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Brandenburg Jedes vierte Kind in Brandenburg hat Allergien
Brandenburg Jedes vierte Kind in Brandenburg hat Allergien
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11:59 20.09.2017
Heuschnupfen kommt bei Kindern und Jugendlichen in Brandenburg immer häufiger vor. Quelle: foto: fotolia
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Potsdam

Adipositas und Allergien: Immer häufiger sind Kinder und Jugendliche aus ländlichen Kleinstädten in Brandenburg beeinträchtigt. Das geht aus dem ersten Kinderreport AOK Nordost hervor, den die Krankenkasse am Dienstag veröffentlicht hat. Ausgewertet wurden die Daten von 51 000 Brandenburger Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 16 Jahren, die bei der AOK versichert sind.

Demnach ist die Häufigkeit von stark übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zwischen 2010 und 2015 zwar nur minimal um 0,2 Prozentpunkte auf 5,7 gestiegen. „Doch 2900 an Adipositas erkrankte Kinder im Land Brandenburg sind immer noch eine zu große Zahl“, sagt Thomas Zahn, Geschäftsführer des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts der AOK Nordost. Kinder und Jugendliche aus Frankfurt (Oder) waren dabei im Jahr 2015 mit 7,4 Prozent am häufigsten betroffen, Potsdamer Kinder mit 3,7 Prozent am wenigsten. Den höchsten Anstieg bei der Häufigkeit von stark übergewichtigen Kindern gab es demnach im Landkreis Dahme-Spreewald mit 1,3 Punkten auf 7,4 Prozent.

Heuschnupfen-Belastung sogar größer als in Berlin

Auch Allergien nehmen laut Report bei Kindern und Jugendlichen zu: „Fast jedes vierte Brandenburger Schulkind leidet an Allergien“, fasst Zahn die Ergebnisse zusammen. Am häufigsten sind die jungen Menschen an Neurodermitis erkrankt, gefolgt von Heuschnupfen und Asthma. „Besonders auffällig ist, dass Allergien in ländlichen Kleinstädten zunehmen“, sagt Zahn. Demnach variierte in Brandenburg der Anteil Allergiekranker zwischen 9,6 Prozent in der Stadt Werneuchen im Landkreis Barnim und 49,3 Prozent in Woltersdorf im Landkreis Oder-Spree. Dort hatte fast jedes zweite Kind oder Jugendlicher eine Allergie.

Im Vergleich zum Nachbarland Berlin war die Heuschnupfen-Belastung in Brandenburg mit 6,3 Prozent im Jahr 2015 sogar deutlich höher. Berliner Kinder und Jugendliche waren mit 5,8 Prozent erkrankt. Warum der Anteil der Allergiker unter den Kindern und Jugendlichen in Brandenburg in 2015 um 1,5 Prozent höher war, lässt sich nur vermuten. „Das Leben auf dem Land gleicht sich der Stadt an“, erklärt Zahn. Möglich sei, dass Faktoren, die ursprünglich auf dem Land vor einer Allergie wie Heuschnupfen oder Tierhaarallergien schützten, nicht mehr zutreffen. Dazu gehört der intensivere Kontakt mit Allergenen von Tier und Pflanzen.

Allergieprävention: Stillen und Zufüttern ab dem vierten Lebensmonat

Dass die Häufigkeit von Allergien laut AOK-Kinderreport in ländlichen Regionen zunimmt, überrascht märkische Kinderärzte nicht. „Immer weniger Familien in Brandenburg arbeiten im bäuerlichen Umfeld“, beobachtet Hans Ekkehard Kössel, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik im Städtischen Klinikum Brandenburg an der Havel und stellvertretender Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Entscheidend sei nicht das Wohn-, sondern das Arbeitsumfeld. In ländlichen Regionen lebten heute viele zugezogene Städter. Dass die Allergierate insgesamt ansteigt, bestätigt Kössel. In der Allergieprävention sei daher der Zeitpunkt des Zufütterns eines Babys und die Kontakthäufigkeit von Allergenen entscheidend. „Stillen ist generell gut, aber nicht alleiniges Stillen. Kinderärzte raten deshalb, ab dem vierten Lebensmonat zu der Muttermilch zuzufüttern“, so Kössel.

Auch dass die Tendenz zu Übergewicht steigt, kann der Kinderarzt bestätigen. „Wir beobachten, dass schon vier oder fünf Jahre alte Kinder deutlich adipös sind“, sagt Kössel. Das Problem verstärke sich mit zunehmendem Alter. Gründe sieht er im Bewegungsmangel und zu hoher Kalorienzufuhr. „Essgewohnheiten spielen schon in frühen Jahren eine Rolle“, sagt er. Das Verhalten im Elternhaus sei prägend. Hinzu kommt, dass sich Kinder aus sozial schwächeren Familien oftmals schlechter ernähren. Doch auch in wohlhabenden Familien gebe es Kinder, die extrem übergewichtig sind, betont der Mediziner. Es zeige sich, dass zu viel Medienkonsum und zu wenig Sport schädlich für die gesundheitliche Entwicklung eines Kindes ist. „Da müssen wir gegensteuern“, so Kössel.

Von Diana Bade

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