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Brandenburg Keine Provinzidylle mehr im „Polizeiruf 110“
Brandenburg Keine Provinzidylle mehr im „Polizeiruf 110“
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10:10 14.05.2017
Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) finden im Zimmer eines Verdächtigen Hinweise im Zusammenhang mit einem Gewaltverbrechen. Quelle: dpa
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Potsdam

In einem märchenhaften Wald bei Stettin wird die Leiche eines Mannes gefunden, er wurde dort erschlagen. Zeugen berichten von einem Auto mit deutschem Kennzeichen am Tatort. Ein Fall für das deutsch-polnische Ermittlerteam im polnischen Swiecko.

Ihr dritter Einsatz im neuen Brandenburger „Polizeiruf 110“ führt die Ermittler Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) und Olga Lenski (Maria Simon) weit weg von Grenzkriminalität wie Autodiebstahl und illegale Einwanderung und tief in brandenburgische Tristesse („Muttertag“, Sonntag 20.15 Uhr, ARD).

Gedreht in Groß-Ziethen in der Uckermark

Im fiktiven brandenburgischen Wüsterow nahe der polnischen Grenze lebt die junge Sabrina Uhl, die mit dem erschlagenen polnischen Tischler ein Verhältnis gehabt haben soll. Groß-Ziethen an der Grenze zur Uckermark bietet die reale Dorfkulisse. Sabrinas Mutter meldet die junge Frau kurz nach der Entdeckung im Wald bei Stettin als vermisst. Und so machen sich Raczek und Lenski auf eine nächtliche Fahrt nach Wüsterow - dort landet das ständig streitende Ermittlerpaar unfreiwillig im Doppelbett.

Ein Leben mit prekärer Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

Doch nicht die langsame Annäherung im Ermittlerteam steht im Mittelpunkt der Erzählung von Drehbuchautorin Anika Wangard und Regisseur Eoin Moore. Es ist das karge Leben der Bewohner, die existenzielle Not mit prekärer Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Nur alle zwei Stunden führt per Bus der Weg hinaus aus diesem grauen Straßendorf, in dem sich die Bewohner zunehmend gegenseitig belauern.

Mutter macht grausige Entdeckung

Schnell fällt der Verdacht auf den jungen Enno Schoppe (Anton Spieker), ein guter Freund von Sabrina und möglicherweise mehr als das. Doch der junge Mann und seine besorgte Mutter (Kathleen Gallego Zapata) schweigen beharrlich. Als die Mutter eine grausige Entdeckung macht, wird sie zur Schlüsselfigur der Ermittlungen in Mordfällen mit allzu menschlichen Motiven.

Abkehr von Krauses warmem, buntem Brandenburg

Mit „Muttertag“ ist dem Brandenburger „Polizeiruf 110“ sehr pointiert die Abkehr vom zuvor ermittelnden Dorfpolizisten Horst Krause gelungen. Auch Krauses Brandenburg war die ländliche Region, allerdings meist in den bunten Farben der warmen Jahreszeit. Raczek und Lenski ermitteln dagegen im trüben November, wenn die Touristen, die finanzkräftigen Berliner und die letzten Vogelschwärme ihre Sommerfrische längst verlassen haben.

Damit vermittelt „Muttertag“ ein realistisches Bild von Brandenburg in den sogenannten berlinfernen Regionen. Auch wenn dies den Tourismusmanagern sicher nicht gefällt, wird der „Polizeiruf“ damit seinem Anspruch wieder gerecht. Allein die gemeinsame Ermittlung mit den polnischen Kollegen kommt diesmal nicht zum Zug - anders als in den ersten beiden Fällen um Autodiebstahl und tschetschenische Flüchtlinge sind Raczek und Lenski auf sich allein gestellt.

Von Klaus Peters

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