brandenburgischen Landeshauptstadt gehören zwölf Filialen zu „Lila Bäcker“, neun weitere gibt es in Werder, Schwielowsee, Nuthetal und im Teltower Raum. Insgesamt arbeiten dort rund 300 Menschen.

„Besonders schlimm ist, dass wir alles aus den Medien erfahren haben“, sagt eine Verkäuferin. Die Sorgen sind auch bei einer anderen Mitarbeiterin groß. „Ich bin alleinerziehend, muss Rechnungen und die Miete bezahlen“, sagt die Frau, die in der Filiale am Potsdamer Hauptbahnhof tätig ist.

MAZ-Informationen: 58 Filialen stehen vor der Schließung

Tatsächlich kann sich das schnell ändern: Wie aus Branchenkreisen verlautet, plant der Mutterkonzern die Schließung von 58 Filialen. Der Potsdamer Raum könnte hiervon besonders betroffen sein, denn er ist sehr dicht mit Geschäften der Kette besiedelt. Das Unternehmen beantwortete eine entsprechende Anfrage bislang nicht.

Brötchen wandern über den Tresen – als wäre nichts geschehen

In den 35 Filialen in der Region Dahmeland-Fläming ist die Angst vor dem Jobverlust ebenfalls groß. Die Betroffenheit war aber allen anzusehen, manchen auch Wut, obwohl sie Brötchen und Kuchen über die Verkaufstresen reichten, als wäre nichts geschehen. „Wir haben Angst, unsere Jobs zu verlieren“, sagt eine Verkäuferin in Ludwigsfelde. „Die Situation ist unangenehm für uns“, heißt es in einer Lila-Bäcker-Filiale in Jüterbog.

Gewerkschaft will helfen

Überraschend kommt die „Lila-Bäcker“-Pleite für viele Angestellte offenbar nicht. „Es gab zuletzt verschiedene Entwicklungen, die darauf hindeuteten“, sagte am Mittwoch auch Birgit Weiland, Gewerkschaftssekretärin bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region Berlin Brandenburg (NGG). Erst in der vergangenen Woche habe sich die Gewerkschaft deshalb an die Lila Bäcker-Mitarbeiter gewandt, um sie über ihre Rechte aufzuklären.

Nun ist der Ernstfall eingetreten. Sie verspricht: „Wir als Gewerkschaft werden alles tun, um unseren Mitgliedern zu helfen.“ Konkret will Birgit Weiland den Kontakt zur Politik aufnehmen, um eine Rettung des Unternehmens zu erreichen.

Von RND/sag/MAZonline

Die Brandenburger Tochterfirmen vom „Lila Bäcker“ sind von der Insolvenz der Bäckerei-Kette betroffen. Die Konzernspitze macht die große Konkurrenz in der Backbranche und ihre Vorgänger für die Misere verantwortlich.

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