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Brandenburg Jedes zehnte Brandenburger Kind ist arm
Brandenburg Jedes zehnte Brandenburger Kind ist arm
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21:54 29.05.2015
Besonders in den kreisfreien Städten gibt es Kinderarmut. Quelle: foto: dpa
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Potsdam

Kein Kino, keine schicken neuen Klamotten, kein Ausflug, geschweige denn ein längerer Urlaub: Viele Brandenburger Kinder müssen auf Dinge verzichten, die für ihre Schulfreunde selbstverständlich sind. In Zahlen des Statistischen Bundesamtes liest sich das so: Jedes zehnte Kind in der Mark ist arm und auf Sozialleistungen angewiesen. Fast jedes vierte Kind in Brandenburg ist armutsgefährdet, weil die Eltern ein sehr geringes Einkommen haben. Diese Kinder seien nicht nur oft von Freizeitangeboten ausgeschlossen, sondern auch weniger gebildet, öfter krank und hätten so später schlechte Startbedingungen im Arbeitsleben, erklärt Sozialministerin Diana Golze (Linke). „Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen.“ Mit einem Runden Tisch, der am Freitag erstmals zusammenkam, will das Land das Thema Kinderarmut angehen.

Verbände, private Initiativen, Wirtschaftsvertreter und Vereine sollen gemeinsam beraten, wie Kindern in Not geholfen werden kann und die Hilfsangebote, die es bereits gibt, bekannter gemacht werden können. Auch Kinder selbst kommen zu Wort.

500 000 Euro stehen im Kampf gegen Kinderarmut bereit

„Wir brauchen eine flächendeckende Beratungsstruktur“, fordert Andreas Kaczynski, Sprecher der Landesarmutskonferenz. Die Netzwerke „Gesunde Kinder“, die beim Bildungsministerium angesiedelt und inzwischen in allen Landkreisen aktiv sind, hätten sich bewährt, um Familien zu beraten und auf Hilfsangebote hinzuweisen. Das Problem: Die ehrenamtlichen Paten besuchen die Familien nur bis zum dritten Lebensjahr der Kinder. „Aber auch danach ist Hilfe nötig“, sagt Kaczynski. Egal ob Mutter-Kind-Kur, Hausaufgabenhilfe oder Stiftungsmittel für bedürftige Familien – viele Eltern wüssten gar nicht, wo sie welche Unterstützung bekommen.

Gute, lokale Initiativen, die Kinder fördern, sollen bekannter gemacht und auf andere Regionen übertragen werden, erklärt Ministerin Golze. Im Doppelhaushalt sind dafür in diesem und im nächsten Jahr insgesamt 500 000 Euro eingestellt. Im November trifft sich der Runde Tisch zum zweiten Mal.

Der Hartz IV-Satz für Kinder liegt bei 234 Euro

Die Finanzsituation der Kinder und Familien verbessern könne das Land hingegen höchstens indirekt, so die Ministerin. Etwa indem Brandenburg im Bund darauf drängt, den Hartz-IV-Regelsatz für Kinder zu erhöhen. Dieser stieg zum Jahresbeginn bereits an – um fünf Euro. Für Kinder unter sechs Jahren werden 234 Euro bezahlt. 6- bis 14-Jährigen stehen 267, Jugendlichen 302 Euro vom Amt zu.

„Das ist viel zu wenig“, sagt Andreas Kaczynski. In Brandenburg sind rund 19 Prozent der unter 15-Jährigen auf Sozialleistungen angewiesen, weil ihre Eltern langzeitarbeitlos sind. Besonders hoch ist die Quote in den kreisfreien Städten mit Ausnahme von Potsdam sowie in der Uckermark und der Prignitz. Als armutsgefährdet gilt eine Familie mit zwei Kindern, wenn sie monatlich weniger als 1873 Euro (60 Prozent des Durchschnittseinkommens) zur Verfügung hat. Besonders häufig gilt das für Alleinerziehende und kinderreiche Familien.

Das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes habe sich als Ausgleich nicht bewährt, sagt Ministerin Golze. „Das ist ein bürokratisches Monster.“ Viele stellten erst gar keinen Antrag auf Zuschüsse zu Klassenfahrten oder Vereinsbeiträgen, weil das Prozedere so kompliziert sei. 2012 wurde in der Mark nur die Hälfte der bereitstehenden 27,8 Millionen Euro abgerufen. Gut angenommen werde hingegen der Ferienzuschuss des Landes für bedürftige Kinder. Jährlich werden 300 000 Euro für Familien ausgegeben, die sich sonst keinen gemeinsamen Urlaub leisten könnten.

Von Marion Kaufmann

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