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Brandenburg Keine Feier ohne Meyer
Brandenburg Keine Feier ohne Meyer
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00:25 13.04.2015
Drei Schausteller-Generationen Meyer auf dem Potsdamer Frühlingsfest: Christoph, Karl und Karl senior (v.l.n.r.) Quelle: Foto: Julian Stähle
Potsdam/Stahnsdorf

Angefangen hat alles mit einer Skatpartie vor mehr als 150 Jahren: Karl Meyer hatte bei der Kartenrunde in der Dorfkneipe des thüringischen Silkerode ein Bodenkarussell gewonnen. Der Landwirt rechnete zunächst nicht damit, dass der Schausteller, der auf dem Schützenfest gastierte, ihm das Karussell tatsächlich überlässt. Dass der Gewinn das Leben von mindestens sechs nachfolgenden Generationen prägt, ahnte er an jenem Tag im Jahr 1864 noch weniger.

Am Morgen nach der Skatpartie stand der Schausteller bei Karl Meyer auf dem Hof. „Spielschulden sind Ehrenschulden“, habe er gesagt und das Karussell dagelassen. Wirklich dafür interessiert hatte sich nur Karl Meyers Frau. „Du, vielleicht kann man mit so einem Karussell ja Geld machen“, hatte sie zu ihrem Mann gesagt. Kurze Zeit später zog das Ehepaar von Dorffest zu Dorffest. Heute kommt kaum ein deutsches Volksfest ohne Karussells und Buden der Schausteller-Dynastie Meyer aus. Derzeit touren zehn Betriebe der Familie durch Deutschland.

Der 85-jährige Karl Meyer senior steht auf dem Festplatz am Potsdamer Neuen Lustgarten und erzählt die Geschichte seiner Ururgroßeltern so detailgetreu, als wäre er dabeigewesen. Es ist die Geschichte, die die seine prägt. Der Senior war zeit seines Lebens Schausteller, reiste neun Monate im Jahr durch die Republik, arbeitete von 9 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts, freie Wochenenden gab es kaum. 1961 machte er sich mit der Berg- und Talbahn „Walzertraum“ selbstständig, fünf Jahre später übernahm er den Autoskooter seines verstorbenen Bruders. „Das war da etwas ganz besonderes“, erinnert sich Karl Meyer senior.

25 Jahre Brandenburgischer Schaustellerverband

43 Schausteller
sind gegenwärtig im Brandenburgischen Schaustellerverband (BSV) organisiert, darunter der Betrieb „Meyer und Sohn“.

Der BSV arbeitet daran
, die Volksfeste der Städte und Gemeinden zu erhalten, um die Arbeitsplätze der Schausteller zu sichern. Dazu tritt der Vorstand mit Stadtverordneten und den Gemeindevertretern in Kontakt.

In diesem Jahr feiert der Brandenburgische Schaustellerverband sein ­25-jähriges Bestehen auf dem Potsdamer Frühlingsvolksfest auf dem Festplatz im Neuen Lustgarten.

Das Potsdamer Frühlingsvolksfest
läuft noch bis zum 19. April. Am Mittwoch ist Familientag.

Zu DDR-Zeiten gastierte Karl Meyer am liebsten in Dresden und in Erfurt. „Das Schausteller-Leben ist spannend, ich habe überall Bekannte“, erzählt der Rentner. „Die Festplätze sind wie eine zweite Heimat.“ Die erste Heimat liegt seit 1966 in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark), hier verbringt die Familie ihre dreimonatige Winterpause – von Mitte Dezember bis März. Karl Meyer senior ist dort seit mehr als 20 Jahren sesshaft. So richtig verabschiedet sich ein Schausteller jedoch nie von dem Metier.

Heute schaut Karl Meyer hin und wieder bei seinem Sohn Karl Meyer (57) und dessen Sohn Christoph Meyer vorbei, die den Betrieb nun gemeinsam unter dem Namen „Meyer und Sohn“ führen. In der Region sind sie vor allem in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin), Potsdam und Berlin.

Während Karl Meyer senior die Familiengeschichte erzählt, prüft Christoph Meyer die Schrauben des Breakdancers – sein extrem buntes und schnelles Karussell. Der 29-Jährige ist Schausteller in sechster Generation – und der erste Sohn, der nicht den Vornamen Karl trägt. Christoph Meyer kennt den Festplatz seit 1985, zuerst im Kinderwagen, heute ist er hauptberuflich Schausteller.

Seine Kindheit verbrachte Christoph Meyer bei den Großeltern in Stahnsdorf. „Meine Eltern wollten, dass ich auf eine reguläre Schule gehe“, erzählt der junge Schausteller. Sein Vater Karl war aus dem gleichen Grund im Babelsberger Internat. Viele Schaustellerkinder wechseln alle 14 Tage die Schule. „Das wäre nichts für mich gewesen“, sagt Christoph Meyer. Wenn er einmal eigene Kinder bekommt, würde er sie auch zu den Großeltern geben.

Dass Christoph Meyer den Betrieb seines Vaters eines Tages übernehmen wird, war irgendwie immer klar. „Das ist doch Familientradition“, sagt er. Kaum ein Familienmitglied macht etwas anderes – obgleich alle nach der Schule einen regulären Beruf erlernt haben. „Darauf haben unsere Eltern immer geachtet.“ Die meisten Schaustellerkinder erlernen einen Beruf, der sich mit der Schaustellerei verbinden lässt: Christoph Meyer ist gelernter Metallbauer. Während der Ausbildung war er drei Jahre sesshaft, das war ihm zu langweilig. Er wollte wieder raus.

Dabei ist der Job nach Aussage von Christoph Meyer lange nicht so romantisch, wie manch einer ihn sich vorstellen mag. „Wir arbeiten sehr hart und nehmen immer weniger ein“, sagt Christoph Meyer. Er sieht seinen Berufsstand mit mehr Herausforderungen konfrontiert, als noch zur Zeit seines Großvaters: Schausteller hätten immer höhere Kosten zu tragen, zum Beispiel durch die Einhaltung von EU-Sicherheitsrichtlinien oder den Mindestlohn.

Gleichzeitig könnten sie die Preise nicht erhöhen, die Gäste würden sich schon jetzt über zu hohe Preise beschweren. Zudem seien die Menschen heute viel schwieriger zu begeistern, als zu Zeiten seines Großvaters. „Alles muss immer spektakulärer werden“, sagt Christoph Meyer. Langfristig sieht er seinen Berufsstand in Gefahr, aufgeben will er deshalb noch lange nicht. „Noch nicht.“

Von Anja Meyer

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