Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Investor für digitalen Insulin-Pen gesucht

Digitalisierung in Brandenburg Investor für digitalen Insulin-Pen gesucht

Die Medizintechnik-Firma Emperra aus Potsdam hat ein digitales Behandlungssystem für Diabetiker auf den Markt gebracht und hofft auf den nächsten Entwicklungsschritt. Dazu ist aber Risikokapital nötig.

Voriger Artikel
Einige Tausend Hektar Acker unter Wasser
Nächster Artikel
Coole Reaktion: Feuerwehr antwortet Nörgler

Firmengründer Janko Schildt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Idee kam dem Potsdamer Kinderarzt Janko Schildt in der Praxis – bei der täglichen Arbeit im Krankenhaus. Dort beobachtete er, wie lebenswichtige Messwerte von Diabetes-Patienten bei Ärzten und Pflegern oft gar nicht ankamen. „Es gibt ein Daten-Leck“, stellte Schildt damals fest. Als Beleg zeigt der 46-Jährige auf unleserliche, lückenhafte Zahlenreihen von Patienten in ihren Diabetes-Tagebüchern.

Könnte man die Behandlungsdaten nicht digital erfassen? Ein solches System speziell für Patienten, die an Diabetis mellitus leiden, gab es bis dahin noch nirgends. Schildt machte sich mit ein paar Mitstreitern an die Arbeit und gründete 2008 in Potsdam neben seiner Arbeit im Bergmann-Klinikum ein Start-up. Die ersten fünf Jahre von Emperra waren, wie er erzählt, eine harte Zeit. „Man musste daran glauben.“ So richtig los ging es mit der Firma 2012. Bis heute wurden zehn Millionen Euro investiert, darunter sind auch Fördergelder der Investitionsbank Brandenburg.

Das ist Emperra

Gründung: 2008

Idee: Mit einem digitalen Insulinpen, der Auskunft über gespritzte Insulindosen und Blutzuckerwerten gibt, sind Patient und Arzt drahtlos in der Cloud miteinander verbunden.

Mitarbeiter: 16

Zielgruppe: Menschen zwischen
55 und 85 Jahren mit der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus.

Das Prinzip ist relativ einfach und nach Auskunft der Firma weltweit bisher einmalig: Mit einem Insulin-Pen, eine Art mechanische Spritze und einem Blutzuckermessgerät können Behandlungsdaten drahtlos übertragen und in einer Cloud gespeichert werden. Das erfolgt über eine Basisstation, die in der Wohnung des Patienten in der Steckdose steckt. Die Daten, darunter die gespritzten Insulindosen, die gemessenen Blutzuckerwerte oder Broteinheiten können sich Arzt oder Patient oder beide zusammen anschauen – im Internet oder einer eigens entwickelten App.

Der Vorteil: Nun können übersichtlich, lückenlos und schnell beispielsweise unerwünschte Blutzuckerverläufe entdeckt werden. Bislang verfehlte jeder Zweite das Therapieziel, weil es nicht gelang, die Blutzuckerwerte optimal zu steuern, sagt Schildt.

Die AOK Nordost und die IKK Berlin-Brandenburg hat das digitale System überzeugt. 200 Diabetikern sind bereits über die Krankenkassen auf diese Weise behandelt worden. „Jetzt wissen wir, dass unser Gerät medizinisch sinnvoll ist“, so Gründer und Geschäftsführer Schildt. Er sieht in dem neuen Verfahren enorme Einsparpotenziale für Krankenkassen und andere Versorger. Durch die automatische Vollüberwachung würde praktisch kein Notfall eintreten, bei dem ein Patient ins Krankenhaus müsse. Ein einziger Notfall würde 4500 Euro kosten. Die Stoffwechselkrankheit, die durch falsche Ernährung, fehlende Bewegung oder Überalterung entstehen kann, sei inzwischen eine Volkskrankheit. 10 Prozent der Menschen hätten sie bundesweit.

Die Firma ist weiter gewachsen, hat heute 16 Mitarbeiter. Doch wie es weiter geht, steht noch in den Sternen. Emperra geht es, wie vielen Neugründungen auf dem Markt in ähnlicher Situation: Das Produkt hat die Erprobungsphase überstanden, nun muss der nächste Schritt gegangen werden. Doch es fehlt ein finanzstarker Investor. Emperra-Finanzchef Jens-Florian Krieg ist dennoch zuversichtlich. „Wir planen die nächste Finanzierungsrunde von 15 Millionen Euro.“ Das Produkt soll weiter verbessert, neue Geschäftsfelder erschlossen werden. „Der Markt ist heiß, wir sind aber noch ein Stück zu klein“, sagt Krieg. Gründer Schildt ist von der Erfindung überzeugt. Inzwischen wird mit mehreren Firmen wie einem IT-Start-up, zusammengearbeitet. „Wir haben eine richtig große Chance.“ Die bisherigen Versorgungsmodelle für Diabetiker seien zu kostspielig und an der Grenze. Nun hofft er, auch mit dem neuen, aus Dänemark stammende Vorstandschef Bent Johnsen, das nötige Risikokapital einsammeln zu können.

MAZ-Serie zur Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert unser Leben – beim Einkaufen, Musikhören, Kommunizieren. Und sie hält Einzug in die Arbeitswelt. Aber wie sehen die Arbeitsplätze in Zukunft aus? Was versprechen sich Brandenburgs Unternehmen von der Digitalisierung? Diesen Fragen widmet sich die MAZ in einer Serie.

Von Igor Göldner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Ist die vorläufige Absage der Kreisreform in Brandenburg richtig?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg