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Keine Noten mehr für Zweitklässler

Reform Schulgesetz Brandenburg Keine Noten mehr für Zweitklässler

Eine Schule ohne Noten: Traum aller Schüler, Alptraum aller Eltern? So weit sind wir in Brandenburg noch nicht, aber Bildungsminister Günter Baaske (SPD) will den Einstieg in die Notengebung nach hinten schieben: Nach den Erstklässlern sollen jetzt auch die Zweitklässler keine Noten mehr bekommen.

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Grundschüler mit Zeugnissen: In der vierten Klasse gibt es Zensuren – es sei denn, Eltern und Schulen votieren dagegen.

Quelle: dpa

Potsdam. Eine Schule ohne Noten: Traum aller Schüler, Alptraum aller Eltern? Von einer zensurenfreien Bildungslandschaft ist Schullandschaft noch weit entfernt, auch wenn Minister Günter Baaske (SPD) jetzt den Weg dafür ebnet, dass Schüler in den ersten beiden Jahrgangsstufen generell keine Ziffernnoten mehr bekommen. Stattdessen sollen sie eine schriftliche Leistungsbewertung erhalten.

Das rot-rote Kabinett beschloss am Dienstag eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes, der der Landtag noch zustimmen muss.

Mit der Neuregelung soll verhindert werden, dass in den sogenannten Flex-Klassen - zusammengefasste Klassen aus 1. und 2. Jahrgangsstufe - die einen Schüler Zeugnisse mit Noten bekommen und die anderen ohne. Bislang können Elternversammlungen und Klassenkonferenzen schriftliche Beurteilungen freiwillig einführen.

Einstieg in die notenlose Grundschule?

Als Einstieg in die notenlose Grundschule will das Ministerium die Reform nicht verstanden wissen. In der ersten Klasse gab es schon bisher generell keine Noten. Für die zweiten Klassen lag es in den Händen der Elternversammlung und Lehrerkonferenz der Schulen, ob es mit den Zeugnissen Ziffernnoten von eins bis sechs gibt oder schriftliche Lernstandsanalysen. Durch die Reform wird diese Entscheidung den Eltern und Schulen abgenommen. Die Regelung für die dritten und vierten Klassen lautet: Es gibt Ziffern auf den Zeugnissen, es sei denn, Eltern und Lehrer votieren ausdrücklich dagegen. Ab der Fünften gilt Notenpflicht.

Diskussionsstoff bei Eltern und Lehrern

Unter Eltern und Lehrern dürfte das Vorhaben dennoch für Diskussionen sorgen, meint der Bildungsexperte der CDU-Fraktion, Gordon Hoffmann. „Eltern wollen eine klare Rückmeldung darüber, was ihr Kind kann und was nicht. Da haben sich die Noten von Eins bis Sechs bewährt. Sie genießen bei Eltern eine hohe Akzeptanz.“ Er befürchtet, dass Kinder und Eltern künftig verklausulierte Floskeln in Händen halten, mit denen sie nichts anfangen können. „Bei einem Arbeitszeugnis hört sich erst mal alles gut an. Was hinter den Formulierungen steckt, wissen oft nur die Personaler“, so Hoffmann.

Das Bildungsministerium hält dagegen, dass die Mitteilungen so formuliert werden, dass sowohl Eltern als auch Schüler sie verstehen. Beispiel: „Ben kennt die Regeln der Zeichensetzung und hat Kommas richtig gesetzt.“

Elternrat findet Regelung in Ordnung

Solche Beurteilungen kommen bei Eltern auch ganz gut an, weiß Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrats, zu berichten. „Die Erfahrung zeigt, dass nach einer Eingewöhnungsphase Eltern und Schüler immer mehr auf die verbale Beurteilung achten“, sagt er. Allerdings befürwortet er ein „Nebeneinander von klassischen Ziffernnoten und verbalen Beurteilungen, die vor allem Hinweise auf die Stärken und Schwächen bezüglich des Unterrichtsstoffes geben“.

Lehrer befürchten mehr Arbeit

Die Lehrerschaft GEW sieht die Einführung der Berichtszeugnisse in der zweiten Klasse aus anderen Gründen skeptisch. Die Formulierung würde den Lehrern zusätzliche Zeit abfordern, so Gewerkschaftschef Günther Fuchs. „Das ist eine zusätzliche Belastung.“ Das starre Notensystem von Eins bis Sechs hält er allerdings angesichts der geänderten Schulbedingungen auch für problematisch. Die neuen Rahmenlehrpläne würden mit Kompetenzstufen operieren, die sich kaum noch in ein Sechserschema übersetzen ließen. Außerdem sei die Vergleichbarkeit von Schülern mit und ohne Handicap mit starren Ziffernnoten kaum zu bewerkstelligen.

Brandenburg ist kein Vorreiter

Vorreiter wäre Brandenburg mit der neuen Regelung nicht. Mehrere Länder haben Ziffernzeugnisse für die niedrigen Klassenstufen abgeschafft oder Wahloptionen geschaffen, darunter sogar das bildungspolitisch eher konservative Bayern.

Weitere Änderungen im Schulgesetz

Die Änderung des Schulgesetzes sieht außerdem mehr Einsatzmöglichkeiten für pädagogische Helfer im Unterricht vor. Sie dürfen nicht nur an Förderschulen, sondern künftig auch an Grundschulen eingesetzt werden, die gemeinsames Lernen von Schülern mit und ohne besonderen Förderbedarf anbieten.

Auch eine neue Schulbezeichnung wird im Gesetz verankert: die Schulzentren. Dabei handelt es sich um bereits existierende Zusammenschlüsse von Grundschulen mit Ober- oder Gesamtschulen - mit gemeinsamem Leiter und Konzept. Es werde weder eine neue Schulform noch ein neuer Abschluss geschaffen, betonte Baaske. Es gibt bereits 36 solcher Zusammenschlüsse im Land.

Aus den Reihen der Linken kamen prompt Vorschläge für Änderungen des Gesetzentwurfs: Die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion des Koalitionspartners, Kathrin Dannenberg, kündigte an, sich im Landtag dafür einsetzen zu wollen, dass weiterführende Schulen im ländlichen Raum auch als Schulen mit nur einer Klasse pro Jahrgang weiterexistieren können. Zudem solle die Demokratie an Schulen gestärkt werden.

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Sollte es für Erst- und Zweitklässler Zensuren geben?

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Von Torsten Gellner

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