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Brandenburg Jäger fordern Obergrenze für Wölfe
Brandenburg Jäger fordern Obergrenze für Wölfe
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18:05 24.04.2017
Wölfe gibt es mittlerweile von Weißrussland bis Frankreich. Die Tiere bilden ausgedehnte Reviere, Jungwölfe verlassen das Rudel, wenn sie älter werden und laufen über Land. Quelle: Foto: Dpa
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Michendorf

Mit dem Vorschlag einer Obergrenze für die Wolfspopulation geht der Landesjagdverband in die Verhandlungen zum neuen Brandenburger Wolfsmanagement-Plan. „300 bis 400 Tiere – in dieser Größenordnung könnten wir uns bewegen“, sagte Verbands-Präsident Dirk-Henner Wellershoff am Montag am Verbandssitz in Michendorf (Potsdam-Mittelmark). Im Süden Brandenburgs ist seiner Auffassung nach die „erträgliche Anzahl erreicht“, während es im Norden des Landes „noch ein bisschen Luft“ gebe.

Jagdverband: Die offiziellen Zahlen sind zu niedrig angesetzt

Generell hadert der Verband mit den regierungsamtlichen Angaben zum Raubtierbestand, wonach derzeit 21 Rudel und zwei Paare im Land leben – macht bei acht bis zwölf Tieren pro Rudel rund 200 Exemplare: „Die offiziellen Zahlen sind die absolute Untergrenze – die Grauzahl ist wesentlich höher“, sagt Wellershoff. „Liegt die Realität eher bei 300 oder 500 Tieren?“, fragt Brandenburgs oberster Jäger.

Population wächst schneller als vermutet

Um das feststellen zu können, müsse die Bestandsaufnahme, das so genannte Monitoring, gründlicher werden. 286 Hinweise auf Wölfe binnen eines Jahres seien zu wenig, um ein realistisches Bild der Lage zeichnen zu können, sagt Wellershoff: „Ich glaube, das ist nicht repräsentativ.“ Mit 30 Prozent Zuwachs an Wölfen pro Jahr habe man gerechnet, „realistischer sind aber 50 Prozent“, so der Jagdpräsident. Die Jäger – immerhin 14 000 im Land Brandenburg, davon 150 mit Spezialausbildung zur Wolfserkennung – müssten in die Erfassung mit eingebunden werden.

Wolfs-Melde-App in Arbeit, Gummigeschosse zur „Vergrämung“

Mit dem Landesamt für Umwelt sei gemeinsam eine App für Smartphones entwickelt worden. Sie solle in Kürze zur Verfügung stehen, hieß es. Ohne bürokratischen Aufwand können Jäger dann Beobachtungen melden. Trittspuren und genaue Aufenthaltsorte werden erfasst oder Kotspuren gesichert. „Wir wollen mehr Licht in das Dunkel der Verbreitung der Wölfe bringen“, sagte der Wolfsbeauftragte des Verbandes, Robert Franck. Und: „Wir wollen den Wolf aber nicht ausrotten.“

Von „Vergrämungsmaßnahmen“ ist in einem aktuellen Forderungspapier des Verbands aber durchaus die Rede. Wie aber vergrämt man einen Wolf? Gummigeschosse könnten Wölfe laut Jagdpräsident Wellershoff aus dichter besiedelten Gebieten vertreiben. Geschützte Lebensräume will der Verband den grauen Räubern fast nur noch in Tagebaulandschaften und auf Truppenübungsplätzen zubilligen, also fern menschlicher Siedlungen.

Die Sorge: Wölfe, die vor Biotonnen patrouillieren

Lasse man sie ungestört durchs Land ziehen, würden Wölfe eines Tages vor „Biotonnen patrouillieren“, fürchtet Wellershoff. Füchse und Wildschweine hätten ja auch schnell gelernt, wie man ohne große Mühe an Nahrung komme.

Einen besseren Schutz der Jagdhunde will der Verband in den anstehenden Verhandlungen mit dem Land ebenfalls durchsetzen. Immer wieder verschwänden Hunde bei der Jagd auf Nimmerwiedersehen oder trügen Verletzungen davon. Ersatz- und Tierarztkosten sowie Schutzausrüstung für geeignete Hunde müssten vom Land übernommen werden.

4. Wolfsplenum in Potsdam am Mittwoch

Am Mittwoch kommen in Potsdam zum bereits 4. Wolfsplenum Wolfsexperten, Naturschützer sowie betroffene Landwirte und Jäger an einem Tisch zusammen. Dabei müsse auch die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes besprochen werden, forderte der Präsident des Landesjagdverbandes. Kranke und sich nicht artgerecht verhaltende Tiere müssen getötet werden dürfen. Derzeit steht der Wolf unter Schutz und darf nicht gejagt werden. Nach Ansicht des Bundesumweltministeriums ist der Bestand nicht so groß, dass man jagen müsste. Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger hat auf der Konferenz seiner Ressortkollegen bereits den Antrag eingebracht, den Schutzstatus zu lockern.

Aus dem Brandenburger Umweltministerium hieß es gestern, eine Obergrenze werde „nicht ernsthaft diskutiert“.

Von Ulrich Wangemann

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