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Kaiser’s-Fleischer hoffen im Kampf um den Job

Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser’s-Fleischer hoffen im Kampf um den Job

Im havelländischen Perwenitz liegt eine von drei deutschen Fleischereien, die exklusiv für Kaiser’s Tengelmann arbeiten. Mit der Aufspaltung des Supermarkt-Imperiums bangen die Beschäftigten um ihren Job.

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In Viersen liegt der Hauptsitz der Birkenhof-Fleischerei.

Quelle: dpa

Perwenitz. Glücklich ist René Scholz, Betriebsratsvorsitzender der Fleischfabrik Perwenitz, dieser Tage wirklich nicht. Am Montagnachmittag war Scholz mit dem Auto unterwegs zur Gesamtbetriebsratssitzung der drei Fleischzulieferer für Kaiser’s-Tengelmann nach Donauwörth. Es geht um die Zukunft von Fleischfabriken in Viersen in Nordrhein-Westfallen, in Donauwörth in Bayern und eben in Perwenitz im Havelland. Nach dem erneuten Scheitern der Verhandlungen zwischen den Supermarktriesen Tengelmann, Edeka, Rewe und Co. scheint auch das Schicksal der noch 150 verbliebenen festen Mitarbeiter in Perwenitz besiegelt.

In NRW werden die ersten Filialen verkauft

Perwenitz und die anderen beiden Standorte gehören zur Firma Birkenhof. Die Fabriken sind exklusive Zulieferer für das Fleisch- und Wurstsortiment der Kaiser’s-Märkte. Die Zerschlagung dieses seit Jahren defizitär arbeitenden Einzelhandelsunternehmens hat in Nordrhein-Westfalen schon begonnen. Die ersten Listen mit zum Verkauf stehenden Filialen dort bereits verschickt.

René Koch

René Koch.

Quelle: Privat

Viele der Metzger in Perwenitz sind schon seit Gründung des Betriebes vor 21 Jahren mit dabei, Scholz selbst gehört auch zur Gründungsbelegschaft. Sollte der Betrieb geschlossen werden, wäre Scholz erst einmal arbeitslos – und mit ihm wohl viele seiner Kollegen. „Die Leute haben nicht Zeit und Energie in ihre Arbeit gesteckt, um jetzt so verschaukelt zu werden“, sagt Scholz bitter.

Die Krise dauert in Perwenitz schon zwei Jahre an. Schon damals hatte Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub angedeutet, der Standort sei überflüssig und nicht rentabel. Besonders junge Leute haben die Fabrik deshalb in den vergangenen Jahren verlassen. Allein zwischen 2014 und 2016 sind laut Scholz 23 Mitarbeiter gegangen.

Hoffnung auf Rewe

Für den älteren Teil der Belegschaft galt bisher das Prinzip Hoffnung. Nach der Ministererlaubnis durch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für eine Übernahme des Tengelmann-Reichs durch Edeka sah es eine Zeit lang rosiger aus.Übernimmt uns Edeka? Daneben ruhten die Hoffnungen auf einer Übernahme durch Rewe, da das Unternehmen selbst noch keinen Fleischereistandort im Osten hat.

Potsdam: Keine Spur von Kaiser’s-Ausverkauf>>

Jetzt, nachdem sich die Chefs von Tengelmann und Rewe persönlich überworfen haben, sieht es wieder düsterer für die verbliebenen Angestellten aus, zu denen in Perwenitz noch rund 100 Leiharbeiter hinzukommen. Die Hoffnung habe man trotzdem nicht aufgegeben. In Donauwörth wollen die Betriebsräte jetzt Möglichkeiten ausloten. Das Wichtigste sei die Erhaltung der Fleischfabriken, sagt Scholz. Er setzt trotz negativer Vorzeichen darauf, dass es doch noch zu einer Übernahme durch Rewe kommt.

Merkel schaltet sich ein

„Wir haben nicht so lange gekämpft, um uns jetzt zurückzunehmen“, so Scholz. In dieser Haltung werden sie auch von Uwe Ledwig, dem Geschäftsführer für den Bereich Fleisch- und Wurstwarenindustrie bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Berlin-Brandenburg, unterstützt. „Ich habe den Mitarbeitern den Rat gegeben, den Standort nicht noch weiter nach unten zu fahren“, sagt er. Durch ihr Engagement müssten sie ein Signal für ihre Unentbehrlichkeit geben. Allerdings zehre die ständige Frage des Überlebens an den Nerven der Fleischer. Derzeit liege der Krankenstand bei zehn Prozent, meist sei er höher.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) pocht nach den vorerst gescheiterten Verhandlungen über die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann auf einen Kompromiss. Die beteiligten Unternehmen sollten nichts unversucht lassen, doch noch eine einvernehmliche Einigung herbeizuführen im Interesse der betroffenen Menschen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Von Rüdiger Braun

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