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Brandenburg Kämpfe unter Flüchtlingen in Cottbus
Brandenburg Kämpfe unter Flüchtlingen in Cottbus
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18:45 13.06.2018
Polizisten vor dem Flüchtlingsheim in der Cottbuser Hegelstraße. Nach mehreren Angriffen unter Asylbewerbern werden betroffene Unterkünfte durchsucht. Quelle: Foto: dpa
Cottbus/Potsdam

Erneut Randale in der Lausitzstadt: Nach massiven Ausschreitungen unter Flüchtlingen wurde eine Unterkunft in der Cottbuser Hegelstraße am Mittwochnachmittag mit großem Polizeiaufgebot durchsucht. In den zwei Häusern wohnen unter anderem 18 Syrer, 58 Afghanen und 86 Menschen aus der Russischen Föderation, die meisten von ihnen Tschetschenen. Seit dem Wochenende war es in um die beiden Plattenbauten immer wieder zu Gewalttaten zwischen diesen Gruppen gekommen. Bei einer Massenschlägerei auf einem Sportgelände am Dienstagabend erlitt unter anderem ein 28-Jähriger Tschetschene eine Stichverletzung im Oberkörper. Die örtliche Justiz geht von Landfriedensbruch aus. Die Polizei suchte in den Gebäuden gestern Nachmittag mit großem Aufgebot nach Waffen. „Wir geben dadurch ein deutliches Zeichen“, so ein Sprecher der Polizeidirektion Süd.

Massenschlägerei mit einer Stichverletzung

Begonnen hatten die Unruhen bereits am Sonntag. Laut Polizei soll ein 28-jähriger Mann aus Afghanistan nach dem Sport mit nacktem Oberkörper in die Unterkunft zurückgekehrt sein. Daraufhin sollen ihn mehrere Tschetschenen beschimpft haben. Schließlich griffen sie ihn mit Fäusten an. Der Afghane erlitt dabei Kopf- und Rippenverletzungen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Drei Männer tschetschenischer Herkunft wurden von der Polizei gestellt, andere Verdächtige entkamen. Am Dienstagabend spielten sich rund um den Block chaotische Szenen ab. Als die alarmierte Polizei kurz nach 19 Uhr mit einem Großaufgebot eintraf, fand sie sich inmitten in einer Massenschlägerei. Wieder gingen eine Gruppe Tschetschenen und etwa 15 Afghanen zwischen zwölf und 28 Jahren aufeinander los. Über dem Gebiet kreiste ein Polizeihubschrauber. Bei der Randale wurde der 28-jährige Tschetschene in der Brust verletzt. Zwei seiner Landsleute erlitten Prellungen und Kopfverletzungen, drei Afghanen mussten wegen ebenfalls im Carl-Thiem-Klinikum behandelt werden. 26 Tschetschenen wurden festgenommen.

Damit fanden die Auseinandersetzungen aber immer noch kein Ende. Um 21.45 Uhr meldete ein Mitarbeiter des Klinikums, dass es in der Notaufnahme wieder zu einer Prügelei unter den eingelieferten Flüchtlingen gekommen sei. Ein Tschetschene habe einem Afghanen einen Feuerlöscher an den Kopf geschlagen. Nach 22 Uhr gingen die Gewalttätigkeiten in der Stadt weiter. Die Polizei war zum Brandenburger Platz im Zentrum gerufen worden. Dort war ein Mann von einer größeren Gruppe verfolgt worden, die mit Latten bewaffnet waren. Die Personengruppe soll als syrisch aussehend beschrieben worden sein. Wenige Minuten später wurde ein Syrer von mehreren Afghanen mit Faustschlägen und Pfefferspray angegriffen. Dem Mann wurde ein Rucksack gestohlen. Danach ebbten die Auseinandersetzungen ab, während die Untersuchungen der Polizei am Mittwochmorgen mit einem Großaufgebot von Beamten verstärkt wurden.

Durchsuchung von 50 Wohneinheiten

Ein Polizeisprecher sagte, dass rund 50 Wohnungen in dem Plattenbau in der Hegelstraße durchsucht würden. In den Gebäuden seien Menschen verschiedener Nationen untergebracht, darunter viele Tschetschenen. Immer wieder sei es dort zu Zwischenfällen gekommen. Dort lebten Menschen, „die nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen“, so der Sprecher.

Am gestrigen Mittwoch fand in Potsdam eine Konferenz über Gefahren des Islamismus in Brandenburg statt. Silke Wolf vom Verfassungsschutz Brandenburg sprach dabei auch das Thema Tschetschenen an. Ohne direkt auf die aktuellen Vorgänge in Cottbus einzugehen, forderte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) zu Beginn der Tagung zu einer härteren Gangart auf. Um aktuellen Problemen zu begegnen, seien auch Abschiebungen nötig, sagte Schröter. Dieser Forderung schloss sich der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) an. Es gehe nicht an, „dass die Cottbuserinnen und Cottbuser ständig ausbaden müssen, was in der großen Politik nicht geregelt worden ist“, so Kelch. Schröter wiederum betonte, die Zuwanderung aus muslimisch geprägten Ländern habe auch zu einem spürbaren Anstieg der Probleme mit islamischem Extremismus geführt.

Ausreisepflichtige anfällig für Islamismus

Besonders anfällig für islamistische Einstellungen seien ausreisepflichtige Flüchtlinge, deren Lebensträume durch die Ablehnung ihres Asylantrags geplatzt seien. Schröter sagte, als Ultima Ratio seien auch Abschiebungen in die Heimatländer nötig. Wenn niemandem die Abschiebung drohe, müsse auch niemand damit rechnen, das Land verlassen zu müssen.

In Brandenburg leben 37 000 Muslime. Darunter sind laut Schröter rund 130 Islamisten. Trotz der geringen Zahl dürfe man diese „Szene keineswegs unterschätzen“. Auch unter den geschätzt insgesamt 7000 Tschetschenen gebe es gewaltbereite Islamisten. Zu den in den vergangenen vier Jahren Brandenburg zugewiesenen 5000 Flüchtlingen aus dem Nordkaukasus zählten auch Anhänger des „Kaukasischen Emirats“. Sie wollten eine Gottesstaat errichten, hätten der Terrororganisation IS die Treue geschworen und in Syrien und im Nordirak Kampferfahrung gesammelt, so der Minister. Zudem versuchten Angehörige der Muslimbruderschaft im Berliner Umland Anhänger zu rekrutieren, auch unter enttäuschten Flüchtlingen.

Das Innenministerium wollte gestern keine Verbindung zwischen dem Islamismusproblem und den Cottbuser Vorgängen herstellen. Es gebe aber Überlappungen zwischen Islamismus und gewöhnlicher Kriminalität, so ein Sprecher.

Von Rüdiger Braun

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