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Brandenburg Katholische Kirche in der Diaspora
Brandenburg Katholische Kirche in der Diaspora
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10:26 18.04.2017
Anselm Schadow, Pfarrer in Luckenwalde. Quelle: Julian Stähle
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Luckenwalde

Durch das dämmrige Kirchenschiff von Sankt Joseph in Luckenwalde (Teltow-Fläming) wabert weiß-grauer Qualm und ein erdig, schwerer Duft hängt in der Luft: Weihrauch. Zu hohen Festtagen kommt das orientalische Harz in der kleinen katholischen Gemeinde stets zum Einsatz – wie auch an diesem Osterwochenende. Der Rauch ist ein untrügliches Zeichen für den katholischen Glauben. In der evangelischen Kirche sucht man vergebens nach den kleinen edelsteinfarbigen Kristallen. 500 Jahre ist es her, dass der Reformator Martin Luther seine Thesen proklamierte und sich die christliche Kirche spaltete.

Heute leben rund 40.000 aktive Katholiken in Brandenburg. Ihnen gegenüber stehen laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 372.000 Protestanten. Die Katholiken leben in Brandenburg demnach in der Diaspora, der Minderheit. Eben dies ist es, was den Luckenwalder Pfarrer Anselm Schadow (61) so reizt. „Ich wollte immer in die Diaspora“, sagt er. Zur Diasporaarbeit gehört auch die Betreuung mehrerer Gemeinden. Neben der Pfarrkirche St. Joseph in Luckenwalde gehören dazu die etwa 15 Kilometer entfernte Kirche Sankt Hedwig in Jüterbog sowie die Gemeinde Trebbin, für die Pater Anselm ein Predigtauftrag erteilt wurde. Etwa 150 Gläubige kommen zu den hohen Festtagen in die Kirche. Ostern, als Fest der Auferstehung, ist das höchste der katholischen Kirche.

Katholiken in Brandenburg

Nur knapp drei Prozent aller Brandenburger sind katholisch. 17 Prozent sind evangelisch. Ende 2015 waren es etwa 409 000 registrierte Katholiken im Bistum. Davon leben in Brandenburg rund 64 700.

Die Katholiken in der Mark gehören zum Erzbistum Berlin. Das Erzbistum umfasst Berlin, weite Teile Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommern und die Stadt Havelberg in Sachsen-Anhalt. Es ist das zweitgrößte Bistum Deutschlands.

Die Landesgrenzen entsprechen nicht den Kirchengrenzen. So sind die Brandenburger Protestanten in der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vereint.

Der Zusammenhalt in der breit gefächerten Pfarrei Luckenwalde ist dennoch groß. „Wir sind eine kleine eingeschworene Gemeinde“, sagt eine Gottesdienstbesucherin am vergangenen Palmsonntag – dem letzten Sonntag vor Ostern. Man sieht sofort, was sie mit „eingeschworen“ meint. Es ist ein lebendiger Gottesdienst. Ältere Herrschaften reichen sich die Hand, am Rande unterhalten sich einige Menschen in gedämpfter Lautstärke, und ein Mann teilt seinen Palmstrauch aus Weidenkätzchen und Buchsbaum mit einer jungen Frau.

Die Sankt Hedwigskirche in Jüterbog. Quelle: Julian Stähle

Auch am heutigen Karsamstag werden sich die Luckenwalder und Jüterboger wieder im Hof der Pfarrkirche versammeln, diesmal jedoch am Osterfeuer. „Am Feuer entzünden wir die Osterkerze, die vorher im Weihwasser gesegnet wurde, tragen sie dann gemeinsam in die dunkle Kirche und verteilen das Licht unter den Menschen“, erklärt Pater Anselm. Das Feuer, die Segnung: beides Traditionen der katholischen Kirche.

Ein Messdiener ist für das Weihrauchfass eingeteilt

Flankiert wird der Geistliche bei jedem Gottesdienst im Kirchenjahr von mindestens zwei Ministranten. An Palmsonntag waren es sogar sechs, an Ostern werden vielleicht noch mehr dazukommen, mutmaßt Pater Anselm. Für das Tragen des Weihrauchfasses ist ein separater Messdiener eingeteilt. Auch das hat Seltenheitswert in der katholischen Diaspora. „Ich glaube, in Berlin-Schöneberg gibt es noch Ministranten. Sonst nicht“, überlegt Pater Anselm laut. „Während der Reformation wurden die Messdiener abgeschafft. Das war für die alles Tinnef“, sagt er und lacht.

Der evangelische Glaube sei mehr etwas für den Intellekt, meint Pfarrer Anselm. „Der katholische spricht dagegen alle Sinne an“, sagt er. „Das ist der Geruch des Weihrauchs oder das Bekreuzigen mit Weihwasser“. Er muss es wissen. Denn er hat einen äußerst seltenen Lebenswandel hinter sich. 20 Jahre lang war er evangelischer Pfarrer, bevor er 2005, vom damaligen Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, zum katholischen Priester geweiht wurde. Seit sieben Jahren ist er in Teltow-Fläming aktiv.

Ein Gottesdienst in der katholischen Kirche mag für Außenstehende manchmal unruhig wirken – ist die Gemeinde doch ziemlich viel in Bewegung. Die Gläubigen erheben sich, knien nieder, antworten dem Pater in Gebetsform. „Besonders Gründonnerstag und Karfreitag ist die Gemeinde involviert“, so der Geistliche – zur Fußwaschung oder beim Gang zum Kreuz.

Ostereier sind ein Symbol der Auferstehung

Mittlerweile wurde in der Palmsonntagsmesse die gesamte Passion Christi, die Leidensgeschichte, gelesen. Nicht so ausführlich wird die Geschichte der Kreuzigung in der Osternacht gelesen. Das sieht Pater Anselm nicht so eng: Zwar sind sieben Lesungen in der Osterliturgie vorgeschrieben, „wir lesen aber nur fünf“, gibt er offen zu und schmunzelt. „Das dauert sonst so lange.“

Dennoch ist der katholische Ostergottesdienst nicht kürzer. „Wir segnen noch das Weihwasser und einige Speisen wie Ostereier.“ Bei Ostereiern denken manche an eine heidnische Tradition, doch in der Kirche ist es ein Symbol der Auferstehung. „Früher wurde aber alles an Lebensmitteln angekarrt, was die Leute so brauchten“, erklärt Pater Anselm.

Anders als in einigen evangelischen Kirchen feiert Anselm mit seiner Gemeinde die Osternacht bereits am Samstag um 21.30 Uhr. „Nach biblischen Berichten ist Christus in der Nacht auferstanden“. Gerne würde er um Mitternacht feiern, aber das sei eine „unchristliche Zeit“. „Wichtig ist nur vor Sonnenaufgang“, betont er.

Der Palmsonntagsgottesdienst neigt sich nach knapp eineinhalb Stunden dem Ende zu. Am Ende verkündigt Anselm noch die kommenden Gottesdienste und erinnert die Gemeinde, dass die Messe heute Abend im Hof beginnt, am Osterfeuer. Mit den darin entzündeten Kerzen wollen die Christen symbolisch die Dunkelheit verscheuchen und die Auferstehung Jesu Christi feiern.

Von Lisa Neumann

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