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Brandenburg Jagdpräsident will märkische Wölfe ins Saarland auswildern
Brandenburg Jagdpräsident will märkische Wölfe ins Saarland auswildern
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01:15 17.04.2019
Dieser Wolf lebt behaglich im Tierpark Kunsterspring. Quelle: Peter Geisler
Baruth

Dirk-Henner Wellershoff hat einen offenen Brief verfasst, in dem er sich über zu hohe Abschussvorgaben durch das Land beschwert. Im Gespräch mit der MAZ erklärt er, was es damit auf sich hat, wie er zur Jagd mit Pfeil und Bogen steht und warum er den Wolf „ausbürgern“ will.

Herr Wellershoff, Sie haben in einem Offenen Brief gegen die Obere Jagdbehörde des Landes gewettert. Kern der Kritik war, dass sich die Jäger unter Druck gesetzt fühlen. Sie müssten zu viel Rot- und Rehwild abschießen. Wo ist das Problem? Erklären Sie das bitte einem Nicht-Jäger…

Dirk-Henner Wellershoff: Vor zehn Jahren hat es in Brandenburg einen Ideologiewechsel gegeben, von „Wald und Wild“ hin zu „Wald vor Wild“. Die Behörden vertreten jetzt die Philosophie: Wald kann nur natürlich nachwachsen, wenn möglichst wenig Wild da ist. Man hat die Abschusszahlen und den Druck auf das Wild deutlich erhöht. Das hat dazu geführt, dass der Bestand dramatisch abgesenkt worden ist, jedenfalls in den Bereichen, die der Landesforst bewirtschaftet. Von der Mehrheit der bei uns organisierten Jäger wird die Intensität, mit der dort gejagt wird, nicht mitgetragen.

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Wie sieht der Druck konkret aus?

Man muss zum Hintergrund wissen, dass es die bisher unabhängige Obere Jagdbehörde des Landes seit November 2018 nicht mehr gibt. Sie wurde mit der Oberen Forstbehörde zusammengelegt, an der Spitze steht der bisherige Forst-Abteilungsdirektor. Wir sehen darin einen riesigen Interessenkonflikt.

Landwirt und Jäger

Dirk-Henner Wellershoff, Jahrgang 1966, arbeitet als Landwirt und Immobilienkaufmann.

Seit 2016 ist er Präsident des Landesjagdverbands.

Im Landesjagdverband sind etwa 10.000 der 14.000 Jäger Brandenburgs organisiert.

Wellershoffs Jagdrevier liegt in Baruth (Teltow-Fläming). 

Wie äußert sich das?

Die Behörde versucht, verschiedene Jagdgesetze neu zu schreiben, aber aus einer reinen Forst-Perspektive. So wurden zum Beispiel sogenannte Hauptbaumarten definiert, für die Sie als Jäger haften, wenn es Wildverbiss gibt. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie dem Brandenburger Jäger das Leben schwer gemacht wird. Wir sind ohnehin schon belastet mit den steigenden Wildschweinpopulationen.

Apropos Wildschweine: Haben Sie schon einmal mit Pfeil und Bogen gejagt?

Ich weiß, wie das funktioniert, ich kann so einen Bogen bedienen. Aber da Bogenjagd in Deutschland verboten ist, habe ich das noch nie ausgeübt.

In Kleinmachnow und Stahnsdorf könnte es dafür im Sommer eine Sondergenehmigung geben. Gute Idee oder nicht?

Es ist eine Methode, mit der man sehr geräuschlos und störungsarm jagen kann. Gerade in einem städtischen Gebiet birgt die Wildschweinjagd mit der Schusswaffe immer ein sehr hohes Risiko. Da kann die Bogenjagd ein zusätzliches Instrument sein, dem Wildschwein auf die Pelle zu rücken.

Warum fühlen sich Wildschweine in Brandenburg so wohl?

Wir kämpfen mit riesigen Monokulturen, in denen das Wildschwein das ganze Jahr über Deckung findet und sich verstecken kann. Dagegen haben wir schon viel unternommen. In einigen Krisengebieten, etwa im Nationalpark Oderbruch, haben wir angefangen mit der Fallenjagd.

Macht das Jägern denn Freude?

Ich persönlich sehe das kritisch. Das ist keine Jagdausübung, die ich spektakulär gut finde. Es ist einfach ein Mittel, viele Wildschweine in kurzer Zeit zu entnehmen. Besser wäre es gewesen, in diesem Nationalpark intensive Jagd zuzulassen. Wir haben in Brandenburg relativ viele Naturschutzgebiete, in denen gar keine Jagd stattfindet. Der gleiche Gesetzgeber, der mich ermahnt, möglichst viele Wildschweine abzuschießen und dafür Prämienmodelle auflegt, lässt auf 50.000 bis 60.000 Hektar die Jagd ruhen. Dort entstehen Rückzugsgebiete für Schwarzwild, die das Problem noch verschärfen.

Vom Prämienmodell halten Sie nichts?

Nein, denn wir sind keine Schädlingsbekämpfer. Wir müssen die Wildvermarktung stärken, damit es attraktiver wird, das Fleisch zu verkaufen. Im Moment ist der Preis vollkommen im Keller, das heißt unsere Jäger sind auch wenig motiviert, Wildschweine zu schießen.

Wo liegt der Fleischpreis aktuell?

Es ist eine Frage des Verarbeitungsgrades. Wenn ich das Fleisch beim Jäger abhole, ohne dass es zerlegt ist, liegt der Preis bei etwa ein Euro pro Kilo.

Lassen Sie uns über das andere große W sprechen, den Wolf. In Ihrem Offenen Brief fordern Sie vom Land ein „aktives Wolfsmanagement“. Bedeutet das, laienhaft gesprochen, Wölfe zum Abschuss freizugeben?

Wir müssen anfangen zu differenzieren, wo sich Wölfe aufhalten sollten und wo nicht. In Städten und Ortschaften haben sie jedenfalls nichts zu suchen. Wenn wir in Brandenburg weiter eine extensive Landwirtschaft haben wollen, mit Tieren auf der Weide, dann muss der Wolf lernen, dass er da sein Fressen nicht holt. Wenn Wildtiere merken, dass der Mensch keine Gefahr ist, laufen sie am helllichten Tag auf der Straße herum. Das kann ich bei einem Wildschwein noch akzeptieren. Aber der Wolf ist das größte europäische Raubtier. Ein Wolf mag unbedrohlich sein, vier auf einen Haufen sind definitiv gefährlich.

In Niedersachsen wurde der Wolf „Kurti“ mit einer Sondergenehmigung abgeschossen. Er war zu zutraulich geworden. Mir sind hingegen keine Fälle aus Deutschland bekannt, wo ein Wolf Menschen angegriffen hätte. Ihnen?

Es gibt aus der ganzen Welt vielfältige Berichte darüber, dass Wölfe Menschen zu nahe gekommen sind, insbesondere in Kanada und Russland, wo die Winter strenger sind als bei uns. Ich will das nicht dramatisieren, der Wolf verhält sich dem Menschen gegenüber eher vorsichtig. Aber wir haben im letzten Jagdjahr 90.000 Wildschweine geschossen. In der entsprechenden Zeit zwischen September und Januar sind viele Hundeführer unterwegs. Was machen die, wenn der Wolf ihre Jagdhunde anfällt? Die Hunde sind Familienmitglieder, die überlässt kein Hundeführer dem Wolf als Futter. Da bin ich derzeit automatisch in der Illegalität. Wenn man will, dass weiter Wildschweine bejagt werden, weil die Schweinepest droht, brauchen die Jäger Rechtssicherheit. Und da duckt sich die Politik vollkommen weg.

Weil sie sich mit den Tierschützern nicht anlegen will?

Ja. Aber das ist ein Zielkonflikt, der gelöst werden muss. Wir haben hier mehr Wölfe als in ganz Schweden und in ganz Finnland. Wir müssen in Brandenburg eine offene Diskussion darüber führen, mit wie vielen Wölfen wir leben wollen. Wie viele Wölfe können sich hier ernähren, ohne dass es Probleme bereitet? Danach muss ich entscheiden, was ich mit dem Überschuss mache.

Feuer frei?

Ich habe immer gesagt, ich muss die nicht umbringen. Narkotisiert sie und bringt sie in Gegenden, wo es noch keine Wölfe gibt, zum Beispiel ins Saarland oder nach Hessen und bürgert sie aus!

Wieso wird die Debatte um den Wolf derart emotional geführt?

Kommen Sie mal in einen Ort, wenn dort nachts Schafe gerissen wurden und morgens die Gedärme durch das ganze Dorf verteilt sind! Das muss man gesehen haben, um zu verstehen, wie die Leute ticken, die da leben. Die lassen dort keine Kinder mehr unbeaufsichtigt herumlaufen. Ob diese Reaktion angemessen ist, möchte ich gar nicht beurteilen. Aber die Angst der Leute ist real.

Von Thorsten Keller

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