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Brandenburg Kein Platz für begabte Schüler
Brandenburg Kein Platz für begabte Schüler
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12:38 11.08.2014
Die Bildungspolitik steht in Brandenburg oft in der Kritik. Quelle: Julian Stratenschulte
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Potsdam

Sie waren eine Reaktion auf den Bildungsschock, den die erste Pisa-Studie im Jahr 2001 in Brandenburg ausgelöst hat: Mit der Einrichtung von Leistungs- und Begabungsklassen reagierte die damalige Große Koalition aus SPD und CDU auf die Bildungsmisere. Seit ihrer Einführung im Schuljahr 2007/08 sind die Klassen für besonders begabte Kinder ein politischer Zankapfel. Und nun kocht das Thema im Landtagswahlkampf wieder hoch.

Leistungs- und Begabungsklassen

  • Leistungs- und Begabungsklassen bieten sehr guten Schülern die Möglichkeit, bereits nach der vierten Klasse an ein Gymnasium zu wechseln.
  • Dieses Angebot gibt es nur an 35 Schulstandorten. Die Plätze sind daher begrenzt. Das kritisieren CDU und FDP. In den vergangenen Jahren war die Nachfrage deutlich größer als die Zahl der Plätze.
  • Um sich für die Spezialklassen zu qualifizieren, müssen Kinder besonders gute Noten schreiben. Außerdem benötigen sie eine Empfehlung der Grundschule und müssen einen Eignungstest absolvieren.

Nicht genug Platz für begabte Kinder

Obwohl die Nachfrage nach den Spezialklassen groß ist, gibt es deutlich zu wenige Plätze für die Schüler. Etwa jedes dritte besonders talentierte Kind bekam im vergangenen Schuljahr keinen Platz in solchen Klassen, wie aus einer Antwort von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion hervorgeht.

Danach erfüllten 1271 Schüler die Anforderungen, 409 von ihnen konnten aber nicht in einer sogenannten Leistungs- und Begabungsklasse aufgenommen werden. Im kommenden Schuljahr sieht es nicht besser aus: 1252 Kinder sind für die Sonderklassen angemeldet und bestanden die Tests – aufgenommen werden nur 887.

CDU will mehr Begabungsklassen

Der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann spricht von einem „Armutszeugnis“ für die rot-rote Landesregierung: „Die hohe Nachfrage und Akzeptanz der Leistungs- und Begabungsklassen ist seit Jahren bekannt, aber das Land weigert sich, die Förderung auszuweiten“, sagt er.

Die Begabungsklassen gibt es an 35 Schulstandorten – eine Begrenzung, die seinerzeit die SPD durchgesetzt hat. „Dieses Angebot geht an der Realität vorbei“, klagt Hoffmann. „Wir fordern ganz klar eine Ausweitung.“ Auch die oppositionelle FDP hält mehr Begabungsklassen im Land für dringend geboten.

Linke gegen Bildungsauslese

Die Landesregierung aber sperrt sich. Wenn es nach den mitregierenden Linken ginge, würden die Spezialklassen auslaufen. „Damit erreicht man nur Kinder aus bildungsnahen Häusern“, sagte Bildungsexpertin Gerrit Große (Linke). Schüler, die nicht von Hause aus eine gute Vorbildung mitbringen und nicht von ihren Eltern gefördert werden, blieben auf der Strecke. „Das System verstärkt die Bildungsauslese“, so Große. Sie verweist auf ihren Heimatlandkreis Oberhavel, wo es keine Spezialklassen gibt. „Wir setzen stärker auf individuelle Förderung, um alle Kinder zu erreichen. Das funktioniert wunderbar.“ Es hätten sich jedenfalls noch keine Eltern in Oberhavel darüber beklagt, dass es die besonderen Förderklassen dort nicht gibt.

Auch die Grünen lehnen LuBK ab

Auch die Grünen sehen die Förderinseln für Begabte kritisch und fordern ihre Abschaffung. „Leistungsstarke Schüler werden in der fünften Klasse separiert, damit erodiert das System der sechsjährigen Grundschule“, sagt die bildungspolitische Sprecherin Marie Luise von Halem. Statt früher Selektion sollten alle Kinder individuell gefördert werden und lange gemeinsam lernen.

Eine Evaluation der Leistungs- und Begabungsklassen sollte längst vorliegen und wurde vom Bildungsministerium verschoben. Für Marie Luise von Halem ist das kein Zufall: „Die Landesregierung will das Thema offensichtlich aus dem Wahlkampf heraushalten“, sagt sie. So ganz gelungen ist das nicht.

Von Torsten Gellner

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