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Kinderkrankheiten treffen auch Ältere

Brandenburger leiden unter Masern und Co. Kinderkrankheiten treffen auch Ältere

Mumps, Masern, Windpocken und Keuchhusten plagen auch immer mehr Erwachsene. Nach Zahlen des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) stecken sich in Brandenburg zunehmend ältere Patienten mit den typischen Kita-Viren an. Gab es 2002 in der Mark keinen einzigen Windpocken-Fall bei über 20-Jährigen, sind es in diesem Jahr bereits 84.

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Wer mag schon Masern? Dabei ist eine Impfung so leicht.

Potsdam. „Von Kinderkrankheiten kann eigentlich keine Rede mehr sein“, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Von rund 1460 Brandenburger Keuchhusten-Fällen im Vorjahr wurden rund 70 Prozent bei Erwachsenen ab 20 festgestellt. Besonders die Gruppe der 40- bis 60-Jährigen klagte über den hartnäckigen Stakkato-Husten. Auch bei Mumps und Masern steigen die Zahlen an älteren Erkrankten. Diese Entwicklung ist nicht ungefährlich. „Je älter die Betroffenen, desto größer sind die Risiken“, warnt Glasmacher.

Das Masern-Virus etwa kann Hirnhautentzündung, Luftröhreninfektionen oder sogar Fehlgeburten auslösen. „Wer sich mit dem Virus ansteckt und nicht immun ist, erkrankt auch“, betont Glasmacher. In diesem Jahr hat die eigentlich als weitgehend ausgerottet geltende Krankheit bereits 59 Märker erwischt, rund die Hälfte von ihnen hat das Kindesalter längst hinter sich. Deutschlandweit waren vor zehn Jahren nur 8,5 Prozent aller Masern-Patienten älter als 20, heute sind es 40 Prozent.

„Schuld sind Impflücken“, erklärt Allgemeinmediziner Michael Janßen vom Hausärzteverband Berlin-Brandenburg. Erst seit 1973 gehört etwa die Masern-Impfung in der Bundesrepublikzum Standard. In der DDR war sie ab 1970 Pflicht. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wissen aber 80 Prozent der nach 1970 Geborenen nicht, dass diese Impfung empfohlen wird – und zwar zweimal im Laufe des Lebens. Auch gegen Röteln und Mumps schützt der Impfstoff. An „Ziegenpeter“ erkrankten in diesem Jahr bislang neun Brandenburger – darunter waren sieben älter als 20. Gab es Mumpsausbrüche früher fast nur in Kindergärten und Grundschulen, verschiebe sich das zusehends auf weiterführende Schulen und Universitäten, sagt Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission. Auch bei Mumps gilt: Ältere stecken die Krankheit nicht mehr so leicht weg. Riskante Hodenentzündungen, die zu Unfruchtbarkeit führen können, sind eine häufige Begleiterscheinung.

Kinderkrankheiten sind hochansteckend

  • Der Begriff Kinderkrankheit stammt aus der Zeit, als es noch keine Schutzimpfungen gab. Als Kinderkrankheiten bezeichnet man Infektionen, an denen man meist nur einmal im Leben erkrankt. Früher waren daher fast alle Betroffenen Kinder.
  • Alle Kinderkrankheiten sind hochansteckend, ihre Erreger werden durch feine Tröpfchen, etwa beim Husten, übertragen. Bis sich erste Symptome zeigen, können Wochen vergehen.
  • Durch überstandene Erkrankung oder Impfung wird man immun. Aber: Viele Ältere sind im Kindesalter nicht geimpft worden. Für einen langanhaltenden Schutz müssen die Impfungen zudem erneuert werden. Meist gibt es Kombi-Impfungen, etwa Mumps-Masern-Röteln und Tetanus-Diphterie-Keuchhusten.
  • Wenn der Impfpass, der den Impfstatus dokumentiert, verloren gegangen ist und auch der Hausarzt die Impfungen nicht dokumentiert hat, empfiehlt sich eine Grundimmunisierung, also die nochmalige Durchführung der wichtigsten Impfungen. Eine „Überimpfung“ ist laut Robert-Koch-Institut nicht möglich. 

Dem Potsdamer Gesundheitsministerium ist das Problem bewusst. Es appelliert, auch im Erwachsenenalter den Impfstatus zu überprüfen. „Nur regelmäßige Auffrischungen stellen bis zum Lebensende sicher, dass ein ausreichender Schutz erhalten bleibt“, erklärt Sprecherin Alrun Kaune-Nüßlein.

„Die Bevölkerung muss wieder mehr für die Notwendigkeit einer guten Impfvorsorge sensibilisiert werden“, sagt auch Matthias Gabriel, stellvertretender Sprecher der AOK Nordost. Die Impfkommission empfiehlt besonders Erziehern, Lehrern und Professoren, die viel mit Jüngeren in Kontakt sind, sich vor vermeintlichen Kinderleiden zu schützen.

Von Marion Kaufmann

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