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Brandenburg Jagdverein: Unvermögen bei märkischen Jägern
Brandenburg Jagdverein: Unvermögen bei märkischen Jägern
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14:19 19.02.2016
Der Vereinschef Mathias Graf von Schwerin.
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Potsdam

Brandenburgs Jäger schießen zu schlecht und werden deshalb der Schalenwildplage nicht Herr – so lautet die scharfe Kritik des Ökologischen Jagdvereins Brandenburg an der hiesigen Jagdpolitik. Grund für die Schelte des Vorsitzenden Mathias Graf von Schwerin sind die aktuellen Abschusszahlen für das Jagdjahr 2014/2015.

Der Bericht vermerkt einen Rückgang von erlegtem Reh- und Damwild um fünf Prozent, dafür aber einen Zuwachs um sechs Prozentpunkte beim Rotwild. Die Anzahl des erlegten Wilds gilt als Indiz für die Größe der Population. Die Abschusszahlen beim Schalenwild, zu denen alle Paarhufer zählen, sind in den vergangenen Jahren insgesamt tendenziell gestiegen. Die Wälder leiden darunter: Rothirsche, Damhirsche und Rehe ernähren sich zum Teil von Baumtrieben und schädigen dabei Jungpflanzen.

„Jäger stellen sich nicht den Anforderungen der modernen Jagd“

Mathias Graf von Schwerin wirft märkischen Waidmännern offen „jagdhandwerkliches Unvermögen zur Bestandsreduzierung“ vor. „Viele Jäger sind nicht in der Lage, sich den Anforderungen einer modernen Jagd zu stellen“, sagte Schwerin der MAZ. Zur modernen Pirsch gehört aus seiner Sicht, dass man „regelmäßig“, also vier bis fünf Mal pro Saison auf dem Schießstand stehe. Ältere Jäger sollten sich nach Schwerins Ansicht alle drei Jahre einem Fitnesstest unterziehen. Nur eine effektive Jagd könne garantieren, dass man in Brandenburg das sich ausbreitende Schalenwild in den Griff bekomme. Jäger müssten sich als Dienstleister für Forstbesitzer verstehen.

Die Hälfte des Jungwaldes ist beschädigt

10 488 Stück Rotwild wurden im Jagdjahr 2014/15 laut Landesjagdbericht erlegt. Das waren gut 550 mehr als im Jahr zuvor und sogar 2400 mehr als im Jahr 1991. Beim Damwild ging die Strecke mit 12 377 erlegten Tieren zwar um etwa 600 Stück leicht zurück. Aber gegenüber 1991 stieg sie um gut 5000 Stück. Sehr stark zurück ging die Zahl erlegter Rehe. Es waren mit 69 400 Stück gut 3700 weniger als im Vorjahr. Allerdings stieg die Zahl gegenüber 1991 um nicht weniger als 28 000 erlegte Rehe.

44,6 Prozent
der jungen Pflanzen sind durch Verbiss geschädigt. Brandenburg nimmt damit einen Spitzenplatz im Bundesvergleich ein. Insbesondere die für den Waldumbau wichtigen Laubbaumarten sind stark gefährdet.

37 Prozent der Landesfläche Brandenburgs sind Wald. Brandenburg gehört zu den fünf waldreichsten Bundesländern Deutschlands. Trotz Verbiss steigt der märkische Holzvorrat jährlich um 10,4 Millionen Kubikmeter.

„Wald und Wild müssen zusammen ein vernünftiges Biotop bilden, wo zehn verschiedene Baumarten sich wieder erholen können“, meint Schwerin. Die gängige Jagdpolitik in Brandenburg läuft seiner Meinung nach dem Ziel zuwider, in der Mark wieder einen Mischwald herzustellen. Dieses sei gerade angesichts des Klimawandels richtig und wichtig, doch unter einer „verfehlten Jagdpolitik“ des Landes nicht zu erreichen. Statt das Schalenwild effektiv zu bekämpfen, würden Steuergelder zum Beispiel für die Errichtung von Schutzzäunen verschwendet.

Jagdverband: von Schwerin fehlt die Sachkenntnis

Der mitgliederstarke Landesjagdverband Brandenburg reagiert empört auf die Vorwürfe. Schwerins Einlassungen sprächen „nicht gerade für Sachkenntnis“, sagte Sprecher Tino Erstling. Der Landesjagdverband lege größten Wert auf die Fortbildung seiner Mitglieder. „Wir unterhalten eine Landesjagdschule, deren Seminare fast ausnahmslos ausgebucht sind. Das Interesse unserer Jäger sich weiterzubilden, ist groß“, so Erstling. Auch das regelmäßige Übungsschießen werde gut angenommen. Nicht zuletzt würde die Ausbildung von Jagdhunden unterstützt. „Alles Maßnahmen, die zu einer effektiven und tierschutzgerechten Jagd beitragen.“

Der Vereinschef Mathias Graf von Schwerin. Quelle: dpa-Zentralbild

Auch das angegriffene Landwirtschaftsministerium wehrt sich: „Schon der Anstieg der Jagdstrecke zeigt, dass es nicht stimmt“, sagt Sprecher Jens-Uwe Schade. Die enorme Wildpopulation, die ganz Norddeutschland betreffe, liege nicht am Unvermögen der Jäger, sondern an den Rahmenbedingungen. Es gäbe riesige Waldgebiete, die milden Winter seien für Wildtiere günstig und der Druck einer intensiven Landwirtschaft lasse nach. Für den Erfolg der Jagd seien viele Menschen vor Ort verantwortlich. „Die können nicht alle vom Land aus kontrolliert werden.“

Ziel der Landespolitik sei es in der Tat, von kostenaufwendigen Schutzzäunen wegzukommen. Dies sei „noch“ nicht erreicht, doch würden unter fachlicher Beratung die Jagdziele ständig der Situation vor Ort angepasst.

Von Rüdiger Braun

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