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Jugendweihe ist beliebter als Konfirmation

Rituale in Brandenburg Jugendweihe ist beliebter als Konfirmation

Die Evangelische Landeskirche bemüht sich redlich, Teilnehmer für die Konfirmationsfeiern zu gewinnen. Dieses Jahr haben sich schon über 1250 märkische Jugendliche angemeldet. Doch gegen die in Brandenburg immer noch sehr beliebte Jugendweihe kommt die Kirche nicht an. 5150 Teilnehmer sind es allein schon bei zwei großen Anbietern der Feiern.

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Quelle: dpa

Potsdam. Gegen die vielen Anbieter der Jugendweihen hat die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit ihren noch bis zum Pfingstwochenende laufenden Konfirmationen einen schweren Stand. Im Jahr 2014 nahmen insgesamt 2390 brandenburgische Jugendliche an Konfirmationen der Evangelischen Kirche teil. Die Jugendweihen des Humanistischen Verbands Deutschlands (HVD) zählten im selben Jahr dagegen 4042 Teilnehmer. Da der HVD längst nicht die einzige Organisation ist, die solche Veranstaltungen anbietet, dürften noch sehr viel mehr junge Märker 2014 an Jugendweihen teilgenommen haben.

Abgrenzung von der Konfirmation

Konfirmation kommt vom lateinischen Ausdruck für „Befestigung“ oder „Bekräftigung“. Die Konfirmanden sollen vor allem bewusst ihre Taufe bestätigen und damit als junge Erwachsene ihr „Ja“ zum christlichen Glauben aussprechen. Das geschieht im Rahmen einer feierlichen Segenshandlung in den meisten evangelischen Kirchen, in der Neuapostolischen Kirche, der Apostolischen Gemeinschaft und in der Christengemeinschaft. Die Segnung zeigt den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter an.

Der Termin der Konfirmation war in der Altkirche zu Ostern, wo auch die Taufen stattfanden. Inzwischen sind die Termine über die Zeit von Ostern bis Pfingsten verstreut. Manche Evangelische Gemeinden feiern auch noch im Herbst eine Konfirmation.

Die Jugendweihe kann historisch gesehen als bewusste Absetzung von der Konfirmation verstanden werden. 1846 nennt eine Breslauer Tageszeitung eine von freireligiösen Gruppen entwickelte Feier gar „Confirmationsersatzfeier“. Auch heute noch engagieren sich vor allem freireligiöse Gemeinden und humanistische Organisationen für die Jugendweihen. Die Feiern sollen den Übergang von der Kindheit in die verantwortungsbewusste Welt der Erwachsenen markieren.

Die DDR setzte sich von dem Ansatz der Freidenker ab. Jugendweihen sollten ab 1955 staatssozialistische Feste werden. Unter anderem beinhaltete das Gelöbnis späterer DDR-Jugendweihen das Versprechen der Jugendlichen, sich für die „entwickelte sozialistische Gesellschaft“ einzusetzen.

Daniel Pilgrim, Projektleiter Jugendfeier beim Humanistischen Verband Deutschlands, führt die alles in allem große Beliebtheit der Jugendweihen auf Familientraditionen zurück. „Wenn Sie so wollen, ist die Jugendweihe etwas, das man eben so macht. Da gibt es also keinen Unterscheid zu religiös gebundenen Familien“, sagt Pilgrim. Die Eltern selbst berichteten dem Verband öfter, ihre eigene Jugendweihe sei ein Tag gewesen, „den sie nie vergessen haben“.

Laut einer Statistik der EKBO nahm der Anteil der Konfirmanden seit 2006 leicht ab. Nahmen im Jahr 2006 noch 13,6 Prozent der 14 Jahre alten Jugendlichen an der Konfirmation teil, waren es im Jahr 2014 nur noch knapp 11,5 Prozent. Aus märkischen Kirchenkreisen haben sich in diesem Jahr über 1250 Jugendliche zur Konfirmation angemeldet. Über 180 kommen allein aus der Landeshauptstadt Potsdam. Angesichts eines zurückgehenden Anteils der Jugendlichen in der Bevölkerung Brandenburgs „kann man von einer Erhöhung der Teilnahme sprechen“, meint EKBO-Sprecherin Heike Krohn-Bräuer.

Die rückläufigen Zahlen bei der Konfirmation spiegeln auch ein wenig die Entwicklung der evangelischen Kirche im Land überhaupt wieder. So sind im Jahr 2014 über 6300 evangelische Christen aus der Kirche ausgetreten. Dem standen nur knapp 3620 Taufen gegenüber. Insgesamt zählte die Landeskirche auf ihrem über Berlin und Brandenburg hinaus gehenden Gebiet derzeit noch gut eine Million Mitglieder.

Wie viele Jugendliche dagegen zur Jugendweihe gehen, ist schwer zu ermitteln. Die Landschaft der Anbieter ist zersplittert. Der wichtigste ist der Humanistische Verband Deutschlands, der die Jugendweihe aber „Jugendfeiern“ nennt. Daneben organisieren auch der Verein „Jugendweihe Berlin-Brandenburg e. V.“ oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO) derartige Feiern. Zählt man nur die Teilnehmer an Feiern des Humanistischen Verbandes und des Verbandes „Jugendweihe Deutschland“ zusammen, nehmen dieses Jahr schon 5150 junge Brandenburger an Jugendweihen teil. Da zum Beispiel am zweiten Maiwochenende eine von der AWO angebotene weitere Jugendweihe in Luckenwalde (Teltow-Fläming) schon 85 Teilnehmer zählte, dürfte die Gesamtzahl der Teilnehmer an Jugendweihen auch dieses Frühjahr noch viel höher liegen. Allerdings gingen auch bei den Jugendweihen die Zahlen zumindest bei den größten Anbietern gegenüber dem Vorjahr um etwa 300 Teilnehmer zurück.

Die Veranstaltungen haben überdies prominente Fürsprecher aus der Politik. Jugendminister Günter Baaske (SPD) spricht regelmäßig auf Jugendweihen, Anfang Mai war er zum Beispiel in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) mit dabei. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) war schon auf märkischen Jugendfeiern zu Gast.

 

 

Von Rüdiger Braun

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