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Brandenburg Irrsinn: 2 Monate warten auf Arzttermin
Brandenburg Irrsinn: 2 Monate warten auf Arzttermin
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19:28 10.06.2015
In Brandenburg wartet man besonders lang auf einen Arzttermin. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Eine Termingarantie bei Arztbesuchen, mehr Praxen in unterversorgten Regionen: Das „Versorgungsstärkungsgesetz“, das am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden soll, verspricht den Patienten ein besseres und zukunftsfähiges Gesundheitssystem. Doch die Ärzteschaft in Brandenburg ist alarmiert und warnt davor, dass das Gesetz zu massiven Versorgungsengpässen in der Region führen könnte.

Brandenburg hat geringste Arztdichte in Deutschland

„Die Idee ist vollkommener Irrsinn“, sagt etwa Hans-Joachim Helming, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. Durch statistische Effekte könnten in Brandenburg Praxen geschlossen werden. „Dabei haben wir schon heute die geringste Arztdichte bundesweit.“

Denn mit dem neuen Gesetz sollen Praxen in als überversorgt geltenden Regionen aufgekauft werden, um sie in statistisch gesehen unterversorgte Regionen zu verlegen. Doch die Berechnung der ärztlichen Überversorgung ist seit Jahren umstritten und wirft Fragen auf: So gilt etwa die Prignitz mit neun Frauenärzten als überversorgt. Das gleiche gilt für Potsdam, wo acht Urologen mindestens einer zuviel wären.

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Wachsender Ärztebedarf wegen älter werdender Bevölkerung

„Es handelt sich um rein statistische Werte, die auf der Grundlage von Daten ermittelt werden, die über 20 Jahre alt sind“, warnt KV-Chef Helming. Er forderte eine Neuregelung der Bedarfsplanung, die sich an den tatsächlichen medizinischen Bedürfnissen der Menschen orientiere.

Brandenburger warten besonders lang beim Arzt

Wochenlanges Warten auf einen Facharzttermin ist einer aktuellen Studie der Krankenkasse IKK zufolge kein Massenphänomen. Fast 60 Prozent der Deutschen bekommen laut der Untersuchung binnen zwei Wochen einen Termin, egal, ob sie auf dem Land wohnen oder in der Stadt.

Nicht so jedoch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Hier muss sich etwa ein Fünftel der Patienten sogar länger als acht Wochen gedulden. Ähnlich das Ergebnis einer Studie der Techniker Krankenkasse: Vier von zehn Befragten klagen über zu lange Fristen. gel

Auch Udo Wolter, Präsident der Landesärztekammer, warnt: „Unterversorgung und Ärztemangel kann nicht mit dem Aufkauf von Praxen entgegengewirkt werden.“ Wegen der älter werdenden Bevölkerung gebe es in Brandenburg im Gegenteil einen steigenden Bedarf an medizinischer Versorgung.

Bis zu zwei Monate Wartezeit auf Arzttermin

Das neue Gesetz soll auch die oft frustrierende Terminsituation für Brandenburger Patienten verbessern. Künftig sollen alle Patienten innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin vermittelt bekommen. Doch ohne medizinisches Personal, sagt KV-Chef Hans-Joachim Helming, bringe das nichts. „Was wir brauchen, sind keine Terminservicestellen, sondern mehr Ärzte.“ In Brandenburg müssen einer Studie zufolge Patienten oft länger als acht Wochen warten, bis sie einen Termin beim Facharzt bekommen.

Auf Kritik stößt auch die am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedete Krankenhausreform. Danach müssen die rund 2000 Krankenhäuser in Deutschland künftig mit Abschlägen rechnen, wenn ihnen fortgesetzt Qualitätsmängel nachgewiesen werden. Dies kann bis hin zu einer Umwidmung eines Hauses oder zur Schließung führen. Besonders gute Qualität soll entsprechend höher vergütet werden.

Reform kostet rund eine Milliarde

Um die Reform zu finanzieren, soll ein Strukturfonds mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro geschaffen werden. Dafür sollen 500 Millionen Euro aus dem Gesundheitsfonds aufgebracht werden. Die Länder sollen dies mit weiteren 500 Millionen Euro gegenfinanzieren. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2016 in Kraft treten.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte: „Patienten müssen sich auf eine gute Versorgung im Krankenhaus verlassen können. Deshalb stärken wir die Spitzenmedizin und sorgen dafür, dass sich besonders gute Qualität künftig auch finanziell lohnt. Außerdem bringen wir mehr Pflegepersonal ans Krankenbett.“

Von Torsten Gellner

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