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Brandenburg Jagen mit Hund: Zwischen Vorurteilen und Freiheit
Brandenburg Jagen mit Hund: Zwischen Vorurteilen und Freiheit
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02:24 27.05.2018
Auf der Pirsch sind Jägerin Alexandra Weibrecht und Hund Kenzo in ihrem Element. Quelle: Victoria Barnack
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Schünow

Das Revier Schünow bei Zossen (Teltow-Fläming) ist 800 Hektar groß. Wird dort Wild durch einen nicht tödlichen Schuss oder im Straßenverkehr verletzt, beginnen der Spaß und die Arbeit für Kenzo. „Der Hund ist meine Nase, meine Ohren und meine Augen“, sagt Alexandra Weibrecht. Alleine würde sie nicht halb so viel Wild schießen. Jagd ohne Hund ist Schund: Das alte Sprichwort gilt noch immer.

Etwa jeder dritte der insgesamt 10 000 Jäger in Brandenburg ist Halter eines Hundes mit entsprechender Ausbildung. Alexandra Weibrecht ist eine von wenigen Trainerinnen und Prüfungsrichterinnen in Brandenburg.

Als Züchterin der Rasse Pointer bildet Alexandra Weibrecht die Jagdhunde für sich und andere Jäger aus. Zwei Jahre Training braucht es im Durchschnitt, bis der Hund für die Prüfung bereit ist. Wer bestehen will, braucht vor allem Fleiß und Geduld.

„Die Grüne Karte ist das A und O für Jäger“, erklärt sie. Mit dem Bestehen der Brauchbarkeitsprüfung werden die Hunde für bestimmte Jagdarten zugelassen. Ohne den richtigen Stempel müssen nicht nur die Vierbeiner zu Hause bleiben. In einigen Fällen ist die Jagd ohne Hund komplett verboten.

„Es sind Hunde mit Beruf“

Wenn Kenzo und die anderen Rassehunde von Alexandra Weibrecht am Samstag und Sonntag auf dem Landesjägertag auf Schloss Diedersdorf (Teltow-Fläming) präsentiert werden, hat niemand Angst vor ihnen. „Sie sind nicht gefährlich. Es sind Hunde mit Beruf“, sagt Alexandra Weibrecht, „natürlich verfolgen sie Wild, aber das machen sie kontrolliert.“

Die 49-Jährige ist seit fast 20 Jahren Jägerin, noch viel länger Hundenärrin. Über ihre geliebten Vierbeiner kam sie zur Jagd. „Damals hatte ich die Pointer schon, die Ferraris unter den Hunden, aber ich hatte keinen Führerschein für das, was in meiner Garage stand“, erzählt sie.

Jagdhunde können bis zu 60 Stundenkilometer schnell rennen. Quelle: Michael Schlenther

Heute ist das anders: Sie bildet Jagdhunde aus, züchtet sie, hat 2007 an der Jagdweltmeisterschaft teilgenommen. Sie darf Jagdhunde bei Prüfungen bewerten, brachte unzählige Hunde erfolgreich durch die Tests und setzt sich für einen besseren Ruf der knapp 35 Rassen in der Öffentlichkeit ein.

Jägerfest am 26. und 27. Mai

Ab Samstag um 14 Uhr feiert der Landesjagdverband sein Jägerfest auf Schloss Diedersdorf bei Großbeeren (Teltow-Fläming). Erstmals wird ein Hirschrufer-Wettbewerb während des Jägerfestes durchgeführt. Er beginnt am Sonntag um 10.45 Uhr.

Zu den Höhepunkten an beiden Tagen zählen die Jagdhundeschauen mit Alexandra Weibrecht, die Greifvogelvorführungen vom Waldhaus Potsdam sowie am Sonntag die Präsentation der Rasse Kleine Münsterländer.

Besucher können sich mit jagdlichen Accessoires eindecken.

Am Sonntag wird ab 12 Uhr live gekocht. Restaurantchef Daniel Reuner bereitet Wild auf der Showbühne zu.

„Wenn man dem Hund kurz vor der Jagd in die Augen schaut und seinen Elan und die Freude sieht, ist es das beste Gefühl“, sagt Alexandra Weibrecht. Auch deshalb sind ihr die Jagdhunde wichtig. Das gemeinsame Erlebnis schweißt Mensch und Tier zusammen. Alexandra Weibrecht hat das selbst erfahren, nachdem sie 1999 ihren Jagdschein erhalten hat.

Das Training für die Brauchbarkeitsprüfung dauert zwei bis drei Jahre

Seitdem bildet sie auch fremde Jagdhunde aus. Denn einige Jäger kaufen ihre vierbeinigen Begleiter vom Züchter erst ausgewachsen und mit allen Papieren. Mehrere Jahre dauert die Vorbereitung auf die Prüfung. Schon als Welpen lernen die Tiere, was künftig ihre Beute sein wird. Dass ihr Jäger das Geschossene mit ihnen teilt, ist Ansporn für die Tiere. Futter ist eben auch bei Jagdhunden das beste Bestechungsmittel, verrät die Trainerin.

„Ich schaffe als Ausbilderin eine möglichst breite Basis“, erklärt Alexandra Weibrecht. Erst später folgen Spezialisierungen, zum Beispiel zum Vorsteh-, Stöber-, Apportier- oder Schweisshund. Zwei bis drei Jahre dauert das Training vor der Meisterprüfung.

Kenzo hat gelernt zu gehorchen. Er bleibt an seinem Platz, auch wenn sein Jäger außer Sichtweite ist und Schüsse zu hören sind. Quelle: Victoria Barnack

Vor allem aber lernen die Hunde Gehorsam. Ein Jagdhund bleibt sitzen, wenn er rennen möchte. Er bleibt auch dann liegen, wenn der Jäger nicht mehr zu sehen ist. Er bringt dem Menschen das Fleisch, das er selbst gern fressen würde.

Familienmitglied und „Lebensversicherung“ für den Jäger

Täglich zwei Stunden lang sollte sich auch ein Hobbyjäger, der in Vollzeit arbeitet, mit seinem ausgebildeten Hund beschäftigen. Was beim normalen Haustier ignoriert wird, könne man einem Jagdhund nicht durchgehen lassen. Dennoch sind sie meistens auch ein Teil der Familie. „Ein Jäger hat ein engeres Verhältnis zu seinem Hund als ein normaler Mensch“, erzählt Alexandra Weibrecht.

Dass Kenzo und die anderen Pointer weit mehr als eine Erleichterung für sie sind, musste die Jägerin erst vor wenigen Monaten erleben. Während der Jagd auf einem dichten Feld, stand plötzlich ein Wildschwein 30 Meter vor Alexandra Weibrecht. Ihr Hund hat es verjagt, allein hätte sie das nicht gekonnt.

Die Beziehung Quelle: Michael Schlenther

Der Hund ist meine Lebensversicherung“, sagt sie – ein weiterer Grund für ihr Engagement. Noch immer würden viele Menschen die Jagd für ein elitäres Ereignis halten. Das weiß sie aus den Gesprächen mit Hundefreunden und Kritikern auf Messen und Veranstaltungen im ganzen Land. „Hier draußen im dünn besiedelten und waldreichen Brandenburg ist das schon lange nicht mehr so“, sagt sie, „trotzdem ist ein Hund bis heute oft ein Statussymbol. Von diesem Denken müssen wir weg.“

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