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Kapitalanleger treiben Ackerpreise in die Höhe

Landwirtschaft Kapitalanleger treiben Ackerpreise in die Höhe

Die Kaufpreise für Agrarflächen gehen durch die Decke. Doch hinter der Preistreiberei steht selten ein landwirtschaftliches Interesse. Brandenburgs Bauern sind in Sorge.

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Quelle: dpa

Potsdam. Brandenburgs Boden wird immer teurer. Der durchschnittliche Pachtpreis für Agrarland lag 2016 bei 145 Euro pro Hektar. Das bedeutet eine Preissteigerung um 20 Prozent innerhalb von drei Jahren, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilte. Landwirte, die in den vergangenen zwei Jahren einen neuen Pachtvertrag abschlossen, zahlten im Schnitt schon 194 Euro pro Hektar für Ackerland und 128 Euro für Dauergrünland.

Landwirtschaftliches Interesse ist nach Einschätzung des Agrarministeriums jedoch nicht der Preistreiber. Vielmehr habe sich Acker- und Grünland zu einem interessanten Kapitalanlageobjekt entwickelt, wie Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade erklärte. „Hohe Bodenpreise ziehen die Erhöhung der Pachtpreise nach sich.“ Dadurch verschärfe sich der Wettbewerb und verschlechtere die Chancen von mittleren und kleineren Betrieben.

Hohe Pachten führen zum Auslaugen der Böden

Auch der Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, Reinhard Jung, blickt mit Sorge auf den Preisanstieg. Ein Eingreifen der Politik hält er jedoch für verfehlt. „Der Pachtmarkt funktioniert halt wie ein Markt“, sagte er. „Als Landwirte sollten wir angesichts der derzeit niedrigen Erlöse bei vielen Agrarprodukten vorsichtig sein und nicht jeden Preis zahlen, nur um Flächen zu behalten.“ Auch mancher Verpächter habe sich schon verspekuliert, weil bei hohen Pachten die Landwirte gezwungen seien, die Böden restlos auszulaugen. Landeigentümer seien gut beraten, an ortsansässige Bauern zu verpachten, die in Generationen denken und nachhaltig wirtschaften, so Jung: „Da schaut man sich in die Augen, vereinbart einen fairen Preis und beide Seiten haben etwas davon“, erklärte er.

Er kritisierte die auf Höchstgebote ausgerichtete Vergabepraxis durch die Bodenverwertungs- und verwaltungsgesellschaft (BVVG). Die BVVG bringt seit 25 Jahren die ehemals volkseigenen Agrarflächen auf den Markt. Die letzten Äcker und Weiden – rund 130 000 Hektar – werden jetzt versteigert. 851 000 Hektar hat das Bundesunternehmen schon verkauft – fast die zehnfache Fläche Berlins.

Niedrige Zinsen befeuern Preise

Laut BVVG-Chef Stefan Schulz sind die niedrigen Zinsen, langfristig positive Renditeerwartungen in der Land- und Forstwirtschaft sowie die Bioenergieerzeugung Gründe für den deutlichen Preisanstieg in Ostdeutschland. „Gleichzeitig sind Flächen ein knappes Gut, das nicht vermehrbar ist. Unter diesen Bedingungen gilt Grund und Boden als langfristig stabile Kapitalanlage“, sagte er.

Laut einer aktuellen Auswertung des Portals Kreditvergleich.net hat jedoch auch die Vergabepraxis der BVVG den ostdeutschen Boden verteuert. Denn sie verkauft im Auftrag des Bundesfinanzministeriums grundsätzlich an den Höchstbietenden. In der Folge hätten oft Großkonzerne zugeschlagen. Die Preisentwicklung in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sticht laut der Studie besonders negativ hervor. Zwischen 2007 und 2015 stieg der Kaufwert eines Hektars in Brandenburg um 312 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern um 313,6 Prozent. Zum Vergleich: Im Saarland oder in Hessen blieben die Ackerpreise dagegen fast stabil (plus 10 bis 12 Prozent).

Von Torsten Gellner

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