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Brandenburg Kammerakademie Potsdam verreist im Geiste
Brandenburg Kammerakademie Potsdam verreist im Geiste
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00:18 16.02.2017
Der dänisch-schwedische Solist Andreas Brantelid (30) wagte sich im Nikolaisaal an ein schwieriges Cellokonzert von CPE Bach. Quelle: Marios Taramides
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Potsdam

Gerade waren die Musiker der Kammerakademie Potsdam (KAP) von ihrer zweiwöchigen Europatournee mit dem Soloflötisten Emmanuel Pahud und dem Dirigenten Trevor Pinnock zurückgekehrt, da packten sie im Geiste schon wieder die Koffer. Das Sinfoniekonzert am Samstagabend im Nikolaisaal stand unter dem Motto „Von London nach Potsdam und zurück“ und pendelte auch noch zwischen dem Jetset-Leben der Gegenwart und dem Postkutschenzeitalter hin und her.

Mozart war gerade einmal acht Jahre alt, als seine Sinfonie Nr.1 Es-Dur am englischen Hof aufgeführt wurde. Der kleine Amadeus hatte sie zu Papier gebracht, als sein Vater Leopold sich von einem ernsthaften Infekt erholen musste, den er sich auf den beschwerlichen Reisen eingefangen hatte. Weil er nicht Klavier spielen durfte, komponierte er – die Ausrufezeichen-Musik eines Wunderkindes. Die einfache, kurzatmige, aufrüttelnde Motivik des ersten Satzes intoniert die KAP so übermotiviert und dynamisch aufgedreht, dass die Interpretation alles andere als elegant klingt. Beim Andante des zweiten Satzes mit einem immer wiederkehrenden Fünf-Töne-Motiv entwickeln die Musiker unter der Leitung des englischen Dirigenten Douglas Boyd dann aber einen ruhigeren Puls.

Das folgende Cellokonzert A-Dur von Carl Phillipp Emanuel Bach führt zurück an den preußischen Hof, wo der Sohn von Johann Sebastian Bach die alten musikalischen Formen zusehends ignorierte, um seinem Herzen besser Luft zu machen. Tief empfundene Melodien kommen sich auch mal in die Quere. Der skandinavische Cellist Andreas Brantelid, der in diesem Jahr 30 wird, ist sichtlich aufgeregt und meistert die schweren Passagen ohne nachhaltige Wirkung. Auf lange schluchzende Stiche der Streicher im zweiten Satz folgt ein tänzerisches Finale, das an barocke Ohrwürmer von Henry Purcell erinnert.

Nach der Pausen dann ein immerhin 17-minütiger Abstecher in die Gegenwart. Der Titel „Winter Song“ (2006) ist ziemlich irreführend, denn der Klangkörper hat in dem Werk der 62-jährigen Engländerin Judith Weir viele weiche, aufwendig ziselierte, oft auch zerfaserte Klangwolken freizusetzen. Metren oder liedhafte Strukturen sind bei einem ersten Hörerlebnis kaum auszumachen. Und einem Winter auf der Atlantikinsel wohnt eben kein Schneezauber inne. Hier geht es um die ziemlich realistische Bestandsaufnahme einer Bedrückung.

Die abschließende Haydn-Sinfonie Nr. 104 vergegenwärtigt dann wieder die majestätische Glamour-Welt der Wiener Klassik, in der sich die Musiker der KAP beheimatet fühlen. Hier sitzt jeder Kontrast und jede Pointe, und sei sie noch so neckisch. Affektvoll und mitreißend, vielleicht auch schon zu routiniert, zeigen die Musiker, was sie können.

Von Karim Saab

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