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Käufer für Lausitzer Braunkohle gefunden

Tschechisches Unternehmen EPH kauft Kohlesparte Käufer für Lausitzer Braunkohle gefunden

Dass Vattenfall seine Braunkohle-Sparte in der Lausitz verkaufen will, steht schon lange fest. Jetzt scheint es einen Käufer zu geben, das tschechische Unternehmen EPH. Insider gehen von einer Einigung mit dem schwedischen Energieriesen Vattenfall aus. Unter Experten herrscht Skepsis, ob der Verkauf auch gut für die Lausitz ist.

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Im Tagebau Jänschwalde (Spree-Neiße).

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Das ostdeutsche Braunkohle-Geschäft von Vattenfall geht aller Voraussicht nach an den tschechischen Energieversorger EPH. Die Tschechen hätten sich gegen das deutsch-australische Konsortium von Steag und Macquarie durchgesetzt, sagten drei mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Der zweite tschechische Bieter, Czech Coal, sei bereits vorher aus dem Rennen gewesen. Weder Vattenfall noch der Energieversorger EPH wollten sich dazu äußern. Auch das Potsdamer Wirtschaftsministerin hielt sich bedeckt. Aus der Bergbaugewerkschaft IG BCE hieß es am Freitag, dass EPH nicht die schlechteste Option wäre.

Wer ist der Energiekonzern EPH?

Der Energiekonzern EPH mit Sitz in der tschechischen Hauptstadt Prag hatte im März ein verbindliches Kaufangebot für die Braunkohlentagebaue und -kraftwerke des schwedischen Konzerns Vattenfall abgegeben. Der Konzern besitzt bereits das mitteldeutsche Braunkohleunternehmen Mibrag in Sachsen-Anhalt. Die Eigenständigkeit des Lausitzer Reviers soll jedoch im Falle einer Übernahme erhalten bleiben, hieß es. Der Energiekonzern war vor sechs Jahren gegründet worden und agiert europaweit.

Der Wert der Kohle-Sparte wird auf zwei bis vier Milliarden Euro geschätzt. Als Risiken gelten niedrige Strompreise und die Klimaschutz-Vorgaben der Politik. In der Kohle-Sparte in der Lausutz sind 8000 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Energiebereich in der Lausitz arbeiten 8000 Menschen. Das Geschäft ist defizitär. Die Verträge über den Verkauf der drei Braunkohle-Kraftwerke und vier Tagebaue sollen in der kommenden Woche unterzeichnet werden, so die Insider. Der Aufsichtsrat von Vattenfall soll den Verkauf in etwa zehn Tagen genehmigen.

CDU begrüßt Ende einer Hängepartie

Das Unternehmen EPH ist in der Region bereits präsent. 2012 übernahmen die Tschechen den anderen ostdeutschen Braunkohleförderer Mibrag, der auch Braunkohle an Vattenfall verkauft. Vor einigen Wochen hatte EPH mitgeteilt, dass es für die zum Verkauf stehenden Tagebaue und Kraftwerke einen „positiven Preis“ geboten habe, nicht aber für die Wasserkraftwerke, die Vattenfall ebenfalls angeboten hatte. Konzernchef Daniel Kretinsky sicherte zu, EPH würde die Aktivitäten von Vattenfall in der Lausitz nachhaltig und im Interesse der Mitarbeiter betreiben. Brandenburgs CDU würde ein „Ende der Hängepartie“ um die Zukunft der Lausitzer Braunkohle begrüßen, wie der wirtschaftspolitische Sprecher Dierk Homeyer der MAZ sagte. Wichtig sei, dass ein neuer Eigentümer umfassend seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und der Zukunft der Region gerecht werde.

Grüne mahnen Verantwortung des Käufers an

Die Grünen warnten davor, dass die Lausitz zum Spielball undurchsichtig agierender Finanz- und Energiekonzerne werden könnte. Die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock sagte, allen Beteiligten müsse klar sein, dass es hier nicht um schnelles Geld, sondern die Übernahme von Verantwortung für die Beschäftigten, das Klima und die Tagebausanierung gehen müsse. Sie forderte die Landesregierung auf, EPH klar zu machen, „dass es keine neuen Tagebaue geben darf“.

Skeptisch, ob der Verkauf an EPH auch gut für die Beschäftigten in der Lausitz ist, äußerte die Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert. Der EPH Holding sei klar, dass die Kohle keine Zukunft in Deutschland habe. Deshalb sei der Kauf in erster Linie eine kurzfristige Entscheidung, die auf einen kurzfristigen Profit hinauslaufe. „Es ist auf jeden Fall kein gutes Zeichen für die bei Vattenfall Beschäftigten“, sagte Kemfert der MAZ. Diese hofften auf eine längerfristige Perspektive.

Von Igor Göldner

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