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Brandenburg Mehr Geld für Volkshochschullehrer
Brandenburg Mehr Geld für Volkshochschullehrer
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16:24 02.08.2018
Volkshochschulkurse sind oft kreativ – und schlecht bezahlt. Quelle: foto: tjm
Potsdam

Honorardozentinnen und Honorardozenten an Volkshochschulen und anderen brandenburgischen Einrichtungen der Erwachsenenbildung sollen künftig besser bezahlt werden. Das sieht ein aktueller Kabinettsbeschluss zum Haushaltsentwurf für 2019/20 vor. Förderte das Land bisher eine Unterrichtsstunde in der Weiterbildung mit rund 22 Euro sollen es künftig 32 Euro sein.

Angemessene Bezahlung für Freiberufler

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) weist in der Begründung auf die gesellschaftliche Bedeutung der Erwachsenenbildung hin. „Voraussetzung für attraktive und qualitativ hochwertige Weiterbildungskurse sind gut qualifizierte und motivierte Honorarkräfte“, sagt sie. Die höhere Förderung des Landes ermögliche eine „angemessene Bezahlung“ der freiberuflichen Lehrer.

Die schlechte Vergütung gerade von VHS-Dozenten ist schon seit Jahren ein Gegenstand harter Auseinandersetzungen der Betroffenen mit ihren Arbeitgebern. Zum Teil arbeiten die Dozenten monatlich genauso viel wie festangestellte Lehrer, erhalten aber nur einen Bruchteil von deren Gehalt. So bekommen manche Sprachdozenten an der Volkshochschule Spree-Neiße durchschnittlich nur 15 Euro pro Unterrichtsstunde. Da sie freiberuflich tätig sind, bekommen sie weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld und müssen die Sozialversicherungsbeiträge komplett selbst finanzieren.

Potsdam will Honorar sowieso erhöhen

In der Stadt Potsdam, die Träger der dortigen VHS ist, freut sich Rathaussprecher Stefan Schulz über das Engagement der Landesregierung, bremst aber schon jetzt Erwartungen, die Landesförderung müsse unverzüglich den 198 Dozentinnen und Dozenten vor Ort zugute kommen. „Die Volkshochschulen sind nur ein Teil der Weiterbildung“, sagt er. Schulz verweist auf die derzeit laufenden Verhandlungen der Stadtverordnetenversammlung über eine neue Honorarverordnung, die ein Stundenhonorar von 35 Euro für die VHS vorsieht. Derzeit bekommen die freiberuflichen Dozenten in Potsdam nur 30 Euro. Ob und wann es zur Umsetzung der neuen Honorarverordnung kommt, ist noch nicht klar.

Auch Gudrun Spaan, Diplom-Übersetzerin für Englisch und Spanisch und seit Jahren freiberufliche Dozentin an der VHS Potsdam, lobt den Kabinettsbeschluss. „Wir sehen das auch als Ergebnis unserer Gespräche mit dem Landtag und hoffen, dass das Geld auch bei den Lehrkräften ankommt“, sagt sie. Mit Abgeordneten haben sie auch über die Notwendigkeit eines Mindesthonorars gesprochen. Allerdings reiche ein höheres Honorar alleine nicht aus.

VHS-Dozenten wollen fest angestellt sein

„Wir brauchen Dauerstellen für Daueraufgaben“, sagt Spaan. Dazu gehörten VHS-Fächer wie Deutsch als Fremdsprache, Englisch, Buchhaltung, Computerschulung oder politische Bildung. „Wird ein Fach mit dauerhaft hohem Stundenvolumen angeboten, kann man daraus Teilzeit oder Vollzeitstellen schaffen“, so Spaan. Das gebe auch dem Bildungsträger Planungssicherheit.

„Wir sind gut ausgebildete Spitzenkräfte und haben den Status von Tagelöhnern“, kritisiert Spaan. Weiterbildung sei die vierte Säule der Bildung. An der VHS Potsdam hätten die Dozenten jetzt einen Kursleiterrat gebildet, um für ihre Forderungen zu kämpfen. Obwohl die VHS Potsdam sollte die neue Honorarverordnung kommen mit dann 35 Euro bundesweit mit am besten bezahle, reiche dieses Geld für die Lebenshaltung nicht aus. „Wir wollen Gehalt nach Tarif und Honroare gemäß unserer Qualifikation“, betont Spaan. Hier müsse ein Paradigmenwechsel stattfinden. Potsdam sei da auf einem guten Weg.

Kaum Landesausgaben für Weiterbildung

Unterstützung bekommt Spaan von Monika Oels von der Fachgruppe Erwachsenenbildung des GEW-Landesverbands Berlin. Sie sieht das Angebot der brandenburgischen Bildungsministerin an die Honorarkräfte eher als Augenwischerei und Ausdruck eines „steinzeitlichen Bildungsverständnisses“. Auch die GEW trete für feste Lehrerstellen in der Erwachsenenbildung ein. Ein Honorar von 38 Euro für einen freiberuflichen VHS-Dozenten sei gerade mal die Hälfte eines üblichen Lehrergehaltes.

Die 20 Volkshochschulen des Landes decken den überwiegenden Anteil ihres Unterrichts mit Honorarlehrkräften ab. Meist sind es Frauen. Mit 255 Honorardozenten beschäftigt die die VHS Frankfurt (Oder) meisten Honrorarkräfte. Vom Umfang des Kursangebots her ist die VHS Teltow-Fläming mit Sitz in Luckenwalde die größte Volkshochschule. 2017 gab es dort 730 Kurse. Dort sind auch fünf Lehrkräfte fest angestellt, was aber eine Ausnahme ist. Eine Kleine Anfrage von CDU-Bildungspolitikern zum Thema brachte jetzt zutage, dass die Ausgaben des Landes für Weiterbildung an Volkshochschulen und anderen Einrichtungen mit rund 3,5 Millionen Euro im Jahr nur 0,2 Prozent der gesamten Bildungsausgaben ausmachen. Die Landesregierung musste außerdem einräumen, dass die gesamten Volkshochschulen in den vergangenen Jahren lediglich zwei neue feste Stellen geschaffen haben und die Mehrzahl der Einrichtungen überhaupt keine fest angestellten Lehrkräfte beschäftigen.

Von Rüdiger Braun

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