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Brandenburg Juli Zeh als Verfassungsrichterin in Brandenburg vereidigt
Brandenburg Juli Zeh als Verfassungsrichterin in Brandenburg vereidigt
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19:07 30.01.2019
30.01.2019, Brandenburg, Potsdam: Zu Beginn der Landtagssitzung vereidigt Britta Stark (SPD, r), Landtagspräsidentin, die Schriftstellerin Juli Zeh als Verfassungsrichterin. Quelle: dpa
Potsdam

Die Schriftstellerin Juli Zeh („Unterleuten“) ist gestern als ehrenamtliche Verfassungsrichterin für Brandenburg vereidigt worden. Die 44-Jährige sprach im Brandenburger Landtag bei der Zeremonie mit Landtagspräsidentin Britta Stark den Eid.

Juli Zeh war unter ihrem bürgerlichen Namen Julia Barbara Finck im Dezember auf Vorschlag der SPD in das Ehrenamt gewählt worden. Allerdings fand die Wahl in ihrer Abwesenheit statt – Zeh saß zu dieser Zeit in der TV-Talkshow „Markus Lanz“.

Sie sagte nach ihrer Ernennung am Mittwoch: „Ich fühle mich wunderbar“, wollte sich aber nicht weiter äußern. Neben ihr wurden weitere fünf neue Verfassungsrichter ernannt. Ein weiteres prominentes Mitglied des Richterkollegiums ist seit 2012 der Filmemacher Andreas Dresen – er war von der Linkspartei aufgestellt worden.

Die 1974 in Bonn geborene Juli Zeh ist studierte Juristin mit Spezialgebiet Völkerrecht – sie hat auch einen Doktortitel. Zeh zählt derzeit zu den bekanntesten deutschen Autorinnen. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt sie seit über zwölf Jahren im brandenburgischen Dorf Barnewitz im Landkreis Havelland und hat ihre Erfahrungen mit dem Leben und den Menschen auf dem Lande in dem Erfolgsroman „Unterleuten“ (2016) über ein fiktives brandenburgisches Dorf verarbeitet.

In dem Roman geht es um die Spannung, die ein geplanter Windpark in das Dorf trägt, um die Macht der örtlichen Agrargesellschaft (der Ex-LPG) und das nicht immer harmonische Nebeneinander zwischen westlich sozialisierten Großstadtflüchtlingen und der alteingesessenen Bevölkerung.

Warum die Autorin ihre Wahlheimat so mag, erläuterte sie im MAZ-Interview im Dezember: „Beweisen muss man sich nicht, man darf es halt nicht total verbocken. Ich glaube, das Einzige, was die Leute nicht mögen, sind Nörgeltanten und Spielverderber.“ Ansonsten erfahre sie in Barnewitz „so viel Hilfsbereitschaft, dass mir manchmal ganz schwindelig wird“.

Im Folgeroman „Leere Herzen“ setzt sich die Autorin mit einer isolationistischen, der AfD in vielen Belangen ähnlichen Bewegung auseinander. Im vergangenen Herbst erschien Zehs neuer Roman „Neujahr“. Er handelt von den alltäglichen Überforderungen eines Familienvaters.

SPD-Mitglied ist die Schriftstellerin seit dem Jahr 2017. Im Bundestagswahlkampf 2005 unterzeichnete Zeh einen Aufruf des Schriftstellers Günter Grass zur Unterstützung der damaligen rot-grünen Koalition.

Im MAZ-Interview hatte Juli Zeh nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur erklärt, dass sie sich auf die neue Aufgabe freue. „Ich scharre gewissermaßen mit den Füßen“, hatte sie gesagt und auf ihre juristische Ausbildung verwiesen.

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