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Kaum jemand nutzt Hotline für schnellen Termin beim Facharzt

Service der Kassenärztlichen Vereinigung Kaum jemand nutzt Hotline für schnellen Termin beim Facharzt

Jeder vierte Kassenpatient in Deutschland muss länger als drei Wochen auf einen Facharzttermin warten. Für eine schnellere Terminvergabe in Brandenburg sorgt seit Anfang des Jahres die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Doch dieses Angebot wird nur von wenigen Patienten angenommen.

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Patienten warten in Brandenburg an der Havel auf die Öffnung eines Arztpraxis.

Quelle: Uwe Hoffmann

Potsdam. Die Schlange von Rathenow (Havelland) ist legendär. Als im Januar 2013 eine neue Augenarztpraxis eröffnete, standen zeitweise bis zu 260 Patienten an, um sich einen Termin zu sichern. Gerade bei Fachärzten ist das in Brandenburg eine echte Herausforderung – in keinem anderen Bundesland ist die Dichte der Spezialmediziner geringer.

Grund genug für die Annahme, dass die im Januar gestartete telefonische Servicestelle für Facharzttermine viel zu tun hat. Aber dem ist nicht so, wie es bei der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) heißt, die die Hotline betreibt. Am Telefon werden pro Tag im Durchschnitt nicht einmal zehn Termine vermittelt. In den ersten 30 Wochen waren es nach Auskunft von KVBB-Sprecher Christian Wehry 1379. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum haben in Brandenburg etwa viereinhalb Millionen Facharztbehandlungen stattgefunden. Die Telefontermine seien „ein absoluter Bruchteil“, resümiert Wehry.

Keine Probleme bei akuten Terminanfragen

Die KVBB sieht sich damit in ihrer Kritik bestätigt, die sie schon zum Start der Telefonvermittlung angebracht hatte. „Wir brauchen diese Terminservicestelle in Brandenburg nicht“, sagt Wehry. Zudem beklagt sich die KVBB über viele überflüssige Anrufe. Nach 30 Wochen waren es 923, bei denen notwendige Voraussetzungen zur Terminvergabe fehlten, etwa die erforderliche Überweisung des Hausarztes. In manchen Fällen wollten sich die Patienten selbst einen Arzt auswählen, was aber nicht vorgesehen sei, erklärt Wehry. Laut KVBB muss in dringenden Fällen niemand fürchten, nicht rechtzeitig bei einem Facharzt vorstellig werden zu können. „Bei akuten Terminanfragen haben wir überhaupt kein Problem“, sagt Wehry.

Von Seiten regionaler Patientenvertreter gibt es bislang kein Urteil über die Arbeit der Brandenburger Terminservicestelle. Auf Nachfrage kann etwa der Sozialverband VdK dazu keine Angaben machen. Auch bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, die hierzulande bis Ende 2015 die Unabhängige Patientenberatung (UPD) betrieb, gibt es keine Informationen.

Terminservicestellen bei 17 Kassenärztlichen Vereinigungen

In Deutschland betreibt seit Ende Januar 2016 jede der 17 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen eine Terminservicestelle. Callcenter-Mitarbeiter müssen Patienten innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, der maximal vier Wochen nach dem Anruf liegt. Klappt das nicht, bekommt man ersatzweise einen Termin im Krankenhaus. Voraussetzung ist außer für Augen- und Frauenarzt eine als „dringlich“ gekennzeichnete Überweisung des Hausarztes. Das Bundesgesundheitsministerium hatte die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, diesen in der Ärzteschaft ungeliebten Service anzubieten.

Die gesetzlichen Krankenkassen hatten sich von den Terminservicestellen erhofft, dass gesetzlich Versicherte bei der Terminvergabe nicht mehr gegenüber Privatpatienten benachteiligt werden. Einer aktuellen Umfrage zufolge muss in Deutschland jeder vierte Kassenpatient länger als drei Wochen auf einen Facharzttermin warten, bei Privatpatienten ist es lediglich jeder zehnte.

Die Terminservicestelle ist unter 0331/98 22 99 89 zu erreichen. Öffnungszeiten: montags, dienstags, donnerstags und freitags je von 9 bis 11 Uhr sowie mittwochs von 12.30 bis 14.30 Uhr.

Von Bastian Pauly

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