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Brandenburg Junge Landwirte auf Ackersuche
Brandenburg Junge Landwirte auf Ackersuche
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00:30 05.08.2015
Vivian Böllersen hat sich im Studium auf den Anbau von Walnüssen spezialisiert. Quelle: Fotos: Luise Fröhlich
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Velten

Energisch stapft Vivian Böllersen durch das dichte Gras. Sie will sehen, wie es ihren Walnuss-Bäumchen geht, die sie Anfang April auf einem Ackerland in Velten (Oberhavel) gepflanzt hat. Etwas größer als sie selbst ist der Strauch mittlerweile und voller saftig grüner Blätter. Böllersen ist zufrieden mit der Entwicklung ihrer Bäumchen. Dank der Bürgergenossenschaft „Ökonauten eG“ ist die 27-Jährige an ihr 4,4 Hektar großes Land gekommen, das sie nun bewirtschaftet. Die Initiative um Gründungsvater Willi Lehnert unterstützt ambitionierte Jung-Landwirte bei der Beschaffung und Finanzierung von Ackerland und will damit ein Zeichen gegen die ansteigenden Preise für landwirtschaftliche Flächen setzen.

Mais-Monokulturen sind auf dem Vormarsch

Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen, dass im vergangen Jahr deutlich weniger Ackerland verkauft wurde als im Vorjahr. Dafür seien die Flächen größer und teurer gewesen. Mit 3300 Verkäufen sank die Zahl um 17 Prozent. Die insgesamt veräußerte Fläche stieg um knapp 5000 Hektar auf rund 25 700 Hektar. Für einen Hektar müssen Landwirte rund 10 000 Euro hinblättern. „Es ist besser, die Grundstücke an heimische Kollegen zu verpachten, die die Flächen ordentlich bearbeiten“, sagt der Geschäftsführer des Landesbauernverbandes Reinhard Jung. Beim Verkauf an Investoren bestehe die Gefahr, dass der Boden durch große Mais-Monokulturen ausgelaugt werde.

Ihren Traum zu finanzieren, stellte auch Vivian Böllersen vor eine große Hürde. Bei Versteigerungen von Land der BVVG (Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH) bot die studierte Öko-Agrarmanagerin zwar mit, hatte aber keine Chance. Die Junglandwirtin kam zum ersten Mal in Kontakt mit den stark steigenden Preisen für Ackerland. Auf eine Zeitungsannonce meldete sich Volker Gnadt vom Gärtnerhof in Velten. Doch auch diese Pacht überstieg Böllersens Budget. Ein Kredit kam nicht infrage. „Ich wollte mich nicht schon mein halbes Leben lang verschulden, ohne überhaupt Saatgut gekauft zu haben“, sagt sie. An diesem Punkt kamen die Ökonauten ins Spiel. Vivian Böllersen kannte Mitbegründer Willi Lehnert bereits aus der gemeinsamen Studienzeit an der Fachhochschule in Eberswalde (Barnim). Beide waren mit anderen Kommilitonen ständig in Kontakt über Projekte und Probleme bei der Existenzgründung.

Die Genossenschaft zählt inzwischen 35 Mitglieder

Ins Leben gerufen wurde die Genossenschaft Ende Januar diesen Jahres. Mittlerweile zählt sie 35 Mitglieder. Das Konzept der Ökonauten rankt sich um drei Aspekte: die Mitglieder erwerben Land für ökologischen Anbau, den sie an angehende Landwirte verpachten, womit letztlich Lebensmittel regional angebaut, verarbeitet und vermarktet werden sollen. Das erste Projekt waren Böllersens Walnüsse. Der endgültige Kauf des Ackerlands steht dieser Tage kurz vor dem Abschluss. Böllersen will zeigen, dass Walnüsse nicht aus Kalifornien kommen müssen. Ganz im Gegenteil, sagt sie: „So wie Walnüsse auf jeden Weihnachtsteller gehören, sollten sie auch wieder das regionale Landschaftsbild prägen.“

Für das nächste Vorhaben im Bereich des Gemüsebaus sei man bereits im Gespräch mit Existenzgründern, die gefördert werden sollen. „Bodenpolitik ist eine Möglichkeit, die Leute zurück aufs Land zu bringen“, sagt Willi Leh­nert. Der 32-jährige Berliner hat sich bereits während seines Studiums auf die Bodenpolitik in Brandenburg spezialisiert und sieht in bewusster Verpachtung von Land großes Potenzial. „Es gibt Leute, die Lust haben in die Dörfer zu ziehen und mit ökologischer Landwirtschaft ihr täglich Brot zu verdienen.“

In Brandenburg gibt es seit langer Zeit mehr große Betriebe als kleinstrukturierte. 6,4 Prozent der Betriebe bewirtschaften 43,4 Prozent der Fläche (Stand 2013). Diese Unternehmen haben meist Flächen über 1000 Hektar gepachtet. Mehr Arbeitsplätze verspricht das nicht. Das ergab ein Gutachten des Instituts für Geographie und Geologie der Universität Greifswald, das die Arbeitsleistung auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in Norddeutschland untersucht hat.

„Brandenburg hat das Land und Berlin bietet den Markt“, erklärt Lehnert. Viele Städter würden sich kaum noch mit echter Landwirtschaft identifizieren, dennoch setzt sich der Trend durch, dass auch globaldenkende Berliner wissen wollen, wo die Salatgurke herkommt. Das bestätigt auch Vivian Böllersen, die in einem Bioladen in Berlin arbeitet. Die Ökonauten sollen künftig zu einer Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft wachsen. „Wir wollen Dörfer aus der Lethargie wecken und die Stadt mit dem Land verbinden“, sagt Lehnert. Um dieses Ziel irgendwann zu erreichen, ist die Genossenschaft immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern, die auf der Suche nach Neuland sind oder innovative Ideen fördern wollen.

Von Luise Fröhlich

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