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Junge Leute können ihre Lehrstelle frei wählen

Ausbildung in Brandenburg Junge Leute können ihre Lehrstelle frei wählen

Laut Arbeitsagentur herrschen derzeit paradiesische Zustände auf dem Ausbildungsmarkt in der Region um Potsdam. Doch obwohl viele Lehrstellen unbesetzt sind, gibt es noch viele Jugendliche ohne Vertrag. Das könnte unter anderem am Image der Ausbildungsberufe liegen.

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Quelle: dpa

Potsdam. Ausbildungswillige Jugendliche finden im Westen Brandenburgs laut Arbeitsagentur Potsdam derzeit paradiesische Zustände vor. „In unserer Region herrscht die Qual der Wahl“, kommentiert Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam, den Ausbildungsmarkt im Zeitraum 2015 und 2016 für die Kreise Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming sowie die kreisfreien Städten Brandenburg/Havel und Potsdam.

Obwohl die Zahl der Bewerber mit 3131 Ausbildung suchenden Mädchen und Jungen in der Region gegenüber dem Vorjahr um 69 Bewerber und damit um 2,3 Prozent gestiegen sei, blieben 698 Ausbildungsstellen unbesetzt. Der Grund: Das betriebliche Ausbildungs- und Studienangebot stieg zur gleichen Zeit um 19,2 Prozent. Es lag zuletzt bei 3738 Stellen. Zählt man geförderte Ausbildungsplätze hinzu, lag das Angebot sogar bei 4067 Stellen. Gesucht wurden vor allem Bürokaufleute, Kaufleute im Einzelhandel, Fachkräfte in der Lagerlogistik, Industriemechaniker und Köche. In der Stadt Potsdam könne jeder Bewerber derzeit im Durchschnitt zwischen 1,8 Stellen wählen, sagt Schröder. Trotz der guten Perspektiven bleibe das Interesse der Jugendlichen an einer betrieblichen Ausbildung gering.

Geringes Interesse an Berufsinformation

Als Beispiel für dieses geringe Interesse nennt Schröder die Nachvermittlungsaktion am 10. Oktober für noch 335 frei gebliebene Stellen. „Nur 70 Interessenten sind zu dieser Aktion erschienen“, so Schröder. Im Bereich Handwerk zum Beispiel gingen aus dieser Aktion nur drei Verträge hervor. Trotz dieser guten Ausbildungssituation waren Ende September dieses Jahres immerhin 335 Jugendliche noch ohne Ausbildungsvertrag.

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In Brandenburg sei der Anteil der Abiturienten geradezu „explodiert“, sagt Schröder. Er liege derzeit bei 60 Prozent und werde vermutlich in dieser Höhe bleiben. „Für die betriebliche Ausbildung ist das sehr kritisch“, erläutert Schröder. Die Arbeitsagentur will daher in ihren Beratungsgesprächen stärker auf die Möglichkeiten der dualen Studiengänge und den gestiegenen theoretischen Anteil in der betrieblichen Ausbildung hinweisen. Nicht zuletzt müssten den Jugendlichen auch die relativ guten Verdienstmöglichkeiten verdeutlicht werden.

Der Fachkräftemangel der Zukunft

400 freie Lehrstellen vermeldet auch die Abteilungsleiterin der Berufsbildung von der Handwerkskammer Potsdam, Eva-Maria Gatzky. Sie spricht von einer angespannten Situation in den Ausbildungsbetrieben. Mit den freien Lehrstellen kündige sich der „absolute Fachkräftemangel von morgen“ an. Immerhin gäbe es mehr Verträge im Baugewerbe oder bei Gesundheitsberufen. Gerade im Baugewerbe seien die Auftragsbücher voll. Unter anderem schlage hier die andauernde Niedrigzinspolitik durch.

Wolfgang Spieß, Geschäftsführer des Bereiches Bildung der Industrie und Handelskammer Potsdam, sagt, dass die IHK deswegen nicht nur die Kampagne „Mach es in Brandenburg“ gestartet habe, sondern sich verstärkt auch an die Eltern wende. 76 Prozent der Jugendlichen hörten laut einer aktuellen Studie auf am Rat der Eltern. Diese aber drängten die Kinder immer mehr zum Abitur. Man müsse diesen Eltern klar machen, dass es zum Beispiel nicht verkehrt sei, vor einem Architekturstudium im Baugewerbe gelernt zu haben.

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Die vielen freien Lehrstellen führten dazu, dass die IHK zum Beispiel schon 31 spanische Jugendliche in Brandenburg in Ausbildung gebracht habe. Außerdem habe die IHK Potsdam 144 Jugendliche aus Berlin in brandenburgische Betriebe vermittelt. Für ihre Zukunft nach der Ausbildung müssten sich die Jugendliche auch nicht sorgen. In Brandenburg gebe es weiter starkes Wachstum. Mit einer Arbeitslosenquote von derzeit 5,3 im Landkreis Potsdam-Mittelmark herrschten in der Region praktisch inzwischen „bayerische Verhältnisse“.

Von Rüdiger Braun

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