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Brandenburg Kirche in Altwustrow wieder ein Sanierungsfall
Brandenburg Kirche in Altwustrow wieder ein Sanierungsfall
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13:52 08.10.2013
An der Decke sind die Feuchtigkeitsflecken deutlich zu sehen. Quelle: Jeanette Bederke
Altwustrow

Das charakteristische Fachwerk der kleinen Dorfkirche von Altwustrow (Märkisch-Oderland) ist nur bei genauem Hinschauen erkennbar. Das Gotteshaus in dem malerischen Oderbruch-Runddorf ist mit hellem Kalk verputzt. Wie ein erst vor wenigen Jahren restauriertes Schmuckstück wirkt es allerdings nicht: Am Sockel des Turms fehlt der Putz, an den Wänden gibt es große, nasse Flächen und Risse. Dabei waren zwischen 2001 und 2007 rund 800.000 Euro in die Sanierung geflossen, hatten sich neben Bund und Land auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Oetker- und Reemtsma-Stiftung finanziell engagiert.

Dass eine Restaurierung nicht einmal zehn Jahre hält, löst bei Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger Kopfschütteln aus. Die 52-Jährige hat eigenen Angaben nach 20 Jahre Erfahrung bei der Restaurierung von denkmalgeschützten Kirchen und schreckt auch vor dem Sanierungsfall Altwustrow nicht zurück – zumal sie die Dorfkirche als „ein ganz besonderes Kleinod“ ansieht. Zunächst geht es Luttenberger darum, die Kirche „trockenzulegen“. Das Abwasser des Ortes fließe nur einen Meter von der Kirchenmauer entfernt unterirdisch zusammen, sagt sie und zeigt auf einen Schacht, um den herum Moos und Grünspan prächtig gedeihen. „Der müsste verlegt werden“, meint sie. Zudem sollten die augenscheinlichen Feldsteinfundamente der Kirche freigelegt und mit einer Dränage versehen werden. „Durch die Fugen zieht sich da immer Feuchtigkeit hoch“, weiß die Pfarrerin aus Erfahrung.

Ungewöhnlich ist schon die Geschichte der Entstehung der Kirche. „Vom Landesherren war den Dörflern die Genehmigung eines eigenen Gotteshauses verwehrt worden. Statt dessen sollten die Altwustrower sich an der Reparatur der Kirche in Wriezen beteiligen“, erzählt Beate Niehoff vom Förderverein Kirche Altwustrow, der sich schon seit mehr als 15 Jahren für das kleine Gotteshaus engagiert. Da die Oderbrücher schon immer eigensinnig waren, schlossen sich im 18. Jahrhundert 13 Dorffamilien zusammen, um sich ein eigenes Bethaus zu bauen. 1789 entstand die Kirche – als Schwarzbau.

Der im 15. Jahrhundert gegründete Ort lag damals jenseits der Oder, so blieb die frisch gebaute Kirche, die 1832 auch noch einen Kirchturm bekam, lange Zeit unbemerkt. Bis 1960 war sie Eigentum der Altwustrower Gründerfamilien, erst dann wurde sie von der evangelischen Kirche übernommen. In ihrem hölzernen Inneren bezaubert der Sakralbau durch weiß-goldenen Bauernbarock, der sich an Emporen und Orgel ebenso findet, wie am Altar, in den aus Platzgründen die Kanzel integriert wurde. Die Kirchendecke war einst in kräftigen Rot-Tönen bemalt. Um mit der Zeit zu gehen, wurde sie um 1832 jedoch mit Papierbahnen überklebt, die himmelblaue Papierdecke mit Jugendstilmotiven per Hand bemalt. Und die ist tatsächlich einzigartig in ganz Norddeutschland.

Der durch Wasserflecken und Schimmel stark zugesetzten Kirchendecke galt das Hauptaugenmerk bei der Sanierung. Zunächst aber musste der 142 Tonnen Sakralbau in einer spektakulären Aktion mit Hydraulik-Wagenhebern aus seiner Schieflage geholt und 15 Zentimeter angehoben werden. Die Seitenwände hatten sich unter der Last des Daches abgesenkt. Nach erfolgreicher Hebung wurde Schwamm und Holzwurm bekämpft, die Außenhülle saniert und die hölzerne Innenausstattung inklusive der Papierdecke restauriert. Der neue Glanz hielt allerdings nicht lange vor.

„Die Feuchtigkeit im Mauerwerk und im Haus haben wir nie wirklich rausbekommen, das wurde schon während der Sanierungsarbeiten deutlich“, sagt Niehoff und wirft den damals beteiligten Fachleuten vor, nicht reagiert zu haben. Die hätten ihnen auch prophezeit, dass der Putz am Turm bald wieder abfallen wird, erinnert sie sich.

Erst nach Bestandsaufnahme und Ursachenforschung bezüglich der Nässe könne über geeignete Maßnahmen zur Rettung der Kirche und die Finanzierung nachgedacht werden, sagt Pfarrerin Luttenberger, die allerdings auch nicht weiß, woher das Geld kommen soll. Dem einst so rührigen Förderverein ist der rasante Verfall der kleinen Kirche sechs Jahre nach dem Sanierungsabschluss merklich peinlich. An die früheren großzügigen Geldgeber traut sich laut Niehoff keiner der 15 Vereinsmitglieder ein zweites Mal heran. „Das sieht ja aus, als wäre ihre Unterstützung sinnlos verpulvert worden.“ Dennoch wirbt der Verein erneut um Spenden – „im Freundeskreis“, wie Niehoff sagt.

Jeanette Bederke

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