Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Karrieren der jungen Intensivtäter werden länger
Brandenburg Karrieren der jungen Intensivtäter werden länger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:47 08.05.2016
Im Schnitt sitzen die Täter in Wriezen Strafen von acht bis zwölf Monaten ab. Quelle: dpa
Anzeige
Wriezen

In Brandenburg werden die kriminellen Karrieren vieler Intensivtäter nach Beobachtungen eines Gefängnis-Chefs immer länger. „Die Anzahl der Täter hat zwar abgenommen, die Qualität der Straftaten im Hinblick auf die Schwere der Schuld dagegen aber nicht“, erklärte der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen, Wolf-Dietrich Voigt. Sein Gefängnis ist im Land ausschließlich für männliche Jugendliche und Heranwachsende zuständig.

Bei Gewaltstraftaten würden die Täter immer brutaler zuschlagen und immer häufiger schwerste Verletzungen ihrer Opfer in Kauf nehmen. Bei der Mehrzahl der Gefangenen sei die Liste der Straftaten schon lang, bevor sie in den Knast müssten. „Spitzenreiter war einmal ein Jugendlicher, der bereits 16-mal zu Bewährungsstrafen verurteilt wurde, bevor er zu uns in den Vollzug kam“, sagte Voigt.

„Nicht früh genug den Schuss vorm Bug bekommen“

Die Auslastung des Gefängnisses in Wriezen nehme ab. Ende April waren 115 von 198 Haftplätzen belegt. Das entspreche einer Auslastungsquote von 58 Prozent, teilte das Justizministerium mit. Vor fünf Jahren waren es noch 20 Prozent mehr, ergänzte Voigt. „So erfreulich diese Entwicklung ist, könnte man in vielen Fällen längere Haft vermeiden, wenn man frühzeitiger und besser vernetzt agieren würde“, sagte der Bernauer Amtsrichter Andreas Müller. „Ich habe immer noch Intensivtäter, die es geworden sind, weil sie nicht früh genug bei mir waren, weil sie nicht früh genug den Schuss vorm Bug bekommen haben“, ergänzte Müller, der als „Deutschlands härtester Jugendrichter“ gilt.

Außerdem sei der Typus des jugendlichen Straftäters fast immer gleich: „Die meisten haben Schule oder Ausbildung abgebrochen, sind psychisch durch Persönlichkeitsstörungen auffällig, verfügen über Drogen- oder Gewalterfahrungen“, sagte auch der JVA-Chef. Im Schnitt sitzen die Täter in Wriezen Strafen von acht bis zwölf Monaten ab. „Die Mehrzahl kommt viel zu spät zu uns, um eine nachhaltige Verhaltensänderung herbeizuführen“, meinte der JVA-Chef. Deshalb müssten bereits aus der Haft heraus passende Übergänge in die Freiheit gefunden werden, die Betreuung und Begleitung nach dem Knast mit einschließen.

Die JVA Wriezen setzt zudem auf Schule und Ausbildung. Hier können sich die Jugendlichen zum Ausbaufacharbeiter, zum Maler/Lackierer, zum Tischler oder Garten- und Landschaftsbauer ausbilden lassen.

Lektion im Knast gelernt – Ausbildung begonnen

Diesen Weg hat auch Kevin R. eingeschlagen. Er sitzt in Wriezen eine vierjährige Freiheitsstrafe unter anderem wegen Raubes ab. „Ich mache hier meinen Ausbaufacharbeiter“, sagte er. Der 25-Jährige glitt ganz klassisch ins kriminelle Umfeld ab. Er sei ohne Vater aufgewachsen, seine Mutter habe ihn und seine kleinere Schwester durchbringen müssen, berichtet er. „Da war nicht viel Zeit für uns.“ Auf der Straße habe er sich seine Anerkennung geholt, viel Zeit mit seiner Gang verbracht. „Prügeleien haben mich selbstbewusster gemacht und ich habe mich als Held gefühlt“, erinnert er sich. Haft habe ihn damals nicht abschrecken können. „Hinter Gittern habe ich jetzt meine Lektion gelernt“, sagt er. Nun hofft er, dass er die Ausbildung erfolgreich zu Ende bringt und auf Bewährung aus dem Knast kommt.

Trotz aller guten Vorsätze schafft es draußen aber nicht jeder. Jeder Dritte werde rückfällig und müsse zurück in den Knast, sagte Voigt.

Immer weniger Häftlinge in Brandenburgs Gefängnissen

In Brandenburgs Gefängnissen gibt es immer weniger Häftlinge. Die Belegung der märkischen Haftanstalten ging von durchschnittlich 1711 Insassen 2009 auf 1338 im März dieses Jahres zurück. Nur 2013 und 2014 gab es einen leichten Anstieg der Häftlingszahlen, so das Justizministerium.


Mitte April 2016 waren 78 Prozent der 1760 Haftplätze belegt. Von den 1375 Gefangenen befanden sich 1178 im geschlossenen und 197 im offenen Vollzug. Die meisten Zellen standen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen (Märkisch-Oderland) leer. Dort saßen Mitte April nur 110 Gefangene ein – 88 Plätze waren frei.


In der JVA Brandenburg/Havel waren 89 Prozent der 300 Plätze besetzt. Das war die höchste Auslastung.

Von Georg-Stefan Russew

Der Potsdamer Landtag hat am Sonntag mit einer Gedenkstunde an das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. „Unsere Geschichte ist ein Teil von uns und auch die Verantwortung, die daraus erwächst“, sagte die Präsidentin, Britta Stark. Instrumentalisieren solle man sie allerdings nicht, meint sie. Auch in Berlin kamen viele Menschen in Gedenken zusammen.

08.05.2016

Die Britin Adele wird im Moment verehrt, wie sonst wohl kleine Frau im Popgeschäft. Am Samstagabend zeigte sie bei ihrem ersten von zwei Berliner Konzerten, warum sie derzeit konkurrenzlos ist: Weil sie Königin der Nacht und trinkfeste Freundin sein kann, beide Rollen wechseln binnen Sekunden. Und immer sitzt die Stimme. Große Kunst!

08.05.2016
Brandenburg Zehn deutsche Boote im EM-Finale - Ruder-EM: Finals starten Sonntag 1 Stunde eher

Am Tag zwei der Europameisterschaft hat es für die deutschen Ruderer die ersten Rückschläge gegeben. Vier Boote verpassen den Finaleinzug. Vor allem die beiden Einer bereiten Kopfzerbrechen. Zehn weitere kämpfen jedoch noch um die Titel. Doch bei den Finals hat es aufgrund des Wetters nach MAZ-Informationen eine Änderung im Zeitplan gegeben.

07.05.2016
Anzeige