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Brandenburg Kein Haus von der Stange
Brandenburg Kein Haus von der Stange
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18:43 12.06.2015
WBG-Vorstand Carsta Göring vor dem Sonnenhaus. Quelle: Fotos: Rümmler
Strausberg

Prächtige Linden und Eichen gehören zum alten Baumbestand in der Strausberger Vorstadt (Märkisch-Oderland). Wege schlängeln sich hier wie Wanderpfade zwischen 50er-Jahre-Mietshäusern entlang. Hinter einem Zaun blöken Schafe. Ansonsten herrscht Ruhe. Wer in dieser Idylle wohnt, hat es gut getroffen. Ein Terrakotta- und ockerfarbener Viergeschosser mit großen Terrassen und Balkonen sticht in der Siedlung ins Auge. Es ist nicht nur der einzige Neubau weit und breit, sondern auch Ostdeutschlands größtes „Sonnenhaus“. Seinen Bedarf an Heizungswärme und Warmwasser deckt es fast komplett aus solaren beziehungsweise regenerativen Energiequellen. „Hier fanden 25 Mieter und unser Geschäftssitz ein neues Zuhause“ erklärt Carsta Göring, Kaufmännischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ Strausberg (WBG).

200 Quadratmeter Solarzellen stehen auf dem Dach

Die Versorgung des Objekts an der Gustav-Kurtze-Promenade mit Heizenergie und Warmwasser funktioniere weitgehend autark. Grundlage ist eine 200 Quadratmeter große Solarkollektorenfläche auf dem Dach, deren erzeugte Energie in zwei Saisonalspeicher „geführt“ und bei Bedarf an Fußbodenheizungen und Warmwasserbereitung geleitet wird. Reicht der Solarertrag nicht aus, wird mit einer Wasser-Wärmepumpe, die als Energiequelle Grundwasser nutzt, „nachgeheizt“. Eine automatisch laufende Kühldecke für heiße Tage gibt es in den Büros aber auch. „Die sehr gute Wärmedämmung sowie dreifach verglaste Fenster sind aber letztlich Voraussetzung für die Energieersparnis“, betont Carsta Göring. Die WBG verweist auf die prognostizierte geringe Heizlast von unter drei Euro pro Quadratmeter und Jahr. „Natürlich wirkt sich das entsprechend positiv auf die Betriebskosten aus“, sagt Frank Wessel, Technischer WBG-Vorstand. Auf Fahrstühle habe man bewusst verzichtet, um keinen zusätzlichen Strom zu verbrauchen. Deshalb seien nur Wohnungen im Erdgeschoss barrierefrei. „Hier leben ältere Mieter sowie eine junge Familie“, sagt Frank Wessel.

Für das vor genau einem Jahr fertiggestellte Haus mit 17 Wohneinheiten sowie Geschäftsräumen erhielt die WBG Strausberg jetzt vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmer das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“. Laut BBU-Schirmherrin Kathrin Schneider, Infrastrukturministerin in Brandenburg, will man mit der Auszeichnung auf beispielhafte Projekte für nachhaltige Stadtentwicklung aufmerksam machen. Schneiders Staatssekretärin Katrin Lange: „Mit Strausbergs Sonnenhaus werden Vorhaben der Stadtentwicklung mit klimafreundlicher Erzeugung von Wärme kombiniert.“ Das Projekt sei ein Paradebeispiel für die angestrebte Energiewende.

Der Handwerker wohnt hier neben dem Anwalt

Die Mieter selbst erwähnen den guten Mix aus Singles und Familien sowie jung und alt. „Die Mischung stimmt einfach, auch bei den Berufen. Hier wohnt der Handwerker neben dem Anwalt, der Selbständige neben dem Angestellten“, so einer der Bewohner. Die meisten Interessenten fürs „Sonnenhaus“ hatten sich gleich nach Bekanntwerden des Projekts 2012 um Mietverträge bemüht. „Die ersten Wohnungen waren schon vermietet als das Sonnenhaus gerade mal auf dem Reißbrett existierte“, so WBG-Vorstand Carsta Göring. Baubeginn war laut Göring im Frühjahr 2013.

Für das 3,6 Millionen Euro teure „Sonnenhaus“ flossen Fördermittel des Bundes aus Programmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau. „Bei einem Objekt dieser Größenordnung waren wir auf diese Mittel angewiesen. Gerade beim Einsatz derart moderner Technologien laufen hohe Investitions- und Baukosten auf“, sagt Carsta Göring. Doch letztlich würden die Mieter durch moderate Miet- und Heizkosten profitieren. Frank Wessel fügt an: „Dieses Projekt ist kein Haus von der Stange. Wir haben innovative Technologien eingesetzt, die nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Geldbeutel unserer Mieter zugutekommen.“ Ein Bewohner sagt, aus dem „Sonnenhaus“ werde keiner freiwillig wieder ausziehen. Vererbbar seien die Wohnungen allerdings nicht, sagt Carsta Göring.

Von Jens Rümmler

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