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Kakaofabrik: Enormer Schuldenberg, riesige Umsätze

Insolvenz überstanden Kakaofabrik: Enormer Schuldenberg, riesige Umsätze

Das Ringen des Insolvenzverwalters war erfolgreich: Die Kakaofabrik von Fehrbellin ist gerettet. Es war schon das zweite Mal, dass die Firma pleite ging. Dabei macht die vielleicht ungewöhnlichste Firma Brandenburgs beeindruckende Umsätze. Doch es gibt auch einen riesigen Schuldenberg.

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In Fehrbellin wird Kakaopulver produziert.

Quelle: Peter Geisler

Fehrbellin. Jetzt, da das Kapitel vorerst abgeschlossen ist, ist Rolf Rattunde wieder zu Scherzen aufgelegt. „So viele internationale Besucher wie in den vergangenen Wochen hatte Fehrbellin wohl seit dem 30jährigen Krieg nicht mehr“, sagt er und lacht. Mehrere internationale Investoren einer lukrativen wie schwierigen Branche steuerten die 9000-Einwohner-Stadt in Ostprignitz-Ruppin an, weil dort eines der ungewöhnlichsten Unternehmen Brandenburgs zum Verkauf stand: die Euromar Kakaofabrik. Das Ringen des Insolvenzverwalters Rattunde war erfolgreich.

Die Firma mit ihren 121 Mitarbeitern geht an die internationale Ecom-Gruppe, die ihren Hauptsitz in der Schweiz hat. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. „Der Höchstbietende Investor hat den Zuschlag bekommen“, erklärt Rattunde, der keinen Zweifel daran lässt, dass hier sehr viel Geld geflossen ist. Schließlich gehört die Fehrbelliner Fabrik zu den zehn größten Kakaoherstellern der Welt.

Branche ist schwer berechenbar

Damit wird Brandenburg, obschon weit entfernt vom Äquator, wo die Kakaobohnen gedeihen, zu einer Hochburg. Denn vor zwei Jahren bereits kaufte eine Ecom-Tochter die stillgelegte Margarinenfabrik in Velten (Oberhavel), um dort Kakaobutter zu verarbeiten. Die Butter, die vorher eingekauft werden musste, könnte nun im Fehrbelliner Schwesterwerk gewonnen werden. Denn dort die tropischen Kakaobohnen geröstet und gemahlen. Die dabei anfallende Kakaomasse geht als Grundstoff an namhafte Schokoladenhersteller wie Nestlé oder Van Houten.

Im Inneren der Kakaofabrik Euromar im Gewerbegebiet Fehrbellin, hier an der Presse für Kakaobutter

Im Inneren der Kakaofabrik Euromar im Gewerbegebiet Fehrbellin, hier an der Presse für Kakaobutter

Quelle: Peter Geisler

Vergangenen Dezember musste die Euromar Commodities GmbH Insolvenz anmelden, obwohl die Geschäfte gut liefen. Aber die Kakaobranche ist schwer berechenbar, denn die Preise für den stark nachgefragten Rohstoff fahren bisweilen Achterbahn. Dies – und die Währungswirren in Folge des Brexits – haben letztlich die Fehrbellinern in die Knie gezwungen.

Ernteausfälle treiben Preise in die Höhe

Im Frühjahr 2016 zerstörte das Wetterphänomen „El Nino“ große Teile der Kakao-Ernte, die Preise schossen in die Höhe. Euromar konnte die Einkaufspreise nicht mehr bedienen. Noch heute lagern laut Insolvenzverwalter Rattunde im Hamburger Hafen Container mit Bohnen, die nach Fehrbellin sollten. Heute ist die Ware im Wert von mehreren Millionen Euro verdorben.

Rolf Rattunde, Insolvenzverwalter und Notar

Rolf Rattunde, Insolvenzverwalter und Notar

Quelle: Gellner

Auch Rohstoffspekulationen an den Börsen haben am Auf und Ab der Preise ihren Anteil. „Es ist ein schwer kalkulierbares Geschäft“, erklärt Rattunde. „An den Börsen wird mehr Kakao gehandelt, als tatsächlich produziert wird.“ Wie unberechenbar der Rohstoffmarkt ist, zeigte sich Anfang des Jahres. Da brachen die Preise nach ihrem Rekordhoch wieder ein – um 45 Prozent. Das sei auch das Werk von Rohstoff-Spekulationen, meint Rattunde.

Schon die zweite Pleite

Es ist für ihn bereits das zweite Mal, dass er sich das ungewöhnliche Fehrbelliner Unternehmen retten musste. 1998 war die Fabrik in Betrieb genommen worden, als kleine Kakaomühle. „Es gibt ja in Fehrbellin keine Kakaoplantagen, deswegen ist eine solche Investition zunächst nicht ganz einsichtig“, sagt Rattunde. „Aber es war förderpolitisch gewollt.“ Und tatsächlich funktionierte die Idee. Die Lage des Unternehmens ist sehr gut, direkt an der Autobahn, der Hamburger Hafen, wo die Kakaobohnen aus Ecuador, Jamaika oder Zentralafrika ankommen, ist schnell erreichbar. Doch 2001 geriet die Firma erstmals in die Insolvenz, schon damals wegen Preisschwankungen.

Damals stieg mit Euromar ein US-amerikanischer Investor ein. Unter dem neuen Eigentümer entwickelte sich das Unternehmen gut, die Belegschaft wurde mehr als verdoppelt, die Umsätze schossen in die Höhe. Für Brandenburger Verhältnisse war Euromar ein absolutes Schwergewicht. 2015 setzten die Fehrbelliner 980 Millionen Euro um. Davon stammten etwa 70 Prozent aus dem Kakaohandel und 30 Prozent aus der Verarbeitung.

Gigantischer Schuldenberg

Zugleich häufte das Unternehmen jedoch einen gigantischen Schuldenberg an. Mit mehr als einer Milliarde Euro stand Euromar in der Kreide. „Eine völlig unvorstellbare Summe, das kann eigentlich gar nicht sein“, sagt der Insolvenzverwalter. Wie es dazu kommen konnte, das soll jetzt aufgearbeitet werden. Für die Gläubiger sind das schlechte Nachrichten. Viel werde bei ihnen angesichts des Schuldenbergs nicht mehr ankommen, schätzt Rattunde.

Von Torsten Gellner

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